Thermobil
Thermobil

US-Studie zeigt: Ernährungsqualität schlägt Fleischverzicht

Forschende untersuchten rund 4.900 Erwachsene und fanden, dass rotes Fleisch in einer hochwertigen Ernährung mit günstigen Nährstoffprofilen verbunden sein kann.

Forschende untersuchten rund 4.900 Erwachsene und fanden, dass rotes Fleisch in einer hochwertigen Ernährung mit günstigen Nährstoffprofilen verbunden sein kann.
Der Konsum von rotem Fleisch wird laut der US-Studie mit einer hohen Diversität der Darmflora und so mit verschiedenen positiven Effekten auf Stoffwechsel und Immunsystem in Verbindung gebracht. © Unsplash / Sergey Kotenev

US-Studie zeigt: Ernährungsqualität schlägt Fleischverzicht

Ernährungsmuster statt Einzelprodukt

Die Studie wurde von einem Forschungsteam der South Dakota State University durchgeführt und basiert auf Daten des American Gut Project, eines der weltweit größten offenen Forschungsprojekte zur Darmflora. Analysiert wurden die Ernährungsgewohnheiten von rund 4.900 Erwachsenen, die anhand ihres sogenannten Healthy Eating Index (HEI) bewertet wurden. Dieser Index misst die Qualität einer Ernährung auf einer Skala von 0 bis 100.

Die Teilnehmenden wurden in vier Gruppen eingeteilt: hohe Ernährungsqualität mit und ohne Konsum von rotem Fleisch sowie niedrige Ernährungsqualität mit und ohne roten Fleischkonsum. Ziel war es, nicht den Fleischverzehr isoliert zu betrachten, sondern ihn in Relation zur Gesamtqualität der Ernährung zu setzen.

Hochwertige Ernährung als entscheidender Faktor

Ein zentrales Ergebnis der Analyse: Unabhängig davon, ob rotes Fleisch konsumiert wurde oder nicht, wiesen Personen mit hoher Ernährungsqualität insgesamt günstigere Gesundheitsindikatoren auf. Dazu zählten ein eher normales Körpergewicht sowie geringere Wahrscheinlichkeiten für depressive Symptome oder andere psychische Belastungen.

Innerhalb dieses hochwertigen Ernährungs-Kontexts zeigte sich jedoch ein klarer Unterschied: Personen, die rotes Fleisch integrierten, nahmen bestimmte Nährstoffe in höherem Ausmaß auf. Dazu zählen unter anderem Vitamin B12, Zink, Selen und Cholin – Substanzen, die für Stoffwechselprozesse, Zellschutz und die Funktion des Nervensystems eine wichtige Rolle spielen.

Der leitende Forscher Samitinjaya Dhakal betont, dass der beobachtete ernährungsphysiologische Nutzen nicht aus dem Fleischkonsum allein resultiert, sondern aus dessen Einbettung in eine insgesamt ausgewogene Ernährung. Die Ergebnisse sprechen damit gegen vereinfachte Empfehlungen, die auf den generellen Verzicht einzelner Lebensmittel abzielen.

Mikrobiom und mentale Gesundheit

Neben der Nährstoffaufnahme wurde auch das Darmmikrobiom analysiert. Die Daten deuten darauf hin, dass die mikrobielle Vielfalt tendenziell am höchsten war bei jenen Personen, die rotes Fleisch als Teil einer hochwertigen Ernährungsweise konsumierten. Eine hohe Diversität der Darmflora gilt als Indikator für eine stabile Darmgesundheit und wird mit verschiedenen positiven Effekten auf Stoffwechsel und Immunsystem in Verbindung gebracht.

Unabhängig vom Fleischverzehr zeigte sich zudem ein klarer Zusammenhang zwischen hoher Ernährungsqualität und einer geringeren Wahrscheinlichkeit für psychische Erkrankungen wie Depressionen oder bipolare Störungen. Auch hier unterstreicht die Studie die Bedeutung eines ganzheitlichen Ernährungsansatzes.

Einordnung der Ergebnisse

Die Ergebnisse, die auch auf der Fachkonferenz „Nutrition 2025“ vorgestellt wurden, rücken die Diskussion um rotes Fleisch weg von einfachen Bewertungsmustern. Während frühere Studien vor allem Risiken eines hohen oder stark verarbeiteten Fleischkonsums betonten, zeigt diese Analyse, dass rotes Fleisch innerhalb eines ausgewogenen Ernährungs-Patterns auch ernährungsphysiologische Vorteile bieten kann.

Die Autor:innen weisen allerdings klar darauf hin, dass es sich um eine Querschnittsanalyse handelt. Aussagen über Ursache-Wirkungs-Beziehungen lassen sich daraus nicht ableiten. Langfristige Interventionsstudien wären notwendig, um die beobachteten Zusammenhänge weiter zu prüfen.

Die Studie macht deutlich:

Der gesundheitliche Beitrag von rotem Fleisch lässt sich nicht pauschal bewerten. Entscheidend ist der Gesamtkontext der Ernährung. In hochwertigen Ernährungsweisen kann rotes Fleisch zur Versorgung mit essenziellen Nährstoffen beitragen – insbesondere solchen, die für Gehirnstoffwechsel und Zellfunktionen relevant sind. Für eine sachliche Ernährungsdebatte bedeutet das, den Fokus stärker auf Qualität und Muster der Ernährung zu legen statt auf einzelne Lebensmittel.