Tierhaltung: Offener Appell an Handel und Schlachthöfe
Editor öffnen
Die Nachhaltige Tierhaltung Österreich, NTÖ, richtet einen ungewöhnlich deutlichen Appell an Futtermittelwirtschaft, Schlachthöfe, Handel und Gastronomie. Hintergrund sind die anhaltende Trockenheit, steigende Futter- und Energiekosten sowie Erzeugerpreise, die nach Einschätzung des Verbandes in weiten Teilen der tierischen Produktion nicht mehr kostendeckend sind.
Betroffen sind alle großen Nutztierbereiche, von Rind und Schwein über Geflügel bis zu Schafen, Ziegen und Pferden. Besonders angespannt ist die Lage dort, wo hofeigenes Futter fehlt und Betriebe zusätzliche Ware zukaufen müssen.
Mehr Schlachtungen als Warnsignal
Ein erstes deutliches Signal sieht die NTÖ in Oberösterreich und Niederösterreich. Dort haben sich die Schlachtzahlen bei Rindern bereits erhöht. Für den Verband ist das ein Hinweis darauf, dass Betriebe ihre Bestände reduzieren und Investitionen oder neue Umtriebe zurückstellen.
Die Sorge dahinter geht über die aktuelle Dürre hinaus. Wenn Tierhalter ihre Produktion dauerhaft aufgeben, lassen sich Kapazitäten nicht kurzfristig wieder aufbauen. Damit steht langfristig auch die Verfügbarkeit von Fleisch und tierischen Lebensmitteln aus österreichischer Herkunft zur Diskussion.
Appell an die gesamte Wertschöpfungskette
Die NTÖ fordert deshalb nicht einzelne Fördermaßnahmen, sondern eine Reaktion entlang der gesamten Kette. Futtermittelhersteller sollen ihren landwirtschaftlichen Kunden realistische und planbare Konditionen anbieten. Von Schlachthöfen erwartet der Verband Preise, die die tatsächlichen Produktionskosten stärker abbilden.
Auch Handel und Gastronomie werden ausdrücklich angesprochen. Mehr österreichische Ware im Sortiment allein reiche nicht aus, wenn gleichzeitig weiterer Preisdruck auf die Erzeuger ausgeübt werde.
Herkunft wird zur Versorgungsfrage
Damit verschiebt sich die Diskussion aus Sicht der Tierhalter zunehmend von der Preisfrage zur Frage der Versorgungssicherheit. Österreichische Herkunft gilt im Handel und in der Gastronomie als Verkaufsargument. Dieses Versprechen funktioniert aber nur, solange genügend heimische Betriebe wirtschaftlich produzieren können.
Die sechs Mitgliedsorganisationen der NTÖ warnen daher vor einem beschleunigten Strukturwandel. Faire, kostendeckende Erzeugerpreise, realistische Futtermittelpreise und ein höherer Anteil österreichischer Ware seien notwendig, um Produktion und Wertschöpfung im Land zu halten.
Der vollständige offene Appell der Nachhaltigen Tierhaltung Österreich mit den Forderungen der einzelnen Sparten steht als PDF zur Verfügung.


