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WKÖ-Lebensmittelhandel: Pauschale Angriffe von Frau Köstinger werden auf Schärfste zurückgewiesen

Heimischer Lebensmittelhandel erzielt selbst niedrige Renditen, trägt aber massiv zum Umsatz der Landwirtschaft und Verarbeitung bei

Mit großer Verwunderung und Unverständnis reagiert der Lebensmittelhandel auf die heute veröffentlichten Rundumattacken von Ministerin Köstinger gegen den Lebensmittelhandel. „Die pauschalen und unsachlichen Unterstellungen sowie die deplatzierte Wortwahl von Bundesministerin Elisabeth Köstinger weisen wir im Namen der gesamten Branche auf das Schärfste zurück.“, so Christian Prauchner, Bundobmann des Lebensmittelhandels in der WKÖ.

„Gerade die Corona-Krise hat einmal mehr gezeigt, wie gut die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Lebensmittelhandel in Österreich funktioniert – so konnten wir die Grundversorgung der Bevölkerung gemeinsam jederzeit verlässlich sicherstellen“, so Prauchner.

„Frau Ministerin Köstinger verkennt offenbar die wirtschaftlichen Fakten. Wie eine jüngste Studie des Economica-Instituts belegt, erzielt der Lebensmittelhandel zwar selbst geringe Umsatzrenditen von weniger als 1%, trägt aber mit einem Wert von mehr als 6.9 Mrd. Euro massiv zur Wertschöpfung in den vorgelagerten Stufen bei. Der Lebensmittelhandel ist der zentrale Absatzmittler und verlässlicher Partner der heimischen Landwirte. Das lassen wir uns auch von Frau Köstinger nicht schlechtreden“, so Prauchner.

„In Partnerschaft mit hunderttausenden heimischen Bauern hat der Lebensmittelhandel in den vergangenen Jahrzehnten große Meilensteine in der Regionalität gesetzt“, ergänzt Christof Kastner, Vize-Obmann des Lebensmittelhandels und geschäftsführender Gesellschafter der KASTNER Gruppe. „Diese auf Dauer angelegten Beziehungen sind ein Garant für Verlässlichkeit und Sicherheit für beide Seite, und dies wird uns von unseren Vertragspartnern auch immer wieder bestätigt“, so Kastner.

Economica-Studie: Geringe Renditen im Lebensmittelhandel – hoher Beitrag zur Wertschöpfung der Vorstufen

Wie eine Studie des Economica-Instituts für Wirtschaftsforschung belegt, erwirtschaftete der Lebensmittelhandel (LEH) im Jahr 2018 (d.h. bereits vor Corona) eine direkte Bruttowertschöpfung von rund 4,3 Mrd. Euro. Hingegen erreichte die durch Lieferungen an den LEH generierte Bruttowertschöpfung der vorgelagerten Stufen (Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie und Lebensmittelgewerbe) einen Wert von mehr als 6,9 Mrd. Euro.

Die Economica-Studie untersuchte auch erstmals die Zusammensetzung des Bruttoverkaufspreises (= Regalpreis) im Lebensmittelhandel in Österreich. Im Gesamtdurchschnitt entfallen demnach insgesamt 24,5 Prozent des Regalpreises auf die Landwirtschaft und knapp 18 Prozent auf die Lebensmittelindustrie. Mit einem Anteil von 16,5 Prozent am Regalpreis liegt der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) an dritter Stelle.

Studienautor Peter Voithofer. „Besonders beachtlich: Mehr als 80 Prozent der im LEH erzielten Wertschöpfung werden in die eigenen Mitarbeiter investiert. So entfallen 13,4 Prozent des Regalpreises auf Personalkosten im LEH. Dies entspricht 81,2 Prozent des insgesamt auf den LEH entfallenden Anteils am Regalpreis von 16,5 Prozent.“

Die Umsatzrendite im LEH (d.h. der vom Händler erzielte Gewinn vor Ertragssteuern) fällt hingegen laut Voithofer mit weniger als einem Prozent überaus bescheiden aus. „Österreichs Lebensmittelhandel erzielt selbst niedrige Renditen von unter einem Prozent des Netto-Umsatzes, trägt aber als wichtigster Absatzmittler der vorgelagerten Stufen, das heißt Landwirtschaft und Verarbeitung, massiv zu deren Wertschöpfung bei“, so Voithofer

Lebensmittelhandel jederzeit für konstruktive Gespräche bereit

„Offenbar versucht Frau Köstinger mit einseitigen Darstellungen bei ihrer Klientel politisch zu punkten. Für eine konstruktive Zusammenarbeit, wie sie vom Lebensmittelhandel in Partnerschaft mit seinen Lieferanten in der Praxis Tag für Tag gelebt wird, sind solche Aussagen aber entbehrlich“, ergänzt Christof Kastner.

„Wenn Frau Ministerin Köstinger strukturelle Herausforderungen entlang der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette auf sachliche Weise thematisieren möchte, stehen wir für konstruktive Gespräche mit allen Partnern der Lebensmittelkette und dem Ministerium selbstverständlich jederzeit bereit. Für unsachliche Pauschalattacken gegen die gesamte Branche haben wir aber kein Verständnis“, so Kastner abschließend.

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