Nicht nur die die Kletzerl sind zurück
Editor öffnen
Mit Bedacht ging der bayrische Metzger Wasner die Übernahme der insolventen Kletzl Fleischwaren an. Nach einem Jahr zieht Eigentümer Hannes Weber Bilanz über das Investment – und berichtet Fleisch & Co von Ausbauplänen bei Sortiment und Belegschaft in Oberösterreich!
Im Expedit in der Gemeinde Aspach ist der Neubeginn unübersehbar: Neben den alten Kletzl-Toren ragt das Logo der bayrischen Metzgerei Wasner in den Himmel. Das Signal ist klar: Die legendären „Kletzerln“ sind zurück am Produktionsstandort Wildenau!
„Die Bayern und die Innviertler unterscheiden sich vielleicht im Dialekt, aber nicht beim Anspruch an gutes Metzgerhandwerk“, sagt dazu der neue Chef Hannes Weber. Sein Engagement ist ein Glücksfall, der sich einerseits der geografischen Nähe verdankt: Zwischen Wildenau und Bad Birnbach, dem Stammsitz von Wasner, liegen nur rund 40 Kilometer.
Wichtiger waren aber die Ausbaupläne der Bayern, die durch die Übernahme des bestehenden Spezialisten für Rohwurst und Salami ad acta gelegt wurden. „Unser Ziel ist klar: Wir wollen die Produktionskapazitäten ausfüllen und ein bedeutender Arbeitgeber für die Region sein“, gibt Weber die Linie vor.
Rohwurst für zwei Länder
Die Hälfte der aktuell in Wildenau produzierten Produkte ist für den österreichischen Markt, die andere für Deutschland bestimmt.
Neben dieser Synergie stellt sich der Eigentümer aber auch als eindeutiger Fan des Kult-Snackwürstels Kletzerl dar: „Viele Aspekte greifen ineinander, damit Geschmack und Qualität genau so entstehen, wie sie die Konsumenten seit Jahrzehnten kennen. Das Original kann deshalb nur hier hergestellt werden.“ Für Inhaber Hannes Weber stellt das Investment jenseits der bayrischen Grenze aber auch eine strategische Chance dar: „Mit der Übernahme von Kletzl haben wir nicht nur eine starke Marke übernommen, sondern bewusst in einen Produktionsstandort mit außergewöhnlichem Know-how investiert.“
Innerhalb der Wasner-Gruppe soll der Innviertler Standort nämlich „als Kompetenzzentrum für Rohwurstspezialitäten weiterentwickelt werden“. Dafür wurden auch die Kapazitäten erweitert. Über 3,5 Millionen Euro wurden seit der Übernahme investiert. Im August 2025 sind die Maschinen in Wildenau erstmals wieder angelaufen, seitdem wird das Produktsortiment Schritt für Schritt erweitert. Aktuell erzeugt der Standort monatlich 120 Tonnen Fleisch- und Wurstwaren. „Die Vollauslastung der Kapazitäten ist in den kommenden zwei Jahren geplant“, so das bayrische Familienunternehmen.

Kletzerln nun auch fleischlos
Eine zentrale Rolle beim Neustart spielt auch der Standortleiter Hermann Haider. Er ist Metzgermeister und Koch mit mehr als zwei Jahrzehnten Erfahrung in der Fleisch- und Wurstwarenherstellung. Als Leiter der Produktion fungiert er auch als Schnittstelle zwischen der Kletzl-Tradition und der Weiterentwicklung des Standortes. „Hermann kennt die Branche und die Produkte, er verbindet fachliche Kompetenz mit Führungsstärke. Genau solche Persönlichkeiten braucht es, um einen Standort erfolgreich weiterzuentwickeln“, erklärt Weber überzeugt.
Der erste sichtbarer Schritt des Duos auf dem heimischen Markt war die Erweiterung der bislang drei Kletzerl-Wurstsnacks (Klassik, Feurig und Cheese) um eine vegane Variante aus Erbsenprotein. „Wir sind Metzger aus Leidenschaft, gleichzeitig beobachten wir die Entwicklungen am Markt sehr genau“, sieht Hannes Weber darin keinen Widerspruch zum traditionellen Handwerk: „Unser Anspruch ist es, für unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten attraktive Produkte anzubieten.“
Apropos Produkte: 70 Prozent der aktuellen Erzeugung auf den rund 5.000 m² im Innviertel entfallen auf Rohwurst und Salami, der Rest sind Brühwurstprodukte, vor allem Leberkäse. Weitere neue Produkte sollen künftig ebenso ihren Platz haben, wobei die Rohstoffe weiterhin von regionalen Schlachthöfen bezogen werden.
