Der steirische Rohwurst-Erzeuger Ferdinand Sorger kämpft wie alle in der Fleischbranche mit der allgemeinen Kostenexplosion.

Im Interview berichtet er u?ber die Herausforderungen fu?r einen Hersteller im Wurst-Hochpreissegment.

Fleisch & Co: Wie geht es einem Rohwurstfabrikanten im Herbst 2022?

Ferdinand Sorger: „Den Umsta?nden entsprechend angespannt. Die stark gestiegenen Kosten fu?r Rohstoffe, Energie, Verpackung, Logistik usw. sind eine wirtschaftliche Herausforderung, die, und das ist ein wenig tro?stlich, noch u?berschaubar ist. Fu?r uns als Rohwurstspezialist, der mit der Salami die Ko?nigin der Wurst erzeugt, ist diese Situation natu?rlich noch anspruchsvoller, weil unser Produkt mit seiner la?ngeren Reifezeit kostenintensiver als etwa Frischwu?rste ist.“

Fleisch & Co: Ihr wichtigster Partner ist der LEH. Wie ist das Verha?ltnis zum Abnehmer?

Ferdinand Sorger: „Das Gespra?chsklima ist von gegenseitigem Respekt und auch von Ho?flichkeit gepra?gt. Natu?rlich sind die Verhandlungen hart.“

Fleisch & Co: Die Inflation ist unvera?ndert hoch, die Menschen haben weniger Geld zur Verfu?gung. Spu?ren Sie das auch?

Ferdinand Sorger: „Als Wursthersteller im Hochpreissegment trifft uns das besonders, wir bemerken eine Zuru?ckhaltung der Konsument:innen bei hochpreisigen Spezialita?ten. Gleichzeitig konstatieren wir einen wachsenden Absatz im Preiseinstiegssegment.“

Fleisch & Co: Wie begegnen Sie diesem Umstand?

Ferdinand Sorger: „Zuallererst möchte ich festhalten, dass wir an der hohen Qualität im vollen Umfang festhalten. Da gibt es keine Kompromisse. Wir investieren dafu?r mehr in Werbung und andere Maßnahmen, um dieser Entwicklung entgegenzusteuern.“

Fleisch & Co: Welche Maßnahmen?

Ferdinand Sorger: „Unsere Aktivita?ten betreffen vor allem den SB-Bereich, wobei wir schon vor Ausbruch des Ukraine-Krieges aktiv wurden. Wir haben Verpackungsgro?ßen reduziert und bieten jetzt beispielsweise aufgeschnittene Salamis mit einem Gewicht von 75 Gramm an. Im Thekenbereich haben wir die Salamistangen nicht verkleinert, das Gewicht betra?gt unvera?ndert zwischen 1,2 und 1,3 Kilogramm. Dort spielt die Optik eine sehr wichtige Rolle, da machen wir keine Abstriche.“

Fleisch & Co: Wie entwickeln sich Ihre Marken-Premiumprodukte?

Ferdinand Sorger: „Die Salanettis laufen unvera?ndert gut und erzielen jedes Jahr Zuwa?chse. Mittlerweile bieten wir acht Sorten an, ungefu?llte und gefu?llte Versionen.“

Fleisch & Co: Und die klassische Salami?

Ferdinand Sorger: „Hier verzeichnen wir eine sta?rkere Nachfrage bei den Dekorsalamis, bei der Haussalami und der Bergsalami. Mit zehn verschiedenen Dekorsalamis, einige davon saisonal, setzen wir sehr stark auf dieses Segment. Lediglich mit der Putensalami tun wir uns derzeit schwer, weil das heimische Rohmaterial fast nicht mehr leistbar ist.“

Fleisch & Co: Stichwort „heimisches Rohmaterial”. Welche Rolle spielt die Herkunft?

Ferdinand Sorger: „Eine entscheidende. Wir verarbeiten zu 100 Prozent o?sterreichisches Fleisch, bevorzugt aus der Steiermark, aber auch aus angrenzenden Bundesla?ndern. Kurze Wege sind uns sehr wichtig.“

Fleisch & Co: Und Tierwohl?

Ferdinand Sorger: „Aktuell und bedeutend wie nie zuvor. Als Wursthersteller haben wir aber kaum Einfluss auf die Schlachtung und die Haltung der Tiere. Deshalb halten wir den Ball flach, schauen aber bei unseren Lieferanten darauf, dass dieses Thema nicht zu kurz kommt.“

Fleisch & Co: Welche Innovationen haben Sie 2022 lanciert?

Ferdinand Sorger: „Die gefu?llten Salanettis mit Kren, Pesto Rosso und Senf. Das beherrschende Thema heuer war allerdings die Konsolidierung.“

Fleisch & Co: Welche Neuheiten planen Sie fu?r kommendes Jahr?

Ferdinand Sorger: „Wir haben schon einige Ideen, die aber noch nicht spruchreif sind. Daher mo?chte ich dazu nichts Konkretes sagen.“

Fleisch & Co: Abschließend: Investiert Sorger in Zeiten wie diesen?

Ferdinand Sorger: „Wir investieren laufend in unsere Produktion, weil Stillstand to?richt wa?re. Natu?rlich konzentriert man sich auf die wesentlichen Dinge, um zukunftsfit zu werden. So haben wir eine neue Photovoltaikanlage, die uns bei den Energiekosten zusa?tzlich entlastet. Fu?r unsere Mitarbeiter entsteht gerade eine neue Kantine mit Wohlfu?hlfaktor.“

Autor: HaRo

Schon seit mehr als 115 Jahren steht die Sorger GmbH für Traditionsprodukte hoher Qualität.
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