Die Entwicklung ku?nstlich hergestellten Fleisches aus dem Labor sorgt weltweit fu?r Aufsehen und Diskussionen. Während einige Länder die neue Technologie vorantreiben, positionieren sich die österreichische Landwirtschaft und speziell die Fleischbranche klar dagegen. Auch Fleischermeister
Josef Mosshammer, Landesinnungsmeister in der Wirtschaftskammer Steiermark, äußerte sich entschieden: „Fake-Essen – mir vergeht der Appetit! Es ist an der Zeit, fu?r den Erhalt der Landwirtschaft des Handwerks und unseres kulinarischen Erbes in den Kampf zu ziehen“, gibt sich Mosshammer kämpferisch und legt die Petition in der Fleischerei Mosshammer in Graz auf.
Traditionelle Werte vs. industrielle Massenproduktion
Diese Ablehnung wird auch von Franz Titschenbacher, Präsident der Landwirtschaftskammer Steiermark, und Landesrätin Simone Schmiedtbauer geteilt, die ju?ngst zu einer Petition gegen Laborfleisch aufriefen. „Ku?nstlich hergestelltes Fleisch ist keine Lösung“, betonen beide unisono. Sie fu?hren mehrere
Gru?nde an, warum traditionell produziertes Fleisch aus der kleinstrukturierten Landwirtschaft der Vorzug gegeben werden sollte. Mosshammer hebt hervor, dass Laborfleisch in direktem Gegensatz zur traditionellen, familiengefu?hrten Landwirtschaft steht. „Es ist kurzsichtig, sich in eine Abhängigkeit von wenigen milliardenschweren Monopolisten zu begeben, während unsere heimischen Bauernhöfe das Land nachhaltig bewirtschaften“, so Mosshammer. Er warnt davor, die kulturelle und kulinarische Identität Österreichs aufs Spiel zu setzen, indem man sich von der Industrie Fake-Essen auftischen lässt. Man mu?sse andere Formen finden, mit den neuen Anspru?chen der Kunden umzugehen. So entgegnet er der Nachfrage nach Fleischalternativen in seinem Geschäft mit einer vegetarischen Frische-Theke –, auch wenn er seine Kundschaft grundsätzlich nicht gefährdet sieht. Zudem plädiert der erfahrene Fleischer zur Ru?ckkehr zum Sonntagsbraten.
Laborfleisch: ökologische & soziale Dimension
Auch Christof Widakovich, renommierter Spitzenkoch, unterstu?tzt das Motto „Weniger ist mehr und den achtsamen Umgang mit dem Lebensmittel.“ Er betont die Bedeutung von Fleisch als wertvolles und natu?rliches Lebensmittel, das es zu schätzen und bewahren gilt. „Fleisch soll etwas Besonderes bleiben. Weniger und dafu?r von bester Qualität“, fordert Widakovich, „und vor allem: alles – ,from nose to tail‘.“ Er sieht in Laborfleisch einen klaren Widerspruch zur Nachhaltigkeit, Regionalität und Ehrlichkeit, die in der Gastronomie und von den Verbrauchern zunehmend gefordert werden. „Ich halte es fu?r nahezu pervers, nur mehr Edelteile wie Filets in Massen im Labor zu produzieren. Das widerspricht völlig unserer Ernährungskultur – und auch unserer Genusskultur“, ist sich der Koch sicher.
Die Stimme der jungen Landwirte
Melanie Haas, junge Bäuerin, Farmfluencerin und Rindfleischproduzentin, sorgt sich um die Zukunft ihres Betriebes in einem Markt, der zunehmend von ku?nstlichem Fleisch bedroht wird. „Rinder sind ein Phänomen der Natur, die Biomasse in wertvolle Lebensmittel umwandeln. Laborfleisch stellt fu?r mich eine ernsthafte Bedrohung dar – sowohl emotional als auch ökonomisch“, erklärt Haas.
Drei Hauptgru?nde fu?r „Laborfleisch? Nein danke!
Laborfleisch steht im Widerspruch zur Familienlandwirtschaft und wird von internationalen Großkonzernen erzeugt. Titschenbacher: „Es ist kurzsichtig, sich in eine gefährliche, krisenanfällige Abhängigkeit einiger weniger milliardenschwerer globaler Monopolisten zu begeben, während die heimischen Familienbetriebe unser Land flächendeckend bewirtschaften, natu?rliche Lebensmittel herstellen und Garanten fu?r eine sichere Lebensmittelversorgung sind.“ Ohne Nutztiere wu?rde Österreich seine abwechslungsreiche, von den Bäuerinnen und Bauern gepflegte Kulturlandschaft insbesondere in den Berggebieten, verlieren, was auch massive Auswirkungen auf den devisenbringenden Tourismus hätte.
Laborfleisch hat nichts mit dem natu?rlichen Lebensmittel Fleisch zu tun: „Fleischimitate aus dem Labor sind nicht natu?rlich. Sie haben keinen Mehrwert, weil sie ein unsicheres Nachbauprodukt mit vielen Fragezeichen sind“, sagt Titschenbacher. Dabei wird einem Rind Muskelgewebe entnommen, um Stammzellen zu gewinnen. In einer Nährlösung aus Zucker, Aminosäuren und Mineralien, gefu?ttert und mit Wachstumsserum, wachsen die Stammzellen heran. Der zentrale Punkt dabei: Es wird nicht daru?ber debattiert, woher die Rohstoffe fu?r diese Nährlösung kommen. Titschenbacher: „Dazu sind hochwertige Ackerfru?chte
erforderlich, die besser direkt auf die Teller kommen sollten und regionale Wertschöpfung ermöglichen statt u?ber den Umweg eines Labors.“
Laborfleisch ist ein Klimawandel- Beschleuniger. Entgegen falsch kolportierter Green-Washing-Theorien, erzeugt Laborfleisch bei der Herstellung bis zu 20-mal mehr C02, als es bei Fleisch aus natu?rlicher Tierhaltung der Fall ist. Zuru?ckzufu?hren ist dies auf die externe Energiezufuhr, damit ku?nstliches
Zellgewebe u?berhaupt im Reaktor wachsen kann. Titschenbacher: „Unsere Bäuerinnen und Bauern stellen tierische Lebensmittel im internationalen Vergleich klimafreundlich her – der CO2-Fußabdruck ist europaweit vorbildlich. Niemand kann Verständnis dafu?r haben, dass Kunstfleisch auf unsere Teller kommt, welches um ein Vielfaches ressourcenintensiver hergestellt wird.“

