Neben zahlreichen Berufswettbewerben auf nationaler Ebene finden im internationalen Bereich abwechselnd alle zwei Jahre die EuroSkills und WorldSkills statt. Vom 5. bis 9. September war es heuer wieder so weit: Die achten Berufseuropameisterschaften gingen in der polnischen Ostseeku?sten-Stadt Gdansk (Danzig) erfolgreich u?ber die Bu?hne. Der dreita?gige Wettbewerb wurde in einem der modernsten Messe- und Kongresszentren Polens, der Amberexpo ausgetragen. Unmittelbar daneben befindet sich die Polsat Plus Arena Gdan?sk, das bekannte Fußballstadion, in dem sowohl die Ero?ffnungsfeier am als auch die Schlussfeier stattgefunden hat. Die urspru?nglich geplante Austragung in St. Petersburg (Russland) wurde im Ma?rz 2022 aufgrund des Ukraine-Krieges abgesagt.

EuroSkills 2023: Medaillenregen fu?r O?sterreich

Rund 600 junge qualifizierte Fachkra?fte bis 25 Jahre aus 32 La?ndern gingen in Danzig in 43 offiziellen Wettbewerbsberufen an den Start. Das Team Austria bestand in diesem Jahr aus 44 Teilnehmer:innen. Diese ka?mpften in insgesamt 38 Einzel- und Teamberufen um Edelmetall. O?sterreich holt mit insgesamt 18 Mal Edelmetall die meisten Medaillen des Kontinents. Fu?r das Land sind es damit die dritterfolgreichsten EuroSkills aller Zeiten – nach Budapest 2018 (21 Medaillen) und Graz 2021 (33 Medaillen). O?sterreich ha?lt damit bei 147 Medaillen in der EuroSkills-Historie (63 Gold-, 54 Silber- und 30 Bronzemedaillen).

In der Kategorie Butchery wurde Österreich von Ferdinand Sorger vertreten. © Florian Wieser

Ferdinand Sorger ist zufrieden

In der Kategorie Butchery schickten die Schweiz, Deutschland, Frankreich, Island, Irland und O?sterreich ihren besten Fleischernachwuchs ins Renner. O?sterreich wurde von Ferdinand Sorger vertreten. Die Leidenschaft fu?r den Beruf Fleischhauer wurde ihm in die Wiege gelegt – immerhin betreibt seine Familie seit u?ber 115 Jahren erfolgreich eine Fleischerei in Frauental. Die Sorger GmbH ist nicht nur dank deren Salanettis samt reichenweitenstarken Werbungen und Markenbotschafter Robert Kratky im ganzen Land bekannt. Nun ist auch Ferdinand Sorger, die fu?nfte Generation ein Star in seiner Branche. „Fleischer ist ein vielfa?ltiger und abwechslungsreicher Beruf. Jeden Tag lerne ich neue Sachen und der Umgang mit Fleisch macht mir Spaß“, sagt der junge Fleischer bei seiner Vorstellung fu?r die EuroSkills – und wie vielfa?ltig der Beruf wirklich ist, zeigte sich auch bei den Skills-Aufgaben, die es in den einzelnen Disziplinen zu bewa?ltigen galt.

Drei Tage voller Konzentration bei den EuroSkills

In der ersten Disziplin galt es, einen Rinderru?cken auf das Genauste zu entbeinen und in jeder mo?glichen Art und Weise zu zerteilen und fu?r den Verkauf zuzuschneiden. In der zweiten Disziplin (in Danzig Modul genannt) mussten zwei Hu?hner in vier unterschiedlichen Arten entbeint, zerlegt und fu?r den Verkauf pra?sentiert werden. Die Herausforderungen des zweiten Tages: Zubereitung von vier ku?chenfertigen Erzeugnissen fu?r vier Personen aus einem Teil vom Schweinekotelett, Roastbeef und Lammkeule – das Gemu?se blieb bis zum Start geheim und musste dann komplett verarbeitet werden!
Im na?chsten Modul galt es, zehn verschiedene Sorten BBQ-Spezialita?ten aus Lammkottlettes, Hu?hnerbrust, Roastbeef und Schweinebauch herzustellen, darunter auch eine vegetarische Variante. In der fu?nften und letzten Disziplin mussten sechs verschiedene Fingerfood-Sorten zu je fu?nf Stu?ck hergestellt werden. Die Teilnehmer hatten dafu?r zwei Stunden und 40 Minuten Zeit. Ferdinand Sorger hat alle Disziplinen mit Bravour gemeistert und konnte, obwohl die anderen Teilnehmer weit erfahrener waren und bereits la?ngere Trainingseinheiten hatten u?berall bei den Juroren gut punkten. Dass es am Ende leider nur fu?r Blech reichte, war natu?rlich dennoch etwas entta?uschend – auch wenn es sehr knapp war.

Erfolgreiche Performance der Fleischer und Fleischerinnen

Gewonnen hat schließlich die Schweizerin Arian Aeschlimann mit insgesamt 728 Punkten. Die junge Dame hat ihre Lehre 2020 abgeschlossen und wurde im gleichen Jahr bei den SwissSkills Schweizer Meisterin. Aeschlimann stammt aus einer Metzgerfamilie. Ihr Großvater war Metzger, ihre Eltern gru?ndeten in Uettligen BE eine Metzgerei. Schon als Ma?dchen half sie mit ihren beiden Bru?dern im Gescha?ft mit.
Vize-Europameister wurde mit 712 Punk- ten Franz Prostmeier aus Deutschland. Er lernte das Fleischer-Handwerk bei der Metzgerei Huber in Walpertskirchen, blieb dort auch noch ein Jahr als Geselle. Seinen Meister machte er in der Fleischerschule Heyne in Weiterstadt. Hier wurde er auch von der Trainerin entdeckt, weiter gefo?rdert und bald darauf in die Nationalmannschaft bestellt. Hier wurde er nicht nur fachlich trainiert,sondern er konnte unter anderem auch Medienarbeit und mehr lernen.
Die Bronze-Medaille ging nach Frankreich: Gauthier Detres bekam von der Jury insgesamt 704 Punkte. Der heute 23-Ja?hrige machte seine Lehre in Arsac in der Metzgerei Eric Larrazet und wurde 2022 bei der Metzger-WM in Kalifornien in der Kategorie „Jungmetzger“ zum Weltmeister geku?rt.
Knapp dahinter war schließlich „unser“ Ferdinand Sorger mit 696 Punkten. Er hat nach seiner HAK-Matura bei Tann in Graz die Lehre zum Fleischer begonnen – im Moment bereitet er sich fu?r seine Lehrabschluss-Pru?fung am 18. Oktober vor. Dennoch wird er auch bei den AustriaSkills 2023 sein, die vom 4. bis 7. Oktober in Wels stattfinden. Danach mo?chte Ferdinand auch gleich die Meisterpru?fung machen – und spa?ter natu?rlich ins Familienunternehmenn eintreten. Auf Platz fu?nf landete schließlich Willow Swire aus Irland, die insgesamt 620 Punkte sammeln konnte. Briet Berndsen Ingvadottir aus Island belegte mit 560 Punkte den sechsten Platz belegen. Sowohl Willow als auch Briet u?ben das Fleischer-Handwerk bereits einige Jahre aus und konnten schon in einigen Wettbewerben ihr Ko?nnen zeigen.