Vegetarische und vegane Wurstalternativen liegen im Trend. Doch wie schneiden sie tatsächlich ab, wenn es um Qualität, Nährwerte und Haltbarkeit geht? Die Arbeiterkammer Oberösterreich hat neun Veggie-Aufschnitte untersucht und dabei ein differenziertes Bild gezeichnet.

Qualität am Ende der Haltbarkeit

Im Test befanden sich sieben vegane und zwei vegetarische Produkte, die sich geschmacklich an klassischen Wurstsorten wie Extra, Pikantwurst oder Mortadella orientieren. Preislich lagen die Produkte zwischen 0,87 und 3,11 Euro pro 100 Gramm.

Besonders relevant für die Praxis im Lebensmittelhandel ist der Blick auf das Mindesthaltbarkeitsdatum. Die Produkte wurden unter korrekten Bedingungen gelagert und am letzten Tag der Haltbarkeit analysiert. Das Ergebnis: Fünf Produkte waren weiterhin von sehr guter Qualität, ein weiteres zeigte leichte sensorische Auffälligkeiten, blieb aber insgesamt einwandfrei. Drei der neun getesteten Aufschnitte hingegen wiesen bereits deutliche Qualitätseinbußen auf. Hohe Gesamtkeimzahlen deuteten auf mikrobiellen Verderb hin. Auch sensorisch fielen diese Produkte durch säuerlichen Geruch und Geschmack negativ auf. Krankheitserregende Keime wurden jedoch nicht festgestellt. Die betroffenen Produkte wurden als „wertgemindert“ eingestuft.

Sensorik bleibt entscheidend

Der Test unterstreicht die Bedeutung der Eigenkontrolle durch Konsumentinnen und Konsumenten. Ein Mindesthaltbarkeitsdatum garantiert keine einwandfreie Qualität bis zum letzten Tag. Auffälligkeiten wie saurer Geruch oder Geschmack sind klare Hinweise auf beginnenden Verderb. Nach dem Öffnen sollte Veggie-Aufschnitt daher möglichst rasch verbraucht werden.

 

Nährwerte: Weniger Fett, aber viel Salz

Im Nährwertvergleich zeigen pflanzliche Wurstalternativen durchaus Vorteile. Sie enthalten in der Regel weniger Fett und insbesondere weniger gesättigte Fettsäuren als klassische Wurstprodukte. Auch der Kaloriengehalt fällt oft geringer aus. Allerdings relativiert sich dieser Vorteil durch den Salzgehalt. Dieser ist meist ähnlich hoch wie bei Fleischprodukten. Veggie-Wurst ist daher nicht automatisch die gesündere Wahl. Beim Eiweißgehalt ergibt sich ein gemischtes Bild. Sechs der neun Produkte gelten als Proteinquelle, da mindestens zwölf Prozent der Energie aus Eiweiß stammen. Ein Produkt erreicht sogar einen Anteil von über 20 Prozent und darf somit als eiweißreich beworben werden.

Lange Zutatenlisten und Zusatzstoffe

Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die Verarbeitung. Um Textur, Geschmack und Farbe von Fleisch zu imitieren, greifen Hersteller häufig auf eine Vielzahl von Zusatzstoffen zurück. Acht der getesteten Produkte enthalten Verdickungsmittel oder Stabilisatoren, fünf Antioxidationsmittel. Auch Farbstoffe, Säureregulatoren, Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker kommen zum Einsatz.

Lediglich ein Produkt, eine vegane Mortadella, kam ohne Zusatzstoffe aus. Darüber hinaus enthalten sieben Produkte Aromen, zwei davon Raucharoma. Dieses steht zunehmend in der Kritik, da es potenziell gesundheitsschädliche Stoffe enthalten kann und in der EU vor einem Verbot steht.

Fazit: Differenziert betrachten

Der Test zeigt klar: Veggie-Wurst ist kein automatisch „besseres“ Produkt. Vorteile beim Fettgehalt stehen einem hohen Verarbeitungsgrad, Salzgehalt und teils eingeschränkter Haltbarkeit gegenüber. Für Handel und Konsumentinnen und Konsumenten gilt daher gleichermaßen: genau hinschauen, sensorisch prüfen und Produkte bewusst auswählen.