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Die Zukunft der Nutztierhaltung in der EU: Lösungen für aktuelle Herausforderungen

Partnerverbände der European Livestock Voice trafen sich, um die Zukunft der Nutztierhaltung in der EU zu diskutieren. Die Veranstaltung konzentrierte sich auf Tierschutz, Umweltauswirkungen, Ernährung und EU-Politik. Experten betonten die Notwendigkeit, Tierschutzgesetze zu aktualisieren und warnten vor den Risiken von verarbeiteten pflanzlichen Fleischalternativen. Die Veranstaltung zielte darauf ab, die Polarisierung in der Tierhaltung zu überwinden und die Zukunft der Nutztierhaltung in Europa zu gestalten.

Brüssel, 29. September – Partnerverbände der European Livestock Voice, die die Wertschöpfungskette der Nutztierhaltung repräsentieren, kamen zusammen, um einen offenen Austausch über die Zukunft der Nutztierhaltung in der EU und darüber hinaus zu veranstalten. Die exklusive Einladungsveranstaltung fand am Donnerstag, dem 28. September, im Concert Noble in Brüssel statt. Das Ziel der Veranstaltung bestand darin, einen Dialog zwischen Wissenschaftlern, Politikern, NGOs und der Privatwirtschaft zu schaffen, um Herausforderungen in unseren Ernährungssystemen durch machbare und praktikable Lösungen anzugehen und die derzeitige Polarisierung in Bezug auf die Tierhaltung zu beenden.

Aktuelle Herausforderungen in der Nutztierhaltung

Die erste von insgesamt vier Podiumsdiskussionen auf der Veranstaltung widmete sich dem Thema „Tierschutz in der Nutztierhaltung“ und versammelte Experten wie Léonard Théron von RumeXpert (Universität Lüttich), Antonio Velarde vom IRTA und Inês Grenho Ajuda von der Eurogroup for Animals. Inês Grenho Ajuda betonte, dass das Tierschutzgesetz seit über zwei Jahrzehnten nicht mehr überarbeitet wurde, obwohl zahlreiche Studien aufgezeigt haben, dass die bestehende Gesetzgebung nicht ausreicht, um angemessenen Tierschutz zu gewährleisten.

Sie betonte, dass wir uns an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren sollten und dass eine Zusammenarbeit der Beteiligten erforderlich ist, um den Zeitplan für die Umsetzung einzuhalten. Die EU hat die Möglichkeit, eine führende Rolle im Tierschutz zu übernehmen, und es wäre ein Fehler für alle, diese Gelegenheit zu verpassen.

Beitrag moderner Technologien

Die Diskussionsteilnehmer tauschten Ideen über den Beitrag moderner Technologien zur Verbesserung des Tierschutzes aus, darunter Sensoren zur Überwachung von Tieren während der Aufzucht. Solche Technologien ermöglichen es, neue Standards zur Förderung des Tierwohls in Zuchtprogrammen und -strategien zu definieren. Auch neue Zuchttechniken zur Verbesserung von Wohlfahrtsmerkmalen wurden hervorgehoben, ebenso wie die Notwendigkeit, alle Landwirte in bewährten Verfahren im Tierschutz zu schulen. Es wurde betont, wie wichtig es ist, klare Vorschriften zu schaffen, damit junge Landwirte wissen, welche Veränderungen auf ihren Höfen notwendig sind.

Tierschutz und Umwelt: Die Bedeutung einer ausgewogenen Landwirtschaft

Anschließend wurde die Diskussion zum Tierschutz durch eine Podiumsdiskussion zum Thema „Tierhaltung und Umwelt“ abgelöst, an der Manuel Maia, ein junger Milchbauer, Pablo Manzano vom Basque Centre for Climate Change, Catherine Geslain-Lanéelle von der DG AGRI und Célia Nyssens vom European Environmental Bureau teilnahmen. Die Teilnehmer diskutierten die Forderungen nach einer Rückkehr zu vielfältigeren landwirtschaftlichen Systemen und einer Abkehr von monokulturellen Bereichen, die ausschließlich der Nutztierhaltung oder dem Ackerbau gewidmet sind. Pablo Manzano betonte seine langjährigen Forschungen zu den Umweltauswirkungen und Ökosystemdienstleistungen von Nutztieren und wies darauf hin, dass es wichtig ist, nicht nur die negativen Auswirkungen von Nutztieren zu berücksichtigen.

Er erklärte: „Wir müssen berücksichtigen, dass Beweidung in den meisten Ökosystemen ein entscheidender Prozess ist. Aufgrund des Rückgangs wild lebender Pflanzenfresser, einschließlich zahlreicher ausgestorbener Arten, die nicht wiederhergestellt werden können, erfüllen gut verwaltete Nutztiere diese wichtige Rolle und fördern die Artenvielfalt und die Gesundheit des Ökosystems.“

Manuel Maia, ein junger Milchbauer aus Portugal, teilte seine persönliche Geschichte von Maßnahmen, die er auf seinem Hof ergreift, um Umweltauswirkungen zu reduzieren und Kreislaufwirtschaft zu betreiben, einschließlich der Wiederverwendung von Wasser und dem Upcycling von Biomasse aus der örtlichen Bierproduktion.

