Handel schöpft Zuversicht: Stimmung auf Vierjahreshoch

Handel schöpft Zuversicht: Stimmung auf Vierjahreshoch
Aufhellung zum Jahresbeginn
Die Konjunkturstimmung im österreichischen Einzelhandel zeigt zu Beginn des Jahres 2026 deutlich nach oben. Laut aktuellem Konjunkturreport des Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) im Auftrag des Handelsverband Österreich sind die Erwartungen der Händler so positiv wie seit vier Jahren nicht mehr.
„Die Erwartungen der heimischen Händler sind heuer laut Wifo so hoch wie seit vier Jahren nicht mehr. Die sinkende Inflation, steigende verfügbare Einkommen und eine rückläufige Sparquote verleihen dem privaten Konsum endlich neuen Schwung“, erklärt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands.
Umsätze stabilisieren sich
Erstmals liegen nun auch die finalen Umsatzzahlen für 2025 vor. Der österreichische Einzelhandel – ohne Kfz und Tankstellen – erzielte einen Nettoumsatz von 79,5 Milliarden Euro. Das entspricht einem nominellen Plus von 2,9 Prozent gegenüber 2024. Preisbereinigt ergibt sich ein reales Wachstum von 0,7 Prozent.
Wifo-Ökonom Jürgen Bierbaumer, Autor des Reports, spricht von einer leichten Stabilisierung nach wirtschaftlich herausfordernden Jahren.
Lebensmittelhandel als Impulsgeber
Nach einem Rückgang im November 2025 entwickelte sich das Weihnachtsgeschäft wieder positiver. Im Dezember stiegen die Umsätze nominell um 1,9 Prozent, real lagen sie mit minus 0,2 Prozent nahezu auf Vorjahresniveau.
Auffällig ist dabei die unterschiedliche Dynamik innerhalb der Branchen: Während der Lebensmittelhandel – und damit auch fleischverarbeitende Betriebe entlang der Wertschöpfungskette – an Schwung gewann, blieb der Non-Food-Bereich verhaltener. Für das österreichische Lebensmittelhandwerk signalisiert das eine stabilere Nachfragebasis.
Inflation sinkt, Konsum zieht an
Für 2026 mehren sich die Anzeichen einer konjunkturellen Erholung. Laut Wifo-Schnellschätzung sank die Inflation im Jänner auf 2,0 Prozent. Nach einem Rückgang der real verfügbaren Einkommen im Jahr 2025 (minus 0,9 Prozent) wird heuer ein leichtes Plus von 0,1 Prozent erwartet.
Parallel dazu dürfte die Sparquote erstmals seit 2023 wieder unter die Zehn-Prozent-Marke fallen – konkret auf 9,6 Prozent. Das schafft zusätzlichen Spielraum für Konsumausgaben. Bereits in den ersten drei Jännerwochen registrierten die Ökonom:innen eine spürbare Belebung der Nachfrage.
Erwartungen drehen ins Positive
Auch der Wifo-Konjunkturklimaindex im Einzelhandel verbesserte sich deutlich: von minus 7,3 Punkten im November auf minus 2,7 Punkte im Jänner. Der Saldo zu den Geschäftserwartungen liegt damit erstmals seit Frühjahr 2022 nicht mehr im pessimistischen Bereich – ein wichtiges Signal für Investitionen und Sortimentsplanung im Handel.
Beschäftigung unter Druck
Trotz besserer Stimmung bleibt der Arbeitsmarkt angespannt. Im Dezember 2025 waren inklusive Kfz-Bereich 330.670 Personen unselbständig im Handel beschäftigt – ein Rückgang von 1,5 Prozent. Gleichzeitig sank die Zahl offener Stellen auf 8.404, nach über 9.300 ein Jahr zuvor.
„Wenn dieser Trend anhält, kann 2026 zu einem Jahr der schrittweisen Erholung werden“, so Will. Gleichzeitig warnt er vor weiterhin hoher Kostenbelastung für Betriebe.
Moderates Wachstum erwartet
Aus volkswirtschaftlicher Sicht rechnet Wifo-Experte Bierbaumer für 2026 mit einem Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent. Für den Handel wird eine reale Wertschöpfungssteigerung von 1,4 Prozent prognostiziert – ein moderater, aber stabilisierender Wachstumspfad.
Gerade für das österreichische Lebensmittelhandwerk und die Fleischbranche sind stabile Konsumausgaben ein zentraler Faktor. Die aktuelle Stimmungsaufhellung könnte damit auch entlang der gesamten Versorgungs- und Verarbeitungsstrukturen positive Effekte entfalten.

