ÖBKZ Eigenwerbung

Eine kleine Portion Gulasch zum Mittag, drei Sorten Schinken zum Probieren oder ein Bratlbrettl für zwei: Wer solche Angebote sichtbar macht, gibt Kundinnen und Kunden einen zusätzlichen Grund, zuzugreifen. Was Abnehmspritzen mit dem Bestellverhalten zu tun haben, zeigen US-Studien. Österreichische Fleischereien können schon heute ausprobieren, welche Portionsgrößen an ihrer Theke, beim Mittagstisch und im Catering gefragt sind.

„Gibt’s das auch kleiner?“ Wer an der heißen Theke so fragt, hat sich oft schon für ein Gericht entschieden. Offen ist nur noch, ob die Portion zur Mittagspause passt. Stehen das kleine Gulasch und die klassische Portion mit Preis auf der Tafel, fällt diese Hürde weg. Und wer am Freitag für zwei einkauft, findet mit einem gemischten Jausenbrettl gleich einen Anlass, mehrere Spezialitäten aus der Vitrine mitzunehmen. Die kleine Portion passt zum eigenen Appetit. Die Platte zum Teilen bringt Auswahl auf den Tisch.

Was Abnehmspritzen mit der Portionsgröße zu tun haben

Arzneimittel, die im Alltag unter dem Begriff „Abnehmspritzen“ zusammengefasst werden, können den Appetit dämpfen. Semaglutid in Wegovy erhöht laut Europäischer Arzneimittel-Agentur das Sättigungsgefühl und kann Hunger und Nahrungsaufnahme verringern. Tirzepatid in Mounjaro wirkt auf zwei Rezeptoren, GIP und GLP-1, und kann ebenfalls den Appetit reduzieren. Wegovy ist unter bestimmten Voraussetzungen zur Gewichtskontrolle zugelassen, Mounjaro sowohl für Typ-2-Diabetes als auch zur Gewichtskontrolle. Ozempic enthält ebenfalls Semaglutid und ist in der EU zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen. EMA zu Wegovy, Mounjaro und Ozempic.

Wie verbreitet diese Arzneimittel in den USA inzwischen sind, zeigt eine Gallup-Befragung von 2026. Elf Prozent der Erwachsenen gaben an, aktuell ein GLP-1-Medikament zur Gewichtsabnahme zu verwenden. 2024 waren es drei Prozent. Welche Rolle die Portionsgröße dabei spielt, hat Datassential gemeinsam mit ReFED im August 2025 unter 1.509 Erwachsenen in den USA untersucht. Von den Befragten, die GLP-1-Medikamente verwendeten, hatten sich 52 Prozent im vorangegangenen Monat im Restaurant mindestens einmal eine kleinere Portion gewünscht. Unter den übrigen Befragten waren es 27 Prozent. Um zu viel Essen zu vermeiden, hatten 62 Prozent der Anwenderinnen und Anwender ein reguläres Gericht geteilt, gegenüber 32 Prozent in der Vergleichsgruppe. Die Antworten geben wieder, was die Befragten selbst über ihre Bestellungen berichteten. Gallup, 2026 und Datassential/ReFED, 2025.

Bettcher / Oktober – November 2026

Auch an der Kassa sind Veränderungen messbar. Eine im Journal of Marketing Research veröffentlichte Studie verknüpfte Angaben zur Medikamentennutzung mit Einkaufsdaten eines US-Haushaltspanels. In Haushalten, in denen mindestens eine Person mit der Anwendung begann, sanken die Ausgaben im Lebensmitteleinzelhandel innerhalb von sechs Monaten im Schnitt um 5,3 Prozent. Bei Fast-Food-Ketten, Coffee-Shops und Lokalen mit eingeschränktem Service lag das Minus bei acht Prozent. Die Studie erfasst Ausgaben in diesen US-Vertriebskanälen. Wie stark Abnehmspritzen die Bestellungen in österreichischen Fleischereien oder Gasthäusern verändern, bleibt offen. Auffällig ist, dass auch in der US-Vergleichsgruppe ohne GLP-1-Anwendung mehr als ein Viertel schon einmal im selben Monat lieber weniger am Teller gehabt hätte. Studie zu US-Haushaltsausgaben und Befragung zu Portionsgrößen.

Was österreichische Fleischereien bereits anbieten

Die Metzgerei und Gaststube Krimbacher in Jochberg in Tirol weist auf ihrer Mittagskarte darauf hin, dass die Gerichte auch in kleiner Portion erhältlich sind. Auf der Karte stehen unter anderem Wiener Schnitzel, Fleischkäse mit Spiegelei und Tiroler Gröstl. Die Landfleischerei Sunk im niederösterreichischen Enzesfeld bietet im Catering kleine Schnitzel auf Schwarzbrot, Roastbeef-Brötchen und Hühnerspießchen an. Dazu kommen Schinken-, Braten- und Heurigenplatten. Bei der Marktmetzgerei Nagl in Schörfling am Attersee stehen wiederum Mini-Frankfurter, Schnitzerl und faschierte Laibchen im Fingerfood-Angebot.

