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Rekord-Preisanstieg: Höchste Inflationsrate seit 1975

Die Teuerungswelle spitzt sich zu: Preistreiber bleiben Energie, Treibstoffe & Düngemittel. Der Handel erwartet einen "heißen Herbst" und pocht auf mehr Planungssicherheit und Anpassung der Quarantäne-Maßnahmen. Auch ein Covid-Plan für Herbst und eine Arbeitsmarktreform sind überfällig.

Im Juni ist die Inflationsrate laut Statistik Austria auf +8,7% angestiegen und hat damit das höchste Niveau seit 1975 erreicht. Noch dramatischer ist die Entwicklung im Beschaffungsbereich der Firmen selbst, bei den Großhandelspreisen: Diese sind im Juni um +26,5% regelrecht explodiert. Die Großhandelspreise gelten auch als Frühindikator für die weitere Entwicklung der Verbraucherpreise. Insofern erwartet der heimische Handel einen heißen Herbst, auf den sich Österreich jetzt bestmöglich vorbereiten muss.

Händler befürchten Minus in 2022 und wirtschaftliche Instabilität

Die immer höheren Energie- und Treibstoffkosten sowie die schlechte Verbraucherstimmung verhageln dem österreichischen Einzelhandel in diesem Jahr das Geschäft, so das zentrale Ergebnis der jüngsten Blitzumfrage des Handelsverbandes.

Hinzu kommt: Trotz steigender Preise verzeichnet mittlerweile jede dritte Person im Erwerbsalter Einkommensverluste. Rund 77% der Österreicher:innen wollen größere Ausgaben und Investitionen auf das kommende Jahr verschieben, 13% der Bevölkerung kommen mit ihrem Haushaltseinkommen kaum noch über die Runden.

Hohe Erwartungshaltung an das Teuerungs-Entlastungspaket

Der heimische Lebensmittelhandel hat die Inflation bei Lebensmitteln und anderen Produkten des täglichen Bedarfs durch ein ganzes Bündel an preisdämpfenden Maßnahmen so gut es geht eingebremst. Damit reduzieren die Händler zwar die Kaufkraft-Verluste der Bevölkerung teilweise, gleichzeitig müssen sie aber auf einen Großteil ihrer Margen verzichten und den Verkauf möglichst preisgünstiger Eigenmarken forcieren. Der Handelsverband hofft, dass das Teuerungs-Entlastungspaket der Bundesregierung bald bei der Bevölkerung ankommt und damit Wirkung entfaltet.

Haupttreiber für die historisch hohe Teuerungsrate im Großhandel sind:

o   Feste Brennstoffe (+120,8%)

o   Sonstige Mineralölerzeugnisse (+115,5%)

o   Benzin & Diesel (+75,6%)

o   Düngemitteln (+70,5%)

o   Getreide, Saatgut & Futtermitteln (+53,5%)

o   Technische Chemikalien (+44%)

o   Eisen & Stahl (+33,4%)

o   Bürobedarf (+24,9%)

o   Gummi & Kunststoff (+22,3%)

o   Papier (+22,2%)

o   Milch, Eier, Öle, Fette (+21,3%)

o   Holz (+19%)

o   Kaffee, Tee, Kakao & Gewürze (+16,1%)

o   Möbel (+15,4%)

o   Fleisch (+15,1%)

o   Obst, Gemüse & Kartoffeln (+12,7%)

o   Altmaterial & Reststoffe (+12,3%)

Leben und Wirtschaften mit dem Virus

Im Hinblick auf den Herbst braucht es Planungssicherheit. Die politische Sommerpause kann nicht starten, wenn notwendige „Hausübungen“ offen sind. „Es braucht eine Evaluierung der gesetzten Covid-Maßnahmen, eine nachvollziehbarere Differenzierung nach Branchen und mehr Eigenverantwortung – unter dem seit jeher vom Handelsverband geprägten Motto ‚Leben und Wirtschaften mit dem Virus‘“, sagt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Quarantäne-Maßnahmen anpassen

Insbesondere sollte die im Epidemiegesetz neu geschaffene gesetzliche Möglichkeit, Verkehrsbeschränkungen statt Absonderungen von infizierten Personen zu verfügen, genutzt werden. „Personen, die von ihrer Covid-Infektion gar nichts mitbekommen, sollten nicht in Quarantäne geschickt werden. In diesem Fall reichen Verkehrsbeschränkungen aus, etwa die Vermeidung von größeren Zusammenkünften oder die Pflicht, eine Maske am Arbeitsort zu tragen, wie es bereits nach der 5-tägigen Quarantäne vorgesehen ist„, so Will.

Arbeitsmarktreform nicht auf Herbst verschieben

Weder die aktuell höhere Zahl an Beschäftigten noch die niedrigere Arbeitslosenquote darf über die Not der Betriebe hinwegtäuschen: 41% der Händler klagen über Personalmangel trotz Überzahlung und verzeichnen zudem eine hohe Fluktuation. Die Arbeitsmarktreform darf daher nicht in den Herbst verschoben werden, ansonsten gefährdet man die Stabilität des Wirtschaftssystems. Es braucht dringend eine Mobilisierung jener Menschen, die arbeiten können aber nicht wollen, um auch jene nachhaltig in ihrer Lebenssituation abzusichern, die arbeiten wollen aber nicht können.

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