Ernährung und Gesundheit: Die Rolle von Fleisch und Alternativen

In der dritten Runde standen Professoren Alice Stanton vom Royal College of Surgeons Ireland und Stefaan De Smet von der Universität Gent sowie Camille Perrin von BEUC im Mittelpunkt, und sie fokussierten sich auf „Die Rolle von Nutztieren in einer gesunden Ernährung.“

Vermeidung von Fehlinformationen

Die Diskussionsteilnehmer betonten die Wichtigkeit der Vermeidung von Fehlinformationen und erkannten die Bedeutung von Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten in unserer Ernährung an. Sie legten besonderen Wert darauf, die Menschen dazu zu ermutigen, ihren Verzehr von Gemüse, Obst, Getreide und Hülsenfrüchten zu steigern. Auch die Herausforderungen der heutigen komplexen Ernährungsumgebungen wurden diskutiert, wobei die Diskussionsteilnehmer einhellig zustimmten, dass ungesunde, stark verarbeitete Lebensmittel mit hohem Salz- und Zuckergehalt oft die kostengünstigere und zugänglichere Option darstellen.

Alice Stanton betonte: „Lebensmittel tierischen Ursprungs wie Fleisch, Fisch, Milch und Eier sind nährstoffreiche Lebensmittel. Sie enthalten Proteine hoher biologischer Wertigkeit, essentielle Fettsäuren, Vitamine und Mineralien, die entweder am besten oder ausschließlich durch mäßigen Verzehr tierischer Produkte vom Menschen aufgenommen werden können. Dramatische Reduzierungen des Verzehrs tierischer Lebensmittel in Europa und weltweit werden voraussichtlich zu erheblichen Mangelerscheinungen führen – Frauen, Kinder, ältere Menschen und Menschen mit niedrigem Einkommen werden besonders stark betroffen sein.“

Bedenken bei Fleischersatzprodukten

Die Diskussionsteilnehmer äußerten ebenfalls Bedenken hinsichtlich von Fleischersatzprodukten. „Wenn Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Eier in der Ernährung durch stark verarbeitete pflanzliche Fleisch- und Milchalternativen ersetzt werden, die reich an zugesetztem Zucker, Salz und zahlreichen kosmetischen Zusatzstoffen sind, besteht eine erhebliche Gefahr, dass die Anzahl der Todesfälle und Gesundheitsprobleme aufgrund von Diabetes, Herzinfarkten, Schlaganfällen und Krebs exponentiell steigen könnte“, schloss Alice Stanton.

Zukunft der EU-Politik zur Nutztierhaltung

Das vierte und letzte hochrangige Podium konzentrierte sich auf die Schlüsselfrage der „Zukünftigen EU-Politik zur Nutztierhaltung“ und wie sie aussehen sollte.

An der Diskussion nahmen Roberto Berutti, Mitglied des Kabinetts von Kommissar Wojciechowski, Pablo Bernardos Hernández vom spanischen Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Ernährung, Marco Contiero von Greenpeace EU und Pekka Pesonen, Generalsekretär von Copa Cogeca, teil. Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass es eine Zukunft für die Nutztierhaltung in Europa gibt, und sie diskutierten das Thema des „Strategischen Dialogs zur Landwirtschaft“, das bereits in einem früheren Panel von Catherine Geslain-Lanéelle angesprochen wurde.

Bürokratischer Aufwand in der Landwirtschaft

Pekka Pesonen wies auf den bürokratischen Aufwand hin, dem Landwirte in ihrer täglichen Arbeit gegenüberstehen, und deutete darauf hin, dass dies ein klares Zeichen dafür ist, dass die derzeitige politische Struktur nicht zukunftsfähig ist. Marco Contiero betonte die Notwendigkeit, Landwirte angemessen für die nachhaltige Lebensmittelproduktion zu entlohnen. Die Veranstaltung war eine entscheidende Gelegenheit für verschiedene Interessengruppen, zusammenzuarbeiten, um die derzeitige Polarisierung in Bezug auf die Tierhaltung und die Rolle der Nutztierhaltung in unseren Ernährungssystemen zu beenden, ein zunehmend dringliches Ziel.

Roberto Berutti aus dem Kabinett des Landwirtschaftskommissars schloss die Diskussion mit den Worten: „Die Gemeinsame Agrarpolitik bleibt entscheidend, um die Nutztierhalter dabei zu unterstützen, nachhaltiger zu werden und gleichzeitig die Bedeutung ihrer Präsenz in ländlichen Gebieten und ihren Beitrag zur Ernährungssicherheit zu würdigen. Die GAP bietet ein Instrumentarium von Maßnahmen, das von der Unterstützung für den Tierschutz bis hin zu Investitionen in hochinnovative Technologien reicht. Wir benötigen eine effiziente Umsetzung der GAP in den Mitgliedsstaaten, um das Beste aus den verfügbaren Ressourcen zu machen.

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