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WHO-Warnung zu Fleisch: Kritik von vielen Seiten

Die Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass der Konsum von verarbeitetem Fleisch in großen Mengen krebserregend ist, hat rund um den Globus Kritik von Industrie und Landwirtschaft ausgelöst. Der österreichische Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter sprach ebenso von einer „Farce“ wie sein australischer Amtskollege. Fleischer und industrielle Verarbeiter warnten vor einer Verunsicherung der Menschen.

Ab dem Konsum von 50 Gramm Wurst, Schinken und anderem verarbeitetem Fleisch täglich steigt das Darmkrebsrisiko nach Einschätzung der Experten um 18 Prozent. Bei rotem Fleisch – Rind, Schwein, Lamm, Kalb, Schaf, Pferd und Ziege – wird vermutet, dass 100 Gramm täglich das Risiko um 17 Prozent erhöhen könnten, hatte die WHO aufgrund einer Untersuchung der Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) berichtet. Für die Analyse waren mehr als 800 bestehende Studien zusammengefasst worden.

„Die WHO-Krebswarnung bei Fleisch und Wurst ist eine Farce! Schinken auf die selbe Stufe zu stellen wie Asbest ist hanebüchener Unsinn und verunsichert nur die Menschen. Für mich ist klar: Österreichs Wurst ist und bleibt bedenkenlos die Beste!“, schrieb Rupprechter auf seiner Facebook-Seite. Einige Zeit später riet er jedoch zusätzlich zu „maßvollem Fleischkonsum“.

Ähnlich äußerte sich Australiens Agrarminister Barnaby Joyce. „Das macht das ganze doch vollends zur Farce – Würsteln mit Zigaretten zu vergleichen“, meinte er dazu, dass verarbeitetes Fleisch von der WHO nun in einer Kategorie mit gefährlichen Krebserregern wie Asbest, Alkohol und Tabak geführt wird. „Wenn wir all das aus unserer Ernährung streichen würden, was die WHO als krebserregend bezeichnet, können wir zurück in die Höhlen gehen“, sagte er.

Das heimische Gesundheitsministerium verwies auf die bekannte Ernährungspyramide, wonach „maximal dreimal pro Woche Fleisch oder Wurst konsumiert werden sollte“. „Einseitige, fleischlastige Ernährung ist nicht gesund, das wissen wir schon lange“, stimmten auch die Grünen in einer Aussendung ein. Das Team Stronach sprach von einer „skandalösen“ Warnung der WHO. Die Konservierungsstoffe, die für die mögliche Gesundheitsgefährdung verantwortlich sind, seien nur am Rande erwähnt worden. „Jede Irritation oder einseitige Esshysterie ist wenig hilfreich“, hielt der Bauernbund fest, der jedoch auch zu mehr „Verbraucherbewusstsein für die heimischen Nahrungsmittel“ riet. „Mit solcher Panikmache ist niemandem geholfen“, betonte die Landwirtschaftskammer. Dass ein Zuviel von jedem Produkt schade, sei nicht neu.

Unverantwortlicher Angriff

Das Ganze ist lediglich eine Ansammlung von statistischen Wahrscheinlichkeiten“, sagt Anka Lorencz, Geschäftsführerin der Fleischerinnung Österreichs. Dies sein ein „unverantwortlicher Angriff auf die gesamte Branche“, der hoffentlich keinen allzu großen Schaden anrichten werde. Die österreichischen Fleischer fordern eine differenzierte Betrachtung der aktuellen Studie. „Fleisch ist ein wertvolles Nahrungsmittel, das bei maßvollem Genuss gesundheitliche Vorteile bringt und Eisen und andere wichtige Vitamine liefert“, betont Rudolf Menzl, Innungsmeister der österreichischen Fleischer. „Krebs entsteht durch vielfältige, unterschiedliche Risikofaktoren. Alter, genetische Veranlagung, Lebensstil, Umwelt und natürlich auch die Ernährung spielen dabei eine Rolle“, sagt Univ.-Prof. Friedrich Bauer vom Institut für Fleischhygiene, Fleischtechnologie und Lebensmittelwissenschaften an der Universitätsklinik für Nutztiere und öffentliches Gesundheitswesen in der Veterinärmedizin. Ihm zu folge ist der Kausalzusammenhang in dieser Meta-Studie schwer nachzuvollziehen.

Ernährungswissenschaftler weisen darauf hin, dass Fleisch unter anderem Eisen und wichtige Vitamine liefert. Fleisch ist daher ein wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung. Österreichische Fleischprodukte, insbesondere bei den gewerblichen Fleischern, zeichnen sich zudem durch besondere Vielfalt und Regionalität aus.

„Die heimischen Fleischer stehen für Konsum mit Maß, dafür mit Genuss. Das gilt allerdings nicht nur für tierische Produkten, sondern sollte bei allen Lebensmitteln klar sein“, so Menzl. „Wir alle sollten auf den gesunden Menschenverstand hören. Vor allem werden wir nicht die Österreicherinnen und Österreicher bevormunden, die wissen, was sie an den qualitativ wertvollen, österreichischen Lebensmitteln haben. Wurst als Abfallprodukt zu bezeichnen, ist eine Frechheit“, empört sich der Innungsmeister. „In unseren Fleischwaren ist nur Rohware bester Qualität.“

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