Kleine Portionen an der Fleischtheke aktiv verkaufen

Der einfachste Einstieg ist ein Gericht, das ohnehin gekocht wird. Ein Gulasch lässt sich etwa als kleine Portion mit Gebäck und als klassische Portion mit Semmelknödel anbieten. Beide Varianten stehen mit Namen und Preis auf derselben Tafel. Im Verkauf genügt die Frage „Darf’s das kleine Gulasch oder die klassische Portion sein?“. Wer den Unterschied vor Augen hat, kann leichter entscheiden. Dafür reicht an der Theke etwa ein Foto der tatsächlich servierten Portion oder eine Schale in der Größe, in der das Gericht ausgegeben wird.

Auch in der kalten Theke funktioniert die Idee. Eine kleine Auswahl aus drei hauseigenen Schinkensorten macht es leicht, eine neue Spezialität kennenzulernen. Beim Jausenbrettl für zwei sorgen unterschiedliche Produkte für den Kaufanreiz, etwa Kümmelbraten, Geselchtes und ein saisonaler Aufstrich mit Kren und Gebäck. Auf dem Schild sollte stehen, was enthalten ist und für wie viele Personen die Platte gedacht ist. Im Verkauf lässt sich das Brettl genauso selbstverständlich anbieten wie das Tagesgericht. „Für zwei hätten wir unser Jausenbrettl mit Kümmelbraten und Geselchtem.“ Im Catering hilft zusätzlich die Unterscheidung zwischen einem kleinen Empfang und einer Platte, die als Mahlzeit geplant ist.

Platten zum Teilen machen auch weniger bekannte Zuschnitte zugänglich

Wie gut das Probierformat zu Rindfleisch passt, zeigt die Reportage „Minis mit Marge“ von Birga Himburg in der allgemeinen fleischer zeitung. Beim Canadian Beef Centre of Excellence in Calgary servierte Martín Rodríguez kleine Maistortillas mit Inside Skirt. Ein solcher Happen gibt Gästen die Gelegenheit, einen weniger vertrauten Zuschnitt zu probieren. Für den heimischen Mittagstisch oder Partyservice lässt sich dieselbe Idee mit vertrauten Geschmäckern umsetzen, etwa mit kleinen Scheiben vom geschmorten Rind auf geröstetem Schwarzbrot, dazu Apfelkren und eingelegte Zwiebeln. Wer wissen will, welches Stück auf dem Brettl liegt und wie man es zu Hause zubereitet, bekommt die Antwort direkt vom Fleischer. Weiterlesen bei Fleisch & Co: Street Food in Italien.

Was kleine Portionen kosten dürfen und wie sie sich rechnen

Ein kleineres Schnitzel braucht weniger Fleisch. Panieren, Ausbacken, Anrichten und Kassieren brauchen weiterhin Zeit, und auch die Verpackung kann gleich viel kosten. Eine kleinere Variante desselben Gerichts braucht deshalb einen eigenen, nachvollziehbaren Preis. Der Gesamtpreis liegt unter dem der klassischen Portion, während der Preis pro Gramm höher sein kann. Bei einer Probierplatte zählt der Aufwand für Auswahl, Vorbereitung und Anrichten. Ein klarer Gesamtpreis für das Brettl samt Beilagen macht die Leistung verständlich. Im Lokal gehören zwei Teller und das nötige Besteck beim ausgewiesenen Gericht zum Teilen dazu.

Das lässt sich mit Nettobeträgen durchrechnen. Bringt das klassische Gulasch 10 Euro Erlös und kostet es direkt zurechenbar 4,20 Euro, bleiben 5,80 Euro Deckungsbeitrag. Beim kleinen Gulasch ergeben 7,50 Euro Erlös und 3,30 Euro direkt zurechenbare Kosten einen Deckungsbeitrag von 4,20 Euro. Bestellt jemand statt der großen Portion die kleine, sinkt der Deckungsbeitrag dieses Verkaufs um 1,60 Euro. Hätte die Person bei nur einer Portionsgröße ganz verzichtet, bringt die kleine Variante einen zusätzlichen Deckungsbeitrag von 4,20 Euro. Entscheidend ist daher, wie sich der Deckungsbeitrag über alle Verkäufe entwickelt.

Was sich in vier Wochen an der Theke testen lässt

Für einen ersten Versuch reichen ein warmes Gericht in zwei Größen und eine Platte zum Teilen auf Vorbestellung. Das Team legt die Portionsgewichte fest, hängt die Preise gut sichtbar aus und erfasst beide Größen getrennt an der Kassa. Nach vier Wochen lassen sich die Verkaufszahlen vergleichbarer Wochentage gegenüberstellen. Interessant ist, wie viele Portionen insgesamt verkauft werden, welche Beilagen dazukommen und wie sich Deckungsbeitrag, Arbeitsaufwand und Reste entwickeln. Im Catering können kleinere Platten zunächst nach Bedarf nachgelegt werden. So lässt sich auch beobachten, welche Happen zuerst weg sind und welche am Ende übrig bleiben. Die österreichische Initiative United Against Waste empfiehlt wählbare Portionsgrößen und Beilagen, um Tellerreste zu vermeiden.

Wer die kleine Portion selbstverständlich anbietet, muss den Grund für die Bestellung gar nicht kennen. An der Theke geht es um die passende Menge, beim Brettl um die Freude am gemeinsamen Probieren. Ein vollständig angerichtetes kleines Mittagessen zeigt das Handwerk ebenso wie ein Brettl mit drei hauseigenen Spezialitäten.