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Aufs Schwein gekommen

Erika Wilhelmer betreibt Stuttgarts Schweinemuseum mit mehr als 35.000 tierischen Exponaten und einem besonderen Flair

Dass man in einem Schlachthof Schweine zu Gesicht bekommt, wird wohl noch nicht verwundern. Wenn über 35.000 Stück dieser Tierart dort permanent untergebracht sind, wird man schon eher ins Staunen kommen. Allerdings ist diese Sorte Schwein weder lebendig noch tot. Denn der ehemalige Stuttgarter Schlachthof beherbergt heute nicht nur ein gutes Speiselokal, in dem man leckere Schmankerln vom Schwein konsumieren kann, nein, er beherbergt auch ein gut sortiertes Museum, das ganz im Zeichen dieser Tiere steht.

Zu verdanken ist das der Betreiberin Erika Wilhelmer, die sowohl das Lokal als auch das Museum führt. Wer jedoch annimmt, man habe es hier mit einer Schweineliebhaberin zu tun, der irrt. „Ich besitze auch über 1.000 Salz- und Pfefferstreuer und mehr als 500 Hüte”, meint Wilhelmer. Eigentlich hätten ja die Salz- und Pfefferstreuer in die Räumlichkeiten des heutigen Schweinemuseums einziehen sollen: „Mein Sohn hat sich quergelegt und gemeint, hier müssen die Schweine ausgestellt werden.” Ihm ist es scheinbar auch zu verdanken, dass die Sammelleidenschaft seiner Mutter nicht völlig ausartet. „Fragen Sie mich lieber, was ich nicht sammle”, meint Wilhelmer schulterzuckend. Kurzer Nachsatz der rüstigen Dame: „Eigentlich alles außer Männer.”

Themenräume

Die Sammelleidenschaft von Erika Wilhelmer ist nicht der einzige Grund, der dieses Museum zu etwas Besonderem werden lässt. Es ist die Liebe zum Detail und die Akribie, mit der diese beeindruckende Sammlung mit dem Schwein als Motiv in allen Größen, Farben und Formen zusammengetragen und thematisch gegliedert ausgestellt wird. Da gibt es einmal einen mit Tapete in Waldmotiv ausstaffierten Raum, der ganz dem Wildschwein gewidmet ist. Oder ein eigenes Zimmer ausschließlich mit Setzkästen vom Boden bis hinauf zur Decke – allesamt befüllt mit Schweinefiguren. Miss Piggy darf natürlich genauso wenig fehlen wie alle möglichen und unmöglichen Arten von Glücksschweinen. Die Sparschwein-Fraktion ist, wie es sich gehört, im Tresorraum ausgestellt. „Der Großteil meiner Sammlung ist Kitsch, aber auch ein paar wirklich wertvolle Stücke sind auch dabei”, meint Erika.

Und wie kommt man zu so vielen Schweinen? „Seitdem ich das Museum habe, bekomme ich Schweine geschenkt und auch per Post zugesandt. Zu Hause habe ich noch 10.000 Stück Postkarten mit Schweinen darauf. Die sind hier noch gar nicht ausgestellt”, so Erika. Aber natürlich wurden auch sehr viele Stücke käuflich erworben – zum Teil zu recht stattlichen Summen. „Da steckst schon ein kleines Vermögen darin!” Ein Satz, dem man glauben schenkt, da schon allein die thematische Aufbereitung und Raumgestaltung Ressourcen verschlungen haben muss.

Dass ihr Herz an ihrer Sammlung hängt, ist in ihren Museumsführungen deutlich spürbar. Denn viele der schweinernen Stücke erwachen da zum Leben, da ihre Besitzerin eine Geschichte dazu zu erzählen weiß. Bei vielen der gekauften Exponate weiß Wilhelmer sogar noch den genauen Preis oder wo sie sie erhalten hat – auch wenn dies bereits Jahrzehnte zurückliegt. „Das hat mir ein Gast zum Geburtstag geschenkt”, hört man da bei einem Stück. „Genau solche Schweine hab ich Franz Beckenbauer und seinem Team vor der Fußballweltmeisterschaft 1990 geschenkt”, erzählt sie bei einem Exemplar im Glücksschweine-Raum: „Da sehen Sie mal, was das gebracht hat!”, meint die Museumsbesitzerin und grinst. Da kann man als Österreicher nur aufatmen. Denn man stelle sich vor, Erika Wilhelmer hätte das Schweinemuseum bereits 1978 betrieben.

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