Handel & Direktvermarktung

Black Friday für österreichische Masthühnerhalter

Am heutigen Black Friday überbieten sich Händler mit Billigangeboten, die bedauerlicherweise auch im österreichischen Lebensmittelhandel zu finden sind. Diese Art der Konkurrenz stellt heimische Bauern unter hohen Druck. Während die Masthühnerhalter unter Druck stehen, immer billiger zu produzieren, haben sich seit über einem Jahr zugleich die Futterkosten massiv verteuert.

Welche Botschaft vermittelt man den Österreicherinnen und Österreichern, wenn 1 kg österreichisches Hendl um 1,99 Euro angeboten wird, wie aktuell bei Hofer?“, merkt die Dachorganisation der österreichischen Geflügelwirtschaft, ZAG, kritisch an.  „Die Wertigkeit für hochqualitatives, österreichisches Geflügel geht bei solchen Preisen zur Gänze verloren. Wenn ein österreichisches so billig angeboten wird, dann leiden alle entlang der Produktionskette“, stellt die ZAG klar.

Wie viel ist ein Hendl wert?

Österreichische Masthühnerhalter arbeiten entsprechend dem österreichischen Tierschutzgesetz nach den EU-weit strengsten die Tiere besten Haltungsbestimmungen. Die Tiere haben in Österreich im Vergleich zu fast allen Ländern Europas viel mehr Platz im Stall. Das bedeutet auch, dass sie deutlich gesünder leben und der Tierarzneimitteleinsatz in den letzten zehn Jahren massiv gesenkt werden konnte.

Darüber hinaus bekennt sich die Geflügelwirtschaft zur gentechnikfreien Fütterung. „Wir könnten mit ausschließlich gentechnikverändertem Futter aus Übersee viel billiger produzieren, was wir aber nicht wollen, weil wir uns unseren hohen Standards und den österreichischen Konsumenten gegenüber verpflichtet fühlen“, konkretisiert Markus Lukas, Obmann der Geflügelmastgenossenschaft Österreich (GGÖ) und ZAG Obmann-Stellvertreter. „Für heimische Paradeiser geben Konsumenten im Vergleich mehr als das Doppelte aus als für ein Angebotshendl. Dadurch geht die Wertigkeit für ein hochwertiges tierisches Lebensmittel, wie dem österreichischen Hendl, zur Gänze verloren“, so Lukas.

Bauern stehen unter einem hohen Kostendruck

Die Corona-Krise hat zu Marktverwerfungen geführt. Futtermittel weltweit und  auch in Österreich sind deutlich teurer geworden. Masthühnerfutter ist laut einer Meldung der AMA im Jahresvergleich um 32% teurer geworden. Ebenfalls große Preissteigerungen zeigen sich bei Strom- und Heizkosten. Aufgrund der Rabattschlacht im österreichischen Handel drohen nun Preisreduktionen auf Ebene der Geflügelhalter. Dieser Entwicklung müssen die Vertreter der Geflügelmäster jedenfalls entgegentreten. Seit 20 Jahren gab es für Masthühnerhalter defacto keine Preisanhebung beim Geflügelpreis, Ertragssteigerungen ergaben sich nur durch die bessere Futterverwertung und höhere Tageszunahmen bei den Tieren.

Die Wirkung von Rabatten?

Bei Konsumenten hinterlassen starke Rabatte bei Fleisch den Eindruck, dass die Produkte auch zu diesen Konditionen produziert werden können. Es entsteht ein neues Preisempfinden für das Produkt und die Erwartungshaltung nach ähnlich tiefen Preisen beim nächsten Einkauf. „Allerdings leiden bei so tiefen Preisen nicht nur der Handel, die Schlachtbetriebe und die Bauern, sondern auch die Tiere und die Umwelt. Das sollte allen Menschen in Österreich bewusste sein, wenn sie tierische Produkte zu extrem niedrigen Preisen kaufen“, so ZAG-Obmann Franz Karlhuber. „Wir schätzen die langjährige Partnerschaft mit dem österreichischen Lebensmittelhandel sehr, aber es ist auch in seiner Verantwortung, mit einer aufwandsgerechten Preisgestaltung für fairen Wettbewerb zu sorgen“, so der ZAG-Obmann abschließend.

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