
von isabella weippl
Bereits während der Ausbildung können interessierte Lehrlinge durch den Erwerb von Zusatzqualifikationen einen Vorsprung im Berufsfeld erreichen. Eine Möglichkeit dazu bietet der Internationale Fachkräfteaustausch (IFA). 2012 nutzten nach Angaben der Organisatoren mehr als 330 Lehrlinge die Chance für ein solches mehrwöchiges Auslandspraktikum. Einer davon ist Martin Krug, den es von Tirol für ein paar Wochen zu einem Fleischereibetrieb über die italienische Grenze zog. Im Interview spricht er über die dabei gewonnenen Erfahrungen und gibt Empfehlungen für einen lohnenden Aufenthalt.
ÖFZ: Wieso fiel die Wahl für das Auslandspraktikum gerade auf Italien? Gab es da schon Kontakte, sprachen fachliche Gründe dafür, oder ging es um die Faszination für das Land und die Kultur?
Martin Krug: Das war eine Kombination, denn zum einen wollte ich gerne nach Italien. Aber es traf sich natürlich gut, dass auch schon ein Kontakt zu einem Fleischereibetrieb in Südtirol vorhanden war durch meinen Vater. So war dann auch die Auswahl meines Fortbildungsplatzes klar, und ich musste nicht mehr suchen.
Wie sahen denn Feedback und Unterstützung von Ihrem Ausbildungsbetrieb aus?
Ich hatte natürlich die ideale Unterstützung, da meine Eltern einen Fleischereibetrieb führen und ich dort meine Lehre machen kann. Die Idee zum Auslandsaufenthalt ist, so muss ich sagen, ursprünglich auch von meinem Vater ausgegangen, da er selbst sehr interessiert am Beruf und am Weiterkommen seines Sohnes ist. Die Unterstützung des Betriebes sollte auf jeden Fall bei Interesse eines Lehrlings gegeben sein, denn er profitiert ja auch davon.
Konnten Sie die Gelegenheit zu einer staatlichen Förderung nutzen?
Ich habe eine Förderung im Rahmen des Leonardo-da-Vinci-Programms (Anm. der Redaktion: Austauschförderung der EU) bekommen. Ich bin ja über die IFA, den Internationalen Fachkräfteaustausch, dazugekommen, und die haben auch diese Förderung empfohlen. Zu den genauen Voraussetzungen wie Mindestaufenthalt und Ähnlichem hat sich meine Mutter informiert und die Beantragung übernommen.
Mein Praktikum im Ausland dauerte drei Wochen. Nach dieser Zeit kann man sich zwar ein Bild machen. Im Nachhinein würde ich aber sagen, idealerweise sollte so ein Praktikum mindestens nochmals so lange dauern, um Routine im Betrieb zu bekommen.
Haben Sie sich vorab für Ihren Aufenthalt vorbereitet? Was würden Sie diesbezüglich einem Jugendlichen, der sich überlegt ein solches Auslandspraktikum zu absolvieren, raten?
Der Betriebschef meines Praktikumsbetriebes ist ein jahrelanger, guter Bekannter unserer Familie. Dadurch erleichterte sich die Situation für mich erheblich. Sprachkurse habe ich keine besucht, da im Unternehmen und in der Umgebung, also Südtirol, vorwiegend Deutsch gesprochen wird. Ich würde sagen, normalerweise braucht es keine große Vorbereitung, wenn man willens ist, sich auch anderweitig fortzubilden. Die richtige Einstellung ist das Wichtigste. Ich würde anderen Jugendlichen aber raten, sich vorab im Internet über den Betrieb und dessen Aufgabenbereiche zu informieren.
Waren Sie mit der Aufnahme durch den Betrieb und die Betreuung der IFA zufrieden? Und wo haben Sie gewohnt?
