Kommentar von Raimund Plautz: Rückblick auf 2025, Perspektiven für 2026

Kommentar von Raimund Plautz: Rückblick auf 2025, Perspektiven für 2026
Dass auch das Jahr 2025 für unsere Branche kein leichtes war, ist uns allen bewusst. Inflation, hohe Energiepreise, steigende Kosten und eine weiterhin zunehmende Bürokratisierung haben den unternehmerischen Alltag stark gefordert. Gleichzeitig hat sich einmal mehr gezeigt, wie widerstandsfähig unser Handwerk ist – und dass Qualität, Verantwortung und Engagement auch in schwierigen Zeiten tragen.
Ein besonders positives Signal war im vergangenen Jahr der Fachwettbewerb. Die hohe Beteiligung, die gestiegene Anzahl an Einreichungen und vor allem das deutlich höhere Qualitätsniveau haben eindrucksvoll gezeigt, wo unsere Branche steht. Der Fachwettbewerb ist längst mehr als eine Auszeichnung einzelner Betriebe – er ist eine Standortbestimmung für das gesamte Fleischerhandwerk und ein klares Zeichen dafür, dass wir uns international nicht verstecken müssen. Umso mehr freuen wir uns bereits auf den nächsten Fachwettbewerb im Jahr 2027, der wieder unter der bewährten Führung von Wolfgang Seidl als Oberjuror und seiner Stellvertreterin Doris Steiner stattfinden wird.
Auch die Lohnverhandlungen waren 2025 ein wichtiger Meilenstein. Trotz wirtschaftlich angespannter Rahmenbedingungen ist es gelungen, mit Vernunft und Weitblick tragfähige Lösungen zu finden. Das war kein Selbstläufer. Gerade in Zeiten hoher Inflation braucht es Verantwortung auf beiden Seiten – von den Betrieben ebenso wie von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Dass hier ein Ausgleich gefunden werden konnte, war für den Fortbestand der Produktion in Österreich von zentraler Bedeutung.
Die Inflation bleibt dennoch ein prägendes Thema. Auch wenn sich einzelne Entwicklungen zwischenzeitlich etwas stabilisiert haben, ist der Druck auf Kosten und Margen weiterhin hoch. Eine Inflationsrate deutlich über zwei Prozent ist für unsere Branche bereits problematisch – vor allem deshalb, weil der Haupttreiber nach wie vor in einem Bereich liegt, den wir kaum beeinflussen können: den Energiepreisen. Maßnahmen wie ein Industriestrom oder temporäre Entlastungen können kurzfristig helfen, lösen das Problem aber nicht nachhaltig und bergen die Gefahr, die Inflation zu einem späteren Zeitpunkt erneut anzuheizen.
Ein weiteres zentrales Thema bleibt der zunehmende Personalmangel. Tatsache ist, dass sich das Lohnniveau in vielen Herkunftsländern deutlich angeglichen hat und der Arbeitsmarkt in Österreich für ausländische Arbeitskräfte an Attraktivität verloren hat. Umso wichtiger ist es, die Instrumente, die uns zur Verfügung stehen, auch konsequent und praxistauglich zu nutzen.
Die Rot-Weiß-Rot-Karte ist dabei ein wesentlicher Baustein. In öffentlichen Interviews hat Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer erörtert, dass künftig nicht nur Fachkräfte, sondern auch Auszubildende ins Land geholt werden können. Gerade für unsere Branche eröffnet das neue Perspektiven: Wenn junge Menschen aus Drittstaaten bereits vorab qualifiziert werden, hier eine Ausbildung beginnen und langfristig bleiben, ist das eine echte Chance für die Betriebe und für den Standort Österreich. Entscheidend wird sein, diese Möglichkeiten rasch, unbürokratisch und in enger Abstimmung mit den Betrieben umzusetzen.
International wird uns die Diskussion rund um Mercosur auch 2026 begleiten. Aus Sicht des Wirtschaftsstandorts ist dieses Abkommen grundsätzlich von Bedeutung, weil wir auf funktionierende Export- und Importmärkte angewiesen sind. Gerade bei Edelteilen wie dem Lungenbraten zeigt sich, dass der heimische Markt allein bestimmte Nachfragespitzen nicht abdecken kann. Diese Waren – wie spezielle Steaks – kommen seit Jahrzehnten aus Südamerika und sind ein fixer Bestandteil der Versorgung. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass der regional arbeitende Fleischer dadurch nicht geschwächt wird. Wer klar auf Herkunft, Qualität und Transparenz setzt, kann seine Position sogar weiter stärken und sich bewusst vom anonymen Massenmarkt abgrenzen.
Eine positive Folge dieser Diskussion könnte eine klare und einheitliche Haltungskennzeichnung sein. Hier hoffe ich auf eine praxistaugliche Lösung unter Federführung der AMA-Marketing, die Transparenz schafft, ohne zusätzliche Bürokratie zu erzeugen. Wichtig ist dabei auch, dass diese Kennzeichnung nicht nur für den Handel gilt, sondern selbstverständlich auch die Gastronomie einbezieht.
Ein wichtiger Baustein für die Sichtbarkeit unseres Handwerks bleiben auch die Fachmessen. Insbesondere die SÜFFA ist für mich eine der wenigen verbliebenen echten Handwerksmessen im Fleischbereich im mitteleuropäischen Raum. Sie bietet nicht nur eine wertvolle Plattform für Austausch und Vernetzung, sondern auch die Möglichkeit, Qualität sichtbar zu machen. Daher ist es mir ein großes Anliegen, die Betriebe weiterhin aktiv zu motivieren, sich an Produktwettbewerben zu beteiligen – national wie international. Der Vergleich, die Rückmeldung durch Fachjurys und die öffentliche Wahrnehmung sind ein wesentlicher Faktor für die Weiterentwicklung unserer Branche.
Ein großes Thema bleibt die Bürokratisierung. Lieferkettenregelungen, Dokumentationspflichten und neue Vorgaben verfolgen grundsätzlich nachvollziehbare Ziele, dürfen aber nicht dazu führen, dass handwerkliche Betriebe an administrativen Anforderungen scheitern. Die in buchstäblich letzter Minute in Brüssel erwirkte Verschiebung und Entschärfung einzelner Regelungen – etwa im Bereich der Entwaldungsverordnung – haben gezeigt, dass sachliche Argumente Wirkung zeigen können. Dennoch bleibt der Handlungsbedarf hoch.
Für 2026 steht daher eine zentrale Agenda im Mittelpunkt: die Angleichung von Direktvermarktung und Gewerbe. Es geht nicht um ein Gegeneinander, sondern um vergleichbare und faire Rahmenbedingungen für alle, die Lebensmittel erzeugen und verkaufen. Kleine und mittlere Betriebe müssen unter denselben Voraussetzungen arbeiten können – unabhängig vom Vertriebsweg. An dieser Aufgabe werden wir mit Nachdruck arbeiten.
Ergänzend dazu werden wir auch Projekte gemeinsam mit den Unternehmen der Fleischwarenindustrie weiterentwickeln, um branchenspezifische Herausforderungen strukturiert und lösungsorientiert aufzuarbeiten.
All das wäre ohne ein starkes Team nicht möglich. Mein ausdrücklicher Dank gilt allen Kolleginnen und Kollegen in der Bundesinnung, den Landesorganisationen, der Lebensmittelakademie sowie allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die tagtäglich mit Fachwissen, Einsatz und Verantwortung für unsere Branche arbeiten. Diese Zusammenarbeit ist keine Selbstverständlichkeit – sie ist die Grundlage unseres Erfolgs.
Trotz aller Herausforderungen bin ich überzeugt: Unternehmertum setzt sich durch. Unsere Branche verfügt über engagierte Betriebe, hervorragende Fachkräfte und junge Unternehmerinnen und Unternehmer mit neuen Ideen und klarer Positionierung. Das ist unsere Stärke.
Solange ich Bundesinnungsmeister bin, werde ich für jene Betriebe, die es noch gibt, die noch können und die auch noch wollen, alles tun, was in meiner Macht steht.
Mit kollegialen Grüßen
Euer Raimund Plautz

