Vor zwei Jahren sorgte die Tiroler Bio-Metzgerei Juffinger auf der Biofach in Nürnberg für Gesprächsstoff. Mit dem Satz „Ja! Für meinen Schinken musste ein Schwein sterben“ stellte das Unternehmen seine neue Marke Purro vor und löste damit Diskussionen weit über die Bio-Branche hinaus aus. Nun folgt der nächste wichtige Schritt: Die Bio-Wurstmarke ist erstmals flächendeckend im Handel angekommen.
Seit Ende April ist das komplette Purro-Sortiment in den meisten der rund 380 deutschen Denns Biomärkte in den Selbstbedienungstheken erhältlich. Damit hat die Marke ihren bislang größten Vertriebserfolg erzielt und erreicht erstmals eine breite Kundschaft im Bio-Fachhandel.

Purro setzt auf Transparenz statt Rechtfertigung

Die Marke wurde von Beginn an als bewusster Gegenentwurf zu klassischen Fleisch- und Wurstmarken konzipiert. Statt romantischer Bauernhofbilder oder zurückhaltender Kommunikation setzt Purro auf direkte Aussagen und klare Botschaften. Slogans wie „Meine Zutatenliste ist saukurz“ oder die viel diskutierte Aussage über das Schwein hinter dem Schinken sollen Konsumentinnen und Konsumenten dazu anregen, sich bewusst mit ihrem Fleischkonsum auseinanderzusetzen.
Hinter dem Konzept steht die Überzeugung, dass Transparenz und Offenheit langfristig mehr Vertrauen schaffen als das Ausblenden unangenehmer Fragen. Entwickelt wurde die Markenstrategie gemeinsam mit der auf nachhaltige Kommunikation spezialisierten Agentur Yool aus dem deutschen Gießen.
Bereits bei der Vorstellung auf der Biofach 2024 hatte Helga Juffinger erklärt, dass Fleischkonsum nicht versteckt, sondern offen diskutiert werden müsse. Ziel sei es, Menschen für einen bewussten Umgang mit Fleisch zu sensibilisieren und gleichzeitig die Leistungen der biologischen Landwirtschaft sichtbar zu machen.

Dennree sieht klare Marktlücke

Beim Bio-Großhändler Dennree stößt diese Positionierung offenbar auf Interesse. Das Unternehmen sieht in Purro einen klaren Gegenpol zum anhaltenden Vegan-Trend und hebt gleichzeitig die Kombination aus Produktqualität, Markenauftritt und Preisgestaltung hervor.
Zum Sortiment zählen aktuell Bio-Kochschinken, Bio-Bierschinken, Bio-Salami, Bio-Lyoner und Bio-Cervelatwurst. Die Produkte werden in 125-Gramm-Packungen angeboten, ein Format, das im Bio-Wurstsegment bislang vergleichsweise selten anzutreffen ist.

Die Wurstwaren stammen aus biologischer Produktion und setzen auf kurze Zutatenlisten ohne unnötige Zusätze. Bereits bei der Einführung hatte Juffinger angekündigt, konsequent auf Phosphate und künstliche Zusatzstoffe zu verzichten und stattdessen den natürlichen Geschmack des Fleisches in den Mittelpunkt zu stellen.

Verzögerter Start durch Markenfragen

Dass Purro erst jetzt im großen Stil im Handel erscheint, hat einen besonderen Hintergrund. Ursprünglich sollte die Marke deutlich früher an den Markt gebracht werden. Laut Juffinger verzögerten rechtliche Unklarheiten über die internationale Nutzung der Marke den Verkaufsstart um mehr als zwei Jahre.
Nach außergerichtlichen Einigungen und langwierigen Verhandlungen sei der Weg nun frei. Geschäftsführer Anton Juffinger betont, dass das Unternehmen trotz der Verzögerungen konsequent an dem Konzept festgehalten habe. Die ungewöhnliche und bewusst provokante Positionierung habe aus seiner Sicht weiterhin großes Potenzial.

Nächster Schritt: Lebensmittelhandel

Neben dem Vertrieb über Denns Biomärkte und den Dennree-Großhandel steht auch der konventionelle Lebensmitteleinzelhandel im Fokus. Nach Angaben des Unternehmens laufen Gespräche mit verschiedenen Handelsvertretern.
Weitere Produktideen befinden sich bereits in Vorbereitung. Vorerst konzentriert sich Juffinger jedoch auf die Etablierung des bestehenden Sortiments. Nach dem viel beachteten Messeauftritt 2024 und der nun erfolgten Listung im deutschen Bio-Fachhandel hat Purro den Übergang von der aufmerksamkeitsstarken Markenidee zur flächendeckenden Marktpräsenz geschafft. Für die Tiroler Bio-Metzgerei ist das ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer stärkeren Position im europäischen Bio-Wurstmarkt.

 

Anton und Helga Juffinger haben mit der Bio-Wurstmarke Purro einen bewusst unkonventionellen Weg eingeschlagen. Nach dem viel beachteten Start auf der Biofach 2024 ist das Sortiment nun bundesweit in den Denns Biomärkten erhältlich.Bildcredit: Florian Lechner / Bio-Metzgerei Juffinger

Anton und Helga Juffinger haben mit der Bio-Wurstmarke Purro einen bewusst unkonventionellen Weg eingeschlagen. Nach dem viel beachteten Start auf der Biofach 2024 ist das Sortiment nun bundesweit in den Denns Biomärkten erhältlich.  Bildcredit: Florian Lechner / Bio-Metzgerei Juffinger