Die Familie Hütter aus Krusdorf in der Südoststeiermark hat über Jahrzehnte mit Veränderung und Tatkraft einen erfolgreichen Direktvermarktungsbetrieb aufgebaut. Die Haltung wurde vera?ndert, immer wieder Produkte verworfen und neu gestaltet – und die Kinder und Schwiegerkinder eingebunden, nach ihren Sta?rken und Vorstellungen.
Auch am Beginn schon Fleisch
Der Hauptbetrieb besteht bereits seit mehr als 100 Jahren und wird heute in fu?nfter Generation gefu?hrt. Der Beginn war auch schon mit Fleisch verbunden und so wurde Rind- und Schweinefleisch vermarktet. Im Jahr 1990 erfolgte eine Erga?nzung zu Geflu?gel und der Rest ist Geschichte. Die Geflu?gelvermarktung wurde langsam und stetig aufgebaut. Wenige Tiere wurden wo?chentlich geschlachtet, die Pionierzeiten gepra?gt von viel Improvisation und Motivation. Durch einen Schicksalsschlag musste der Betrieb auch schnell u?bernommen werden und man schritt zur Tat. Gleich zu Beginn wurde die „Marktfahrerei“ aufgenommen und Bauernma?rkte in und rund um Graz waren das erste Ziel der jungen Familie. Mit den Erfolgen wurde auch konsequent investiert und 2000 folgte die Investition in eine Verarbeitungsanlage für Geflügel. Mittlerweile sind mit Gänsen, Enten, Truthühnern und Hühnern vier verschiedene Geflügelgattungen am Betrieb und werden zu rund 250 Produkten verarbeitet. Geschmacksversta?rker werden keine verwendet und ein Großteil im Glas ist mit natu?rlicher Haltbarkeit.
Martinigansl und Weihnachtspute sind die Topseller
Besonders bekannt ist der Vermarkter fu?r seine Weihnachtspute. U?ber die Jahrzehnte wurde speziell die Weihnachtssaison mit der vorgelagerten Gansl-Saison zum Schwerpunkt der Familie. Die Weihnachtspute – sie beginnt meist bei vier und kann bis zu zwo?lf Kilo nachgefragt werden – ist weiterhin beliebt. Neben dem traditionellen Gansl-Braten zu Weihnachten, wird auch immer mehr die Weihnachtsente nachgefragt.

Das Geheimnis des Erfolgs: konsequente Weidehaltung. © Beigestellt
Von der Bodenhaltung zur Weidehaltung und noch weiter?
Der enge Kontakt in der Direktvermarktung und der stete Blick auf zuku?nftige Marktanforderungen, brachte die Familie dazu, auch die Haltung zu u?berdenken. Deshalb wurde vor rund zehn Jahren bereits mit anderen Stallungen experimentiert. So wurden verschiedene Zelte und Stalleinrichtungen getestet, adaptiert und fu?r die eigenen Zwecke umgebaut. Nach Jahren des Experimentierens hat man sein System gefunden. So wurden mittlerweile alle Stallungen auf konsequente Weidehaltung umgestellt und die vormaligen Sta?lle dienen zur Aufzucht der Ku?ken und Go?ssel. Somit wurden vier Produktionsrichtungen geschaffen: das Weidehuhn, der Weidetruthahn, die Weide-Ente und die Weidegans. Aufgrund der Umstellung kann zwar nicht mehr ganzja?hrig produziert werden, aber wegen der Vielzahl an Produkten, kann die Winterzeit gut u?berbru?ckt werden. Das na?chste Projekt steht bereits in den Startlo?chern: Zu den bestehenden Weidesystemen werden eigens Mobilsta?lle gebaut und ausgestattet. Diese Kombination ermo?glicht auch die Aufzucht im Stall, verringert den Tiertransport am eigenen Betrieb und schafft einen schnelleren Zugang zur Weide. Zudem bestehen mit unterschiedlichen Geflu?gelgattungen in dieser Gro?ßenordnung bereits große Risiken im Hygienemanagement, die durch verschiedene Standorte und mobile Systeme aber gut im Griff gehalten werden ko?nnen.
Die Familie als Trumpf
Alle vier Kinder sind oder waren im Betrieb integriert und mittlerweile sind auch schon die Schwiegerkinder hauptberuflich und mit ihren eigenen Sta?rken verankert. Die a?lteste Tochter Monika hat den Betrieb ebenso mit aufgebaut und heute liegt das Marketing in ihrer Verantwortung. Mittlerweile ist sie in den sozialen Bereich gewechselt und u?bernimmt dort wichtige Aufgaben. Der a?lteste Sohn Patrick ist neben der technischen Entwicklung in der Schlachtsta?tte auch in der Tierhaltung im Einsatz. Nebenbei hat er den elterlichen Fahrverkauf aus dem Unternehmen losgelo?st und ist eigensta?ndig mit Partnerin Verena und meh- reren Angestellten auf verschiedenen Touren unterwegs. Neben den Produkten des eigenen Hofes gibt es ein Vollsortiment u?ber Fleisch, Fisch, Eiererzeugnissen u. v. m. Der ju?ngere Sohn Martin und seine Partnerin Julia Knittelfelder sind aus dem Bereich Gastronomie und Event und bringen ihre Fa?higkeiten und Erfahrungen in der Weiterverarbeitung, Marketing und Verkauf ein. Mit Claudia, der ju?ngsten Tochter, steht speziell zum Wochenende und zur Hochsaison eine tatkra?ftige Verka?uferin zur Seite.

Drei Generationen arbeiten bei Familie Hütter zusammen. © G. Linshalm
Corona – Wachstum oder Bremse?
Der Start der Corona-Pandemie war eine große Herausforderung fu?r die Familie. Die große Angst der Gastro-Verluste konnte durch die vielen Standbeine im Verkauf auf Ma?rkten und durch Fahrverkauf egalisiert werden und Menschen stro?mten in Scharren zu ihren Ma?rkten und auf den Hof. Das sprichwo?rtliche Sommerloch konnte man 2020 auch nicht bemerken, sicher aufgrund der unsicheren Reiselage, aber auch wegen des vera?nderten Konsumverhaltens. „Wir merken, dass die Leute mehr auf Regionalita?t setzen und auf den Ma?rkten mehr los ist“, meint Julia Knittelfelder, „so brachte und bringt die COVID-19-Pandemie großes Leid u?ber die Welt und viele Schwierigkeiten mit sich. Im Hinblick auf Regionalita?t und regionale Wirtschaftskreisla?ufe, scheint sie jedoch ein guter Beschleuniger zu sein.“
Nahe am Kunden
Wenn man nach dem Credo der Familie fragt, ist schnell klar, dass der direkte Kontakt mit dem Kunden, im Mittelpunkt aller Anstrengungen steht. Dort holt man sich nicht nur das Feedback zu den Produkten und auch das Lob als Motivation fu?r die hohe Arbeitsbelastung, sondern auch Ideen und Erwartungen zur Tierhaltung. Das Produkt ist der Mittelpunkt der Leistung, aber bestimmt wird es vom Kunden. Der Betrieb soll in rund fu?nf Jahren u?bergeben werden – die Kinder bereits voll integriert und fu?hren Teilbereiche als selbststa?ndige Unternehmen. Aber bis dahin wird sicherlich noch die eine oder andere Idee umgesetzt werden. „Nie stehen bleiben!“, gab uns als letzte Wortmeldung noch Alt-Chef August Hu?tter mit auf den Weg.
Autor: Matthias Mayr
Hu?tter: Pute & Huhn A 8345 Straden, Krusdorf 12 T 03473/86 42 W www.pute-huhn.at


