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Steigende Produktionskosten, massive Dürreschäden und zunehmender internationaler Wettbewerb belasten Österreichs Landwirtschaft. Beim Tag des Handels in Gmunden forderte Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger faire Erzeugerpreise, weniger Kostenbelastung und ein gemeinsames Bekenntnis zu regionalen Wertschöpfungsketten.

Österreichs Lebensmittelproduktion steht wirtschaftlich unter erheblichem Druck. Hohe Energie-, Treibstoff- und Düngerkosten sowie die Dürre des Jahres 2026 setzen zahlreichen landwirtschaftlichen Betrieben zu. Beim Tag des Handels in Gmunden warnte Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, vor einer neuerlichen politischen Debatte über niedrigere Lebensmittelpreise. Diese könnte aus seiner Sicht nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die heimische Verarbeitung und den Lebensmittelhandel schwächen.

Produktionskosten setzen Betriebe unter Druck

Besonders kritisch beurteilt Moosbrugger die zunehmende Differenz zwischen Produktionskosten und erzielbaren Preisen. Die gestiegenen Betriebsmittelkosten müssten auch in den Erzeugerpreisen berücksichtigt werden.

„Die verstärkt auseinanderklaffende Preis-Kosten-Schere schneidet vielen Bäuerinnen und Bauern die Luft zum Atmen ab“, erklärte der Landwirtschaftskammer-Präsident.

Bettcher / Oktober – November 2026

Zusätzliche Belastungen verursacht die außergewöhnliche Dürre des Jahres 2026. Trotz Versicherungsleistungen und staatlicher Unterstützungsmaßnahmen verbleibe ein erheblicher Teil der Schäden bei den landwirtschaftlichen Betrieben.

Regionale Fleischwirtschaft braucht faire Preise

Moosbrugger warnte ausdrücklich davor, die wirtschaftlichen Belastungen durch erneute Forderungen nach günstigeren Lebensmitteln zu verschärfen. Davon könnten vor allem Importe aus Ländern mit niedrigeren Produktionskosten profitieren.

Für Österreichs Fleischwirtschaft ist die Preisfrage besonders relevant. Landwirtschaft, Schlachtbetriebe, Fleischverarbeiter und Fleischerfachgeschäfte sind wirtschaftlich voneinander abhängig. Können einzelne Produktionsstufen ihre Kosten langfristig nicht decken, geraten regionale Lieferbeziehungen und Verarbeitungsstrukturen unter Druck.

„Regionale Wertschöpfungsketten haben nur dann Bestand, wenn alle Glieder gleichermaßen profitieren“, betonte Moosbrugger.

Gleiche Standards für Fleischimporte

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Forderungen betrifft die Wettbewerbsbedingungen gegenüber Drittstaaten. Importierte Lebensmittel müssten vergleichbare Produktionsstandards erfüllen wie heimische Erzeugnisse.

Den EU-Einfuhrstopp für brasilianisches Rindfleisch bezeichnete Moosbrugger als wichtigen ersten Schritt. Hintergrund sind fehlende Garantien zur Einhaltung europäischer Vorgaben beim Einsatz bestimmter Antibiotika in der Tierhaltung.

Gleichzeitig appellierte er an die EU und die Bundesregierung, zusätzliche Auflagen und Dokumentationspflichten nicht ohne entsprechende wirtschaftliche Perspektiven für heimische Betriebe einzuführen.

Energie und Versorgungssicherheit stärken

Um die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu verbessern, fordert Moosbrugger außerdem einen verstärkten Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energieträger.

Land- und Forstwirtschaft könnten mit Biogas, Biomasse und Photovoltaik einen größeren Beitrag zur Energieversorgung leisten. Dafür brauche es verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Anreize.

Für die österreichische Fleischwirtschaft bleibt dabei eine zentrale Herausforderung: Hohe Qualitäts- und Produktionsstandards müssen sich auch am Markt rechnen. Faire Erzeugerpreise, wettbewerbsfähige Verarbeitungsbetriebe und ein funktionierender regionaler Absatz sind Voraussetzungen dafür, dass die heimische Wertschöpfungskette langfristig erhalten bleibt.