Geflügel hat sich in den vergangenen Jahren fest im österreichischen Speiseplan etabliert. Aktuelle Daten der AMA-Marktanalyse RollAMA zeigen: Vor allem Hühnerfleisch entwickelt sich zunehmend zum Zugpferd im Fleischmarkt. Die Kombination aus Alltagstauglichkeit, vielseitiger Zubereitung und einem hohen Eiweißgehalt trifft den Zeitgeist vieler Konsumentinnen und Konsumenten.
Insgesamt kauften österreichische Haushalte im Jahr 2025 rund 40.591 Tonnen Geflügelfleisch im Lebensmitteleinzelhandel. Der Gesamtwert dieser Einkäufe lag bei knapp 390 Millionen Euro. Besonders deutlich zeigt sich das Wachstum beim Hühnerfleisch: Die Einkaufsmenge stieg gegenüber dem Vorjahr um 4,8 Prozent, der Umsatz sogar um 10,6 Prozent. Damit erreicht Hühnerfleisch mittlerweile einen Marktanteil von etwas über 30 Prozent am gesamten Fleischmarkt. Auch die Käuferreichweite unterstreicht die Bedeutung dieser Fleischart. Mehr als 80 Prozent der österreichischen Haushalte haben im Jahr 2025 zumindest einmal Hühnerfleisch im Lebensmitteleinzelhandel gekauft. Damit zählt Huhn zu den am weitesten verbreiteten Fleischarten im Land. „Geflügel passt sehr gut zu den aktuellen Ernährungstrends. Viele Konsumentinnen und Konsumenten achten bewusst auf eine proteinreiche Ernährung und suchen gleichzeitig nach alltagstauglichen Produkten. Geflügelfleisch erfüllt genau diese Anforderungen: Es ist vielseitig einsetzbar, schnell zubereitet und liefert hochwertiges Eiweiß“, erklärt Christina Mutenthaler-Sipek, Geschäftsführerin der AMA-Marketing.
Putenfleisch: Markt entwickelt sich differenziert
Während Hühnerfleisch weiter wächst, zeigt sich beim Putenfleisch eine differenziertere Entwicklung. Die Einkaufsmenge ging im Jahr 2025 um 7,4 Prozent zurück, gleichzeitig stieg der Umsatz um 1,8 Prozent. Insgesamt erreicht Putenfleisch einen Marktanteil von rund acht Prozent am Fleischmarkt. Trotz des Rückgangs bei der Menge bleibt die Nachfrage stabil: Fast jeder zweite österreichische Haushalt kaufte im vergangenen Jahr zumindest einmal Putenfleisch.
Ein Grund für die Entwicklung liegt auch in den hohen Produktionsstandards der heimischen Putenhaltung. Österreich zählt hier zu den strengsten Produktionsstandorten innerhalb der Europäischen Union. Klare Vorgaben zu Besatzdichten, Stallklima, Fütterung, Einstreu und Medikamenteneinsatz sorgen für hohe Qualitätsstandards, spiegeln sich jedoch auch im Preis wider. „Gerade bei Geflügel spielt die Herkunft für viele Konsumentinnen und Konsumenten eine wichtige Rolle. Mit dem rot-weiß-roten AMA-Gütesiegel ist die österreichische Herkunft klar nachvollziehbar und die Qualität streng kontrolliert. Wer bewusst zu Geflügel mit dem rot-weiß-roten AMA-Gütesiegel greift – insbesondere bei der Pute – unterstützt damit auch die hohen Produktionsstandards in Österreich“, betont Mutenthaler-Sipek.
Selbstversorgung steigt – Importbedarf bleibt
Auch bei der Versorgungslage zeigt sich eine gemischte Entwicklung. Laut Statistik Austria konnte Österreich den Selbstversorgungsgrad bei Geflügelfleisch im Jahr 2024 auf 74 Prozent steigern, ein Plus von einem Prozentpunkt gegenüber 2023. Innerhalb der Geflügelarten bestehen jedoch deutliche Unterschiede. Beim Hühnerfleisch liegt die Selbstversorgung stabil bei 81 Prozent, während sie beim Putenfleisch rund 51 Prozent beträgt. Nach dem Rückgang im Jahr 2023 liegt der Wert damit wieder knapp über der 50-Prozent-Marke. Trotz dieser Verbesserung bleibt Österreich weiterhin auf Importe angewiesen, um den gesamten Bedarf an Geflügelfleisch decken zu können.
Herkunft und Bio gewinnen an Bedeutung
Neben Preis und Alltagstauglichkeit achten Konsumentinnen und Konsumenten zunehmend auf Herkunft und Produktionsweise. Besonders im Bio-Segment zeigt sich eine steigende Nachfrage. Der wertmäßige Bio-Anteil bei Hühnerfleisch liegt aktuell bei 10,2 Prozent, beim Putenfleisch bei 1,5 Prozent. Auch beim Geflügelkonsum setzt sich damit der Trend zu nachhaltig produzierten Lebensmitteln weiter fort.
Preis bleibt entscheidender Faktor
Trotz wachsender Sensibilität für Herkunft und Qualität bleibt der Einkauf von Geflügelfleisch stark preisorientiert. Ein großer Teil der Käufe erfolgt im Rahmen von Aktionen im Lebensmittelhandel. Beim Hühnerfleisch entfallen 46 Prozent des Umsatzes auf Aktionsware, beim Putenfleisch sind es 37 Prozent. Gleichzeitig gewinnen Diskonter im Lebensmitteleinzelhandel weiter Marktanteile, sowohl mengenmäßig als auch beim Umsatz. Die aktuellen RollAMA-Zahlen zeigen damit ein klares Bild: Geflügelfleisch bleibt ein stark nachgefragtes Lebensmittel im österreichischen Handel. Gleichzeitig bewegt sich der Markt im Spannungsfeld zwischen steigenden Qualitätsanforderungen, wachsendem Herkunftsbewusstsein und einem weiterhin ausgeprägten Preisbewusstsein der Konsumentinnen und Konsumenten.



