Argentinien ratifiziert Mercosur: Druck auf EU wächst

Argentinien ratifiziert Mercosur: Druck auf EU wächst
Argentinien treibt Ratifizierung des EU-Mercosur-Abkommens voran
Während in Europa weiter intensive Debatten über das politisch umstrittene EU-Mercosur-Handelsabkommen geführt werden, hat Argentinien einen entscheidenden Schritt gemacht: Die Abgeordnetenkammer hat das Abkommen mit deutlicher Mehrheit gebilligt und damit den Ratifizierungsprozess formal eingeleitet. Damit könnte Argentinien seinen Anspruch verwirklichen, als erster Mercosur-Staat das Abkommen rechtskräftig zu bestätigen.
Am 13. Februar 2026 verabschiedete die argentinische Abgeordnetenkammer das EU-Mercosur-Abkommen mit 203 Ja-Stimmen, 42 Gegenstimmen und vier Enthaltungen. Nach diesem wichtigen Grünen Licht für das Handelsabkommen geht der Gesetzestext nun an den Senat, der die nächste und abschließende parlamentarische Hürde bildet.
Damit setzt Argentinien ein deutliches Signal: Es will die Ratifizierung nicht nur anstoßen, sondern als erstes Land der vier Mercosur-Partner – neben Brasilien, Paraguay und Uruguay – vollständig abschließen. In den anderen Mercosur-Staaten sind ähnliche parlamentarische Verfahren bereits eröffnet, laufen aber noch und werden voraussichtlich in den kommenden Wochen fortgesetzt.
Das Abkommen selbst wurde am 17. Januar 2026 in Asunción (Paraguay) feierlich unterzeichnet, nachdem mehr als 25 Jahre Verhandlungen hinter den Parteien liegen. Es sieht einen umfassenden Rahmen für politischen Dialog, Kooperation sowie einen weitgehenden Abbau von Zöllen auf Waren und Dienstleistungen zwischen der Europäischen Union und dem Mercosur-Block vor.
Ein zentraler Punkt ist die Schaffung einer der größten Freihandelszonen der Welt – mit einem gemeinsamen Markt von rund 700 Millionen Verbrauchern und großem Potenzial für Export- und Importbeziehungen auf beiden Seiten des Atlantiks.
EU-Verfahren noch offen, aber vorläufige Anwendung möglich
Auf europäischer Seite steht die Ratifizierung jedoch aus. Das Europäische Parlament hat den Vertrag zwischenzeitlich dem Europäischen Gerichtshof zur Prüfung vorgelegt, was die parlamentarische Entscheidung verzögern könnte. Dennoch hat die Europäische Kommission angekündigt, das Abkommen vorläufig anzuwenden, sobald mindestens ein Mercosur-Mitglied die Ratifizierung abgeschlossen hat.
Während Argentinien damit de facto Fakten schafft, ringt die EU weiterhin um einen politischen Konsens. Insbesondere innerhalb des Europäischen Parlaments gibt es Kritik und Widerstände, etwa im Agrarsektor, der zusätzliche Schutzmechanismen fordert.
Bedeutung für Handel und Landwirtschaft
Für die Agrar- und Lebensmittelwirtschaft ist der Fortschritt in Buenos Aires von hoher Relevanz: Gelingt die vorläufige Anwendung des Handelsabkommens, könnten bereits Zölle reduziert und Handelsbarrieren verringert werden, noch bevor die vollständige Ratifizierung in allen beteiligten Ländern erfolgt. Gleichzeitig stehen aber politische Schutzklauseln sowie Mechanismen für empfindliche Sektoren, darunter auch die heimische Landwirtschaft, weiterhin zur Diskussion.
Argentinien wird damit zu einem entscheidenden Akteur im Ratifizierungsprozess und setzt die EU unter Druck, ihre internen politischen Differenzen rasch zu überwinden, um die Zusammenarbeit zwischen den Blöcken zu vollenden.

