Weniger Tiere, mehr Schlachtungen: Fleischmarkt 2025

Weniger Tiere, mehr Schlachtungen: Fleischmarkt 2025
Österreichs Fleischwirtschaft steht 2025 vor einer Phase, in der mehrere Trends gleichzeitig wirken. Auf der einen Seite gehen die Bestände bei Schweinen und Rindern zurück. Auf der anderen Seite steigen – zumindest im Schweinebereich – die Schlachtzahlen. Quelle: Statistik Austria. Das legt nahe: Nachfrage und Absatz bleiben stabil, während die Produktionsbasis schmaler wird. Für Betriebe wird damit die Frage zentral, wie Tierhaltung, Effizienz und Investitionen künftig zusammenpassen.
Schweine: weniger Tiere, mehr Schlachtungen
Der Schweinebestand sank 2025 auf 2,48 Millionen Tiere (minus 2,2 Prozent). Gleichzeitig stiegen die Schlachtzahlen auf 4,77 Millionen Schweine (plus 2,3 Prozent). Die produzierte Schweinefleischmenge legte auf 471.600 Tonnen zu (plus 3,0 Prozent). Diese gegenläufige Bewegung deutet darauf hin, dass vorhandene Kapazitäten intensiver genutzt werden und Betriebe versuchen, über Effizienz und Auslastung gegenzusteuern.
Die Entwicklung fällt in eine Zeit, in der Tierhaltungsauflagen und Investitionsentscheidungen stärker in den Vordergrund rücken. Ab 1. Juni 2025 gilt die Neuregelung zur Haltung von Schweinen auf unstrukturierten Vollspaltenbuchten mit Übergangsfrist bis 2034. Für viele Ställe bedeutet das: Umbaupläne werden zur Managementaufgabe – mit offenen Fragen zur Finanzierung, zu Genehmigungen und zur künftigen Wettbewerbsfähigkeit.
Hier wird deutlich, warum der Druck in der Branche nicht nur aus dem Markt kommt, sondern auch aus der Regulatorik. Landwirtschaftssprecher Georg Strasser ordnet die Lage so ein: „Die Neuregelung aufgrund eines Erkenntnisses des Verfassungsgerichtshofs war notwendig.“ Genau dieser Satz zeigt den Spagat, den viele Betriebe erleben: Pflicht zur Anpassung – und gleichzeitig der Kampf um Wirtschaftlichkeit.
Rinder: leichter Rückgang, Kälber stärker betroffen
Im Rinderbereich ist der Rückgang weniger dramatisch, aber sichtbar. Der Gesamtbestand lag 2025 bei 1,81 Millionen Tieren (minus 0,3 Prozent). Auffällig ist der Rückgang bei Schlachtkälbern: minus 7,9 Prozent auf 36.000 Tiere. Die Zahl der Rinderschlachtungen sank um 3,6 Prozent auf 587.100, das Schlachtgewicht reduzierte sich um 2,5 Prozent auf 198.300 Tonnen.
Stabil blieb die Zahl der Milchkühe (536.200 Tiere, plus 0,1 Prozent). Das deutet darauf hin, dass der Milchsektor weiterhin eine tragende Säule bleibt, während sich die Fleischrinderhaltung – auch durch Kosten, Strukturwandel und Konsumverschiebungen – schwieriger entwickelt.
Geflügel: Wachstum als klare Marktbewegung
Deutlich dynamischer ist der Geflügelsektor. Die Schlachtzahlen bei Hühnern stiegen um 3,4 Prozent auf 108,14 Millionen Tiere. Das Schlachtgewicht erreichte 161.300 Tonnen und lag damit um 7,3 Prozent über dem Vorjahr. Geflügel gewinnt damit weiter an Gewicht – auch weil Konsumentinnen und Konsumenten es häufig als preislich attraktivere Proteinquelle wahrnehmen.
Für die Fleischwirtschaft bedeutet das: Wer heute investiert, muss stärker differenzieren – nach Produktsegment, Wertschöpfungsstufe und Zielmarkt. Der Druck auf Schwein und Rind bleibt hoch, während Geflügel weiter Marktanteile aufbaut.
Kosten, Tierwohl und Markt: drei Ebenen, ein Problem
Ein zentraler Hintergrund für den Strukturwandel sind die Produktionskosten. Seit 2020 sind die Kosten in der Tierhaltung deutlich gestiegen, während die Erlösseite nicht im gleichen Ausmaß nachgezogen hat. Das verschärft die Lage gerade dort, wo große Investitionen anstehen – etwa durch Stallumbauten, neue Technik oder höhere Anforderungen an Dokumentation.
Gleichzeitig ist die Tierhaltung wirtschaftlich relevant: Studien beziffern die wirtschaftliche Bedeutung der Nutztierhaltung mit 15,6 Milliarden Euro und rund 182.000 Arbeitsplätzen. Für Österreichs Regionen ist das ein gewichtiger Faktor – auch in Verarbeitung, Transport, Handel und Exportlogistik.
Bio und Nachhaltigkeit: Chance, aber kein Selbstläufer
Parallel wachsen Segmente, die Betrieben neue Perspektiven eröffnen: Bio und höherwertige Programme. Rund 24 Prozent der tierhaltenden Betriebe wirtschaften nach Bio-Kriterien, bei Mutterkühen liegt der Anteil laut aktuellen Angaben bei 43 Prozent. Die Nachfrage nach Bio-Produkten und „tierfreundlicher“ produzierten Erzeugnissen steigt – aber sie ist an Zahlungsbereitschaft, Vermarktung und stabile Lieferketten gebunden.
Die Branche bleibt gefragt – aber sie muss sich neu aufstellen
Die Zahlen zeigen eine Fleischwirtschaft, die sich nicht in einem einzigen Trend abbilden lässt. Die Nachfrage ist in Teilen stabil, Schlachtzahlen steigen, gleichzeitig sinken die Bestände. Dazu kommen Tierwohlvorgaben, Kostensteigerungen und Unsicherheiten bei Marktbedingungen. Betriebe, die wettbewerbsfähig bleiben wollen, werden ihre Strategien stärker anpassen müssen – mit klarem Blick auf Effizienz, Qualität, Haltungsumstellung und jene Segmente, die wachsen.