Optische Markenerneuerung
Für Haider stand beim Hochfahren der Produktion vor allem die Bewahrung des gewachsenen Wissens der Mitarbeiter im Fokus. Mit Erfolg! Von den aktuell 35 Beschäftigten waren bereits 25 vor der Übernahme bei Kletzl tätig. „Maschinen lassen sich modernisieren, Produktionsstätten erweitern. Das Wissen, die Erfahrung und die Loyalität der Menschen sind durch nichts zu ersetzen“, so der Betriebsleiter. Und nach dem erfolgreichen Neustart denkt man bei Wasner bereits an die Zukunft. Mittelfristig soll die Belegschaft auf rund 60 Personen erweitert werden – ein Personalstand, der an die stärksten Jahre des Innviertler Betriebs anschließt.
Teil des neuen Auftritts ist auch das Erscheinungsbild von Kletzl. Da man im Innviertler Dialekt auch einen Lausbuben als „Kletzl“ bezeichnet, entstand eine Marke mit frecher Optik. Zusätzlich zur neuen Verpackung sollen auch Geschichten, Charaktere und digitale Formate geschaffen werden. Aktuell sucht man via Social Media den besten Kletzerl-Song. So sollen die Kunden aktiv eingebunden werden.
Denn Wasner-Inhaber Hannes Weber ist überzeugt: „Hochwertiges Metzgerhandwerk, regionale Wertschöpfung und Innovationskraft werden auch künftig die entscheidenden Erfolgsfaktoren im Fleischmarkt sein.“ Und der Kletzl-Eigentümer weiß, wovon er spricht – mit 500 Mitarbeitern betreibt man 80 (!) eigene Verkaufsstellen in ganz Süddeutschland.
Kletzerl: Das steckt hinter dem Kultformat
Kleine Portion, klarer Verzehranlass: Das Kletzerl ist als einzelner, direkt verzehrfertiger Rohwurstsnack konzipiert. Damit funktioniert es nicht nur für die klassische Jause, sondern auch als Mitnahmeprodukt und für den spontanen Verzehr.
Rohwurst im Convenience-Format: Das Produkt übersetzt eine traditionelle Warengruppe in ein modernes Snackformat. Für Fleischereien ist gerade diese Kombination interessant: vertraute Wurstkompetenz trifft auf ein handliches Produkt für unterwegs.
Impuls statt großer Einkaufsentscheidung: Durch die kleine Portion eignet sich das Kletzerl für Zusatzkäufe an der Theke oder im Selbstbedienungsbereich. Der Kunde muss weder aufschneiden noch portionieren oder zubereiten.
Tradition mit Wiedererkennungswert: Der Markenname, die lange Marktgeschichte und der bekannte Produkttyp schaffen Wiedererkennung. Gleichzeitig lässt sich das Konzept über unterschiedliche Geschmacksrichtungen erweitern.
Wasner auf einen Blick
Die Metzgerei Wasner hat ihren Stammsitz in Bad Birnbach in Bayern und blickt auf mehr als 100 Jahre Unternehmensgeschichte zurück.
Heute beschäftigt das Familienunternehmen rund 500 Mitarbeiter und betreibt 80 eigene Verkaufsstellen in Süddeutschland.
Produziert wird mit Schwerpunkt auf traditionellen Fleisch- und Wurstwaren, regionalem Rohstoffeinkauf und modernisierten Herstellungsverfahren. Wasner arbeitet nach dem IFS Food Standard auf Higher Level.
Mit der Übernahme von Kletzl im Jahr 2025 kam erstmals ein Produktionsstandort in Österreich dazu. Wildenau soll innerhalb der Gruppe vor allem als Kompetenzzentrum für Rohwurst und Salami weiterentwickelt werden.
www.metzgereiwasner.de





