Leichte Umsatzsteigerung verdeckt realen Rückgang

Auf den ersten Blick wirkt die Umsatzentwicklung stabil. In den ersten drei Quartalen 2025 konnten die österreichischen Fleischereibetriebe ihre Erlöse im Durchschnitt um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum steigern. Damit fiel das Wachstum allerdings deutlich schwächer aus als noch 2024.

Ein genauerer Blick relativiert das Bild. Die Verkaufspreise stiegen im selben Zeitraum um durchschnittlich 3,9 Prozent. Real – also mengenmäßig – bedeutet das einen Rückgang der abgesetzten Produkte um 3,5 Prozent. Die Betriebe setzten somit weniger Ware ab, erzielten aber durch höhere Preise ähnliche Umsätze.

Diese Entwicklung verweist auf ein zentrales Branchenproblem: Die Preisweitergabe funktioniert, doch die Konsumnachfrage reagiert sensibel.

Polarisierte Umsatzentwicklung in den Betrieben

Die betriebliche Lage zeigt kein einheitliches Bild. Während ein Viertel der Unternehmen Zuwächse meldete, berichteten ebenso viele von Rückgängen. Knapp die Hälfte bewegte sich auf Vorjahresniveau.

Das deutet auf eine zunehmende Spreizung innerhalb der Branche hin. Standort, Spezialisierung, Zusatzangebote und Kundenstruktur gewinnen weiter an Bedeutung für die wirtschaftliche Stabilität.

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Privatkundschaft bleibt Stabilitätsanker

Besonders deutlich wird das bei der Betrachtung der Auftraggebergruppen. Das Privatkundengeschäft erweist sich weiterhin als tragende Säule vieler Betriebe. Mehr als die Hälfte meldete hier stabile Umsätze, rund ein Fünftel sogar Zuwächse.

Anders die Situation im gewerblichen Bereich. Hier berichteten deutlich mehr Unternehmen von Rückgängen als von Steigerungen. Vor allem im Großkundensegment macht sich die schwächere Konjunktur bemerkbar.
Diese Verschiebung legt nahe, dass klassische Handwerksstärken – Regionalität, Frische, Beratung – in wirtschaftlich angespannten Zeiten wieder stärker greifen als volumengetriebene Geschäftsmodelle.

Großkundengeschäft als Risikofaktor

Die Detailauswertung nach Geschäftsbereichen bestätigt diesen Trend. Während der klassische Fleisch- und Wurstverkauf mehrheitlich stabile Verläufe zeigt, gerät das Großkundengeschäft unter Druck.
Fast jeder zweite Betrieb meldete hier Umsatzrückgänge, Zuwächse blieben die Ausnahme.

Etwas robuster zeigen sich ergänzende Geschäftsfelder wie Imbiss oder Partyservice. Sie entwickeln sich zwar nicht dynamisch, tragen aber zur Risikostreuung bei und stabilisieren vielerorts die Erlössituation.

Stimmung kippt zum Jahresende

Parallel zur wirtschaftlichen Entwicklung hat sich auch das Branchenklima eingetrübt. Zum Jahresende 2025 bewerteten nur noch 14 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut. Demgegenüber standen 19 Prozent mit negativer Einschätzung.

Die Mehrheit stuft die Lage zwar weiterhin als saisonüblich ein, doch der Saldo aus positiven und negativen Bewertungen rutschte ins Minus. Im Vergleich zum Vorquartal bedeutet das einen deutlichen Dämpfer für die Branchenstimmung.

Hinter dieser Entwicklung stehen mehrere Faktoren: anhaltende Kostenbelastung, vorsichtiger Konsum und schwächelnde Großkundensegmente.

Umsatzlage bleibt angespannt

Auch die konkrete Umsatzentwicklung im 4. Quartal bestätigt die verhaltene Stimmung. Nur ein kleiner Teil der Betriebe konnte Zuwächse erzielen, während ein Viertel Rückgänge hinnehmen musste.

Der Negativsaldo fiel damit schlechter aus als im Vergleichsquartal des Vorjahres – ein Hinweis darauf, dass sich die Konjunkturabkühlung im Jahresverlauf verstärkt hat.

Gedämpfte Erwartungen für 2026

Der Blick nach vorne fällt entsprechend vorsichtig aus. Für das 1. Quartal 2026 rechnet lediglich ein kleiner Teil der Betriebe mit steigenden Umsätzen, während ein Viertel Rückgänge erwartet.

Die Mehrheit geht von einer Stagnation aus. Insgesamt überwiegen damit die pessimistischen Einschätzungen – ein Signal für anhaltende Unsicherheit zu Jahresbeginn.

Arbeitsmarkt zeigt sich stabil

Bemerkenswert ist jedoch die Personalplanung. Trotz wirtschaftlicher Herausforderungen planen mehr Betriebe Personalaufstockungen als Abbau.

Das deutet auf strukturelle Effekte hin:

  • Fachkräftemangel bleibt ein Thema
  • Betriebe investieren weiter in eigene Produktion
  • Service- und Zusatzbereiche gewinnen an Bedeutung

Im Schnitt ergibt sich daraus ein leicht steigender Beschäftigtenbedarf für das erste Quartal 2026.

Branchenanalyse: Stabilität durch Strukturwandel

Die aktuellen Konjunkturdaten zeigen kein Krisenszenario, aber eine strukturelle Verschiebung. Preissteigerungen sichern Umsätze, während Absatzmengen sinken. Wachstumsimpulse kommen weniger aus Volumen, sondern aus Spezialisierung, Direktvertrieb und Zusatzangeboten.
Besonders resilient zeigen sich Betriebe mit starker regionaler Verankerung und direktem Endkundenzugang. Druck entsteht hingegen dort, wo Margen stark von Großkunden oder preisgetriebenen Segmenten abhängen.
Für 2026 zeichnet sich damit kein dynamischer Aufschwung ab, wohl aber eine Fortsetzung des Anpassungsprozesses innerhalb der Branche.

Kennzahl Wert
Umsatzentwicklung nominell (Q1–Q3 2025) +0,3 %
Verkaufspreise +3,9 %
Umsatz real (mengenmäßig) ?3,5 %
Betriebe mit Umsatzplus 25 %
Betriebe mit Rückgängen 27 %
Geschäftslage „gut“ (Q4) 14 %
Geschäftslage „schlecht“ (Q4) 19 %
Umsatzsaldo Q4 ?9 %-Punkte
Umsatzerwartungen Saldo Q1 2026 ?11 %-Punkte
Geplante Personalentwicklung +1,5 %

 

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