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Brasilien auf Wachstumskurs: Rekordexporte bei Rind, Schwein und Geflügel verändern den globalen Fleischhandel

Brasilien verzeichnete 2025 Rekordexporte bei Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch. Neue Zölle und Handelsabkommen könnten die Märkte 2026 neu ordnen.

Brasilien verzeichnete 2025 Rekordexporte bei Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch. Neue Zölle und Handelsabkommen könnten die Märkte 2026 neu ordnen.
Nach Angaben des brasilianischen Verbands der Fleischexportindustrie ABIEC stiegen die Ausfuhren von frischem und verarbeitetem Rindfleisch mengenmäßig um 20,9 Prozent auf 3,5 Mio. Tonnen. © Pixabay / ericojuniormorais0

Brasilien auf Wachstumskurs: Rekordexporte bei Rind, Schwein und Geflügel verändern den globalen Fleischhandel

Rindfleisch: Rekordzahlen und starkes Wachstum in der EU

Brasilien hat sich 2025 als einer der zentralen Akteure im weltweiten Rindfleischhandel weiter gefestigt. Nach Angaben des brasilianischen Verbands der Fleischexportindustrie ABIEC stiegen die Ausfuhren von frischem und verarbeitetem Rindfleisch mengenmäßig um 20,9 Prozent auf 3,5 Mio. Tonnen. Der Exportwert legte um 40,1 Prozent auf 18,03 Mrd. US-Dollar zu.

Brasilianisches Rindfleisch wurde in 170 Länder geliefert. Wichtigster Absatzmarkt blieb China mit 1,68 Mio. Tonnen, gefolgt von den USA, Chile, der EU und Russland. Besonders auffällig entwickelte sich der europäische Markt: Die Lieferungen in die EU stiegen um 123,8 Prozent auf 128.900 Tonnen und machten Europa zu einem der dynamischsten Wachstumsmärkte.

Handelspolitische Risiken: Neue Zölle könnten 2026 bremsen

ABIEC-Präsident Roberto Perosa wertet die Zahlen als Beleg für die Widerstandsfähigkeit der Branche. Gleichzeitig zeichnen sich neue Unsicherheiten ab. Seit Jahresbeginn erhebt China nach Überschreiten eines Kontingents von 1,1 Mio. Tonnen zusätzliche Zölle in Höhe von 55 Prozent – deutlich unter der im Jahr 2025 exportierten Menge Brasiliens.
Wie stark diese Maßnahme Handelsströme und Preisentwicklungen beeinflusst, dürfte sich erst im weiteren Verlauf von 2026 zeigen.

Schweinefleisch: Wachstum durch neue Hauptmärkte

Auch der Schweinefleischexport setzte seinen Aufwärtstