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Die Folgen des Ukraine-Kriegs treffen heimische Lebensmittelindustrie

Welche Auswirkungen der Krieg in der Ukraine auf den Export von Lebensmitteln künftig haben wird, lässt sich noch nicht abschätzen. Klar ist, dass die Folgen des Krieges die österreichische Lebensmittelindustrie schon heute treffen. Auch wenn die aktuelle Lage in Europa von großer Unsicherheit geprägt ist: „Die Versorgung Österreichs mit Lebensmitteln, Futtermitteln und Getränken ist gesichert. Den Konsumentinnen und Konsumenten steht das breite heimische Lebensmittelangebot in gewohnter Menge und Qualität zur Verfügung“, betont Mag. Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie.

Seit Monaten kämpfen die Lebensmittelbetriebe mit einer historischen Kostenwelle, die pandemie- und erntebedingt die Preise für Energie, Rohstoffe und Verpackung in unvorhersehbare Höhe treibt. Damit nicht genug, haben sich Logistik- und Frachtkosten vervielfacht, es gibt Engpässe bei Paletten, Containern und LKW-Fahrerinnen und -Fahrern. Die Lage hat sich nun durch die Folgen des Ukraine-Kriegs nochmals dramatisch verschärft.

Die Folgen des Ukraine-Kriegs

Der Krieg in der Ukraine trifft in diesen Tagen auch die österreichische Lebensmittelindustrie. Einige Betriebe sind von dessen Auswirkungen direkt vor Ort betroffen. Die gesamte Branche hat nun mit zusätzlichen Effekten bei Energie, Rohstoffen, Verpackung, Arbeitskräften oder Logistik zu kämpfen.

Durch die hohen Erntemengen an Agrarrohstoffen bestimmt die Ukraine die Preisbildung am europäischen Markt wesentlich mit. Das betrifft vor allem Getreide (wie Weizen), Sojabohnen, Obst (wie Äpfel und Beeren) sowie Ölsaaten (wie Sonnenblumen, Mais und Raps). So erreichten die Getreidepreise mit dem russischen Einmarsch in der Ukraine neue Höchststände.

Auch Russland ist ein wichtiges Agrarland und beeinflusst die internationale Preisbildung auf den Getreidemärkten sowie auch bei Erdöl, Gas und Düngemitteln. So haben die Preise für Erdöl und Gas, Strom und Treibstoff nochmals dramatisch angezogen und ein Ende des Aufwärtstrends scheint nicht in Sicht. Das schlägt unmittelbar auf die Kosten der Produktion und des Transports von Lebensmitteln und Agrarrohstoffen, Futtermitteln, aber auch Fleisch durch. Gerade die Preise für Rind- und Schweinefleisch erleben derzeit einen Höhenflug.

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Die knappen Mengen und gestiegenen Kosten in den Vorstufen sowie eine belebte Nachfrage aufgrund des bevorstehenden Ostergeschäfts und der Grillsaison brachten allein in den vergangenen Tagen deutliche Preisschübe (z. B. haben sich Mastschweine laut Agrarmarkt Austria in den letzten vier Wochen um 33,6 % verteuert). Das bringt die heimische Fleischwarenbranche neben den Verteuerungen bei Energie und Transport weiter massiv unter Druck.

Aktuell entfallen Agrarlieferungen aus der Ukraine. Das hat auf die Versorgung Österreichs derzeit keine Auswirkungen, diese ist gesichert. Aber es verknappt sich dadurch das Angebot am europäischen Markt und das führt wiederum zu einer Verteuerung. Die Hersteller sind gezwungen, auf alternative Beschaffungsmärkte auszuweichen. Auch hat jüngst Ungarn vorläufige Exportbeschränkungen für diverse Agrarwaren festgelegt. „Das ist ein massiver Eingriff Ungarns in den freien Warenverkehr innerhalb der EU, der nicht akzeptabel ist. Es wurde bereits eine Protestnote an die EU-Kommission gesendet“, erklärt Koßdorff.

Erdgas: Lebensmittelindustrie steht für rund 10 % des Industriebedarfs

80 % des Erdgases bezieht Österreich aus Russland. Wie es mit den russischen Gaslieferungen weitergeht, ist ungewiss. Die österreichische Industrie insgesamt benötigt rund 40 % der jährlichen Erdgasmenge Österreichs. Auch in der Lebensmittelindustrie sind viele Prozesse energieintensiv und von Gas abhängig – von der Verarbeitung der Rohstoffe bis zum Tiefkühlen fertiger Produkte: Die Branche benötigt rund 3,5 Terawattstunden pro Jahr.

Gas als Energieträger für die Produktion kann nicht rasch ersetzt werden, vielmehr ist eine konstante Belieferung für Koch-, Back-, Kühl- oder Abfüllprozesse in der Lebensmittelproduktion unerlässlich. Kommt es im Worst-Case-Szenario zu einer Unterversorgung Österreichs, so haben die Privathaushalte Vorrang beim Gasbezug. Falls die Industrie bzw. ihre Vorlieferanten ihre Produktionen drosseln müssen, könnte das in weiterer Folge auch die Herstellung von Lebensmitteln treffen. „Das muss im Interesse der gesicherten Versorgung der Bevölkerung mit ausreichend Lebensmitteln und Getränken in jedem Fall verhindert werden“, fordert Koßdorff.

Die Versorgung mit Gas und die Entlastung der Branche haben jetzt Priorität

Die Lebensmittelindustrie zählt zu den versorgungs- und systemrelevanten Branchen in Österreich. „Den Lebensmittelherstellern sowie ihren Partnern und Zulieferern in der Wertschöpfungskette sind im Falle von staatlichen Energielenkungsmaßnahmen die benötigten Mengen an Gas zu gewähren, um die Bevölkerung weiterhin mit Lebensmitteln und Getränken in gewohnter Menge und Qualität versorgen zu können. Oberste Priorität muss jetzt die Vorbereitung und Umsetzung einer nachhaltigen Versorgung mit Erdgas haben“, appelliert Koßdorff an die Politik.

Auch fordert die Lebensmittelindustrie, die Branche mit ihren 27.000 direkt Beschäftigten gerade jetzt zu entlasten. Von Zusatzbürden nur für heimische Lebensmittelhersteller durch nationale Alleingänge ist mit Blick auf die kommenden EU-Vorgaben abzusehen, etwa von der Forderung nach einer rein nationalen zwingenden Herkunftskennzeichnung nur für österreichische Betriebe.

„Gerade jetzt in diesen heraufordernden Zeiten muss alle Kraft in die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit unserer österreichischen Lebensmittelindustrie fließen. Denn nur eine starkeLebensmittelproduktion im eigenen Land schafft weiterhin eine gesicherte und verlässliche Versorgung mit heimischen Lebensmitteln und Getränken“, so Koßdorff abschließend.

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