Vom Ausbildungsbetrieb wurde ich herzlich aufgenommen. Auch bei der Arbeit erkannten sie sofort mein Potenzial und meine Einsatzbereitschaft. Um die Unterkunft kümmerte sich mein Arbeitgeber.
Der Wohnort war ca. fünf Minuten vom Betrieb entfernt und gut zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar. Dabei handelte es sich um eine Zweizimmerwohnung, verpflegt habe ich mich selbst. Betreuung vor Ort hat es in diesem Fall keine gegeben, denn das war bei mir eigentlich nicht notwendig. Bei Unklarheiten hätte ich mich aber direkt mit der IFA in Verbindung setzen können.
Welche Unterschiede zur heimischen Fleischwirtschaft, positiver oder negativer Art, konnten Sie in Italien feststellen?
Die Arbeit verläuft nicht so stressig und hektisch wie bei uns. Es wird auch noch Wert auf Freizeit und andere persönliche Dinge gelegt. Das heißt aber nicht, dass weniger Arbeit erledigt wird, die Einstellung ist einfach ein wenig anders. Und die Leute, die Kunden in Südtirol, geben grundsätzlich um einiges mehr an Geld für gute Qualität aus. Sie gehen zum Bäcker, Fleischer und sind nicht so auf die Supermärkte fixiert. Ihnen ist es wichtig, frische und qualitativ hochwertige Produkte zu kaufen und den persönlichen Kontakt zu pflegen. In Südtirol wird großer Wert auf den Verkauf gelegt, speziell beim Fleisch bedient einen der Chef persönlich. Vielleicht schätzen die Leute deswegen auch den Einkauf beim Fleischer mehr.
Konnten Sie auch landesspezifische Besonderheiten, was Arbeitsvorgänge und Herstellungsweisen betrifft, erlernen? Wird es demnächst auch italienische Spezialitäten im Heimatbetrieb geben?
Für mich war die Herstellung und Erlernung von Kochpökelwaren von großem Nutzen. Und allgemein konnte ich feststellen, wie vorher schon erwähnt, dass der Stellenwert von Lebensmitteln, sprich Fleisch- u. Wurstwaren, in Südtirol um einiges höher ist als bei uns in Nordtirol. Ich denke, es war eine sehr wichtige Erfahrung zu sehen, was die Leute an einem Fleischerbetrieb schätzen. Man bekommt so ein Bewusstsein und eine Wertschätzung für die Qualität der eigenen Tätigkeit. Ich habe natürlich einiges vom Erlernten versucht im elterlichen Betrieb umzusetzen. Mit den Kochpökelwaren wird es aber noch dauern.
Würden Sie so ein Praktikum in dieser Form als „Pflichtprogramm“ weiterempfehlen?
Nur unter der Voraussetzung, dass man wie ich den Beruf wirklich sehr gerne und auch gut ausübt. Davon zeugen meine Zeugnisse und Auszeichnungen, wie mein Landessieg beim Lehrlingswettbewerb in meinem zweiten Lehrjahr, mein Vizelandessieg im dritten Lehrjahr sowie die mit Auszeichnung abgelegte Lehrabschlussprüfung. Ich habe auch schon vorher einen siebenmonatigen Arbeitsaufenthalt in Vorarlberg in einer großen Metzgerei absolviert – auch das war eine wichtige Erfahrung. Es muss also nicht immer das Ausland sein, wobei das natürlich die meisten Herausforderungen bringt. Interesse für andere Arbeitsweisen sollte auf jeden Fall vorhanden sein und bringt einen weiter.
Aktuell leisten Sie die den Pflichtdienst beim Bundesheer – die Zukunftspläne sind schon geschmiedet? Reicht’s jetzt einmal mit dem Herumschnuppern?
Ausruhen werd’ ich mich nicht. Ich möchte – wie schon vor dem Bundesheer – auch die nächsten Jahre weiterhin einige Erfahrungen in verschiedenen Betrieben sammeln. Und natürlich meine Meisterprüfung ablegen.