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„Kein Prozess ohne IT“

300 Geschäftsführer und Führungskräfte der internationalen Fleischbranche besichtigten im Rahmen eines Fachseminars das neue Werk der Edeka Südwest Fleisch GmbH

Kaum ein anderes Projekt der Fleischbranche in Deutschland wurde in der jüngeren Vergangenheit mit so viel Aufmerksamkeit gewürdigt wie der Bau des neuen Edeka-Werks in Rheinstetten (Baden-Württemberg). Der IT-Spezialist CSB System ermöglichte daher gemeinsam mit der Edeka Südwest Fleisch GmbH gut 300 Fachleuten aus aller Welt, sich im Rahmen eines Praxisseminars persönlich ein Bild von dem hochmodernen Fleischwerk inklusive dessen Technologien zu machen.

Zu Wort kamen dabei aber auch weitere Projektpartner wie die Sealpac GmbH, die ATP Planungs- und Beteiligungs AG und das Itec-Ingenieurbüro für Hygiene und Lebensmitteltechnik GmbH.

Für die internationalen Teilnehmer, die zum Teil aus Australien angereist waren, hat sich der weite Weg gelohnt: Neben vielen informativen Vorträgen rund um das Projekt stand eine Besichtigung des Fleischwerks auf dem Programm.

Acht Jahre bis zur Inbetriebnahme
Greenfield-Projekte wie der Bau dieses Fleischwerks haben den Vorteil, dass keine vorhandenen baulichen Gegebenheiten berücksichtigt werden müssen. Andererseits bedürfen „Greenfields“ einer besonders exakten Planung und Koordination seitens der Verantwortlichen. Edeka-Südwest-Fleisch-Geschäftsführer Jürgen Sinn ließ keinen Zweifel an den Anstrengungen, die mit dem Projekt verbunden waren.

Auf drei Jahre Masterplanung folgte eine ebenfalls drei Jahre dauernde Planungs- und Genehmigungsphase, bevor mit dem Bau begonnen werden konnte. Dieser dauerte weitere zwei Jahre. Begleitet wurde diese gesamte Phase durch das Architekturbüro ATP, das auf Bauten in der Nahrungsmittelindustrie spezialisiert ist.

Werk zum Mitwachsen
Dabei wurde viel Wert darauf gelegt, dass das Fleischwerk „mitwachsen“ kann: „Mögliche Erweiterungsszenarien sind direkt bei der Konzipierung des Werks eingeflossen. Das sichert die Zukunftsfähigkeit des Standorts“, sagte Michael Trautwein von ATP. Im Juli 2011 wurde schließlich das 800 Mitarbeiter starke Werk in Betrieb genommen. Heute werden hier pro Tag bis zu 650 Tonnen Fleisch- und Wurstprodukte (300 verschieden Artikel) produziert.
Die 20 Produktionslinien sorgen an sieben Tagen die Woche im Dreischichtbetrieb für eine reibungslose Verarbeitung von 125.000 Tonnen jährlich. Die Kühlhauskapazität umfasst dabei über 4.000 Schweinehälften, 600 Rinderviertel und 1.000 Roastbeefs.

„Ohne den Einsatz einer entsprechenden Informationstechnologie kann man das nicht managen. Alle Prozesse müssen IT-gestützt ablaufen, damit ein Fleischwerk dieser Größenordnung überhaupt effizient arbeiten kann. Bei der Planung des Werks haben wir uns in allen Bereichen bewusst für das CSB-System als Komplettlösung entschieden. Wir steuern den gesamten Wertschöpfungsprozess mithilfe der Branchensoftware“, so Jürgen Sinn.

Wareneingang, Zerlegung, Produktionsplanung und -steuerung, Verpackung und Preisauszeichnung von SB-Fleisch und Wurst, Ein- und Auslagerungsprozesse, Kommissionierung, Rollibeladung und Versand laufen softwaregesteuert ab. Zwei CSB-Leitstände schaffen außerdem schnelle Steuerungs- und Eingriffsmöglichkeiten.

Wertschöpfung ab Wareneingang
In Rheinstetten leistet die IT bereits ab Wareneingang ganze Arbeit. Denn hier, bei der Anlieferung der ausgewählten Rohstoffe, beginnt die Wertschöpfung. Deshalb wurde im Wareneingangsbereich für Schweinehälften der „CSB-Image-Meater“ implementiert, mit dem Handelsklasse und Handelswert bestimmt werden können. „Der Image-Meater sortiert die ankommenden Schweinehälften vollautomatisiert nach Qualität und Seite, um sie im Stranglager entsprechend ein- und wieder auszulagern. Die gesamte Zerlegung wird auf Basis der hier gesammelten Daten effizient geplant und gesteuert“, so Dr. Peter Schimitzek, Vorstandsvorsitzender der CSB-System AG.

Über die Notwendigkeit zuverlässiger Planungsinstrumente referierten Thomas Kersten und Robin Gremlich von CSB-System. „Rohstoffe werden kontinuierlich teurer, gleichzeitig steigt der Preisdruck durch den Handel. Gerade der Bereich Produktionsplanung mittels IT-System bietet eine Menge Potenzial, den Produkterlös zu steigern und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern“, sagte Kersten im Rahmen des Seminars.

Software-Planungsprozess in der Zerlegung
Auf die in Rheinstetten implementierte CSB-Zerlegeplanung für die sechs Schweine- und zwei Rindfleischzerlegelinien ging Gremlich ein: „Auch in diesem Bereich müssen exakte Planungen erfolgen, schließlich werden hier die Grundlagen für die Edeka-Produkte geschaffen“, so der CSB-Mitarbeiter: „Dabei wird der Bedarf an Schweinehälften und Rindervierteln in einem voll integrierten, durchgängigen Software-Planungsprozess ermittelt. Der gesamte spätere Produktionsablauf wird berücksichtigt und natürlich wird auch die Ausbeute kontrolliert“, meint Gremlich.

Dass die errichtete Zerlegung auch technisch „State of the art“ ist, zeigte Oliver Vöge von Itec: „Neben einer geforderten Leistungsfähigkeit von 400 zerlegten Schweinen sowie 35 Jungbullen pro Stunde haben wir für reproduzierbare Qualitäten ebenso gesorgt wie für flexible Funktionalitäten. Insgesamt wurde hier eine auf Edeka zugeschnittene Anlagentechnik realisiert“, so Vöge.

Gleiches gilt für die Verpackungskonzepte im Fleischwerk, die von Sealpac geliefert wurden und die Vertriebsleiter Stefan Dangel vorstellte.

Integration von Anlagen und Preisauszeichnern
Mit einem umfangreichen Querschnitt durch das Fleischwerk bereitete Udo Nigl von CSB-System die anstehende Betriebsbesichtigung thematisch vor. Seinen Fokus legte er dabei auf die innerbetriebliche Logistik, die mithilfe des CSB-Systems gesteuert wird: Von der Einlagerung hängender Ware über die gesamte Fördertechnik, das Hochregallager und die Kommissionierung bis zu den Rolli-Beladestationen kurz vor der Auslieferung ist die Software aktiv. „Diese hochgradige Integration von Schlüsselprozessen ermöglicht eine durchgängige Automatisierung und eine enorme Leistungsfähigkeit“, so Nigl.

Auf die Integration von Anlagen und Preisauszeichnern ging Hermann Schalk von CSB-System ein. Laut Schalk muss die Kommunikation zwischen der eingesetzten Software und den Maschinen so weit gehen, dass der Einsatz von Ressourcen dauerhaft optimiert und Verschwendungen im täglichen Bedarf vermieden werden können.

„CSB linecontrol bietet eine praxisgerechte Lösung, mit der sich die Anlagennutzung und -effizienz optimieren sowie Ausschuss und Rüstzeiten reduzieren lassen. Darüber hinaus ist ein Real-Time-Controlling der Maschine oder Anlage möglich. Das führt natürlich zu deutlichen Kosteneinsparungen“, ist Schalk überzeugt.

Automatisierung für jede Betriebsgröße interessant
„Automatisierungslösungen im Bereich der Intralogistik lohnen sich auch für kleine und mittelständische Unternehmen.“ So lautet das Credo von Max Studer, Geschäftsführer der CSB-Automation AG, eine speziell für Automatisierungsprojekte entwickelte Neugründung der CSB-Unternehmensgruppe. Die Motive für Automatisierungsbestrebungen sind klar: Maximale Leistung bei minimalen Kosten. Dabei dürfen auch Flexibilität und Reaktionsfähigkeit nicht auf der Strecke bleiben. Wie auch KMUs diese Ziele umsetzen können, zeigte Studer anhand einiger Praxisbeispiele aus verschiedenen Unternehmensbereichen, darunter Wareneingang, Verpackung, Produktion, Kommissionierung und Hochregallager.

Am zweiten Tag der Veranstaltung öffnete das Fleischwerk seine Tore, um den gut 300 Teilnehmern des Praxis-seminars Einblicke zu ermöglichen. Auf fünf geführten Touren besichtigten sie – entlang der Wertschöpfungskette – das Werk und zeigten sich beeindruckt.
red/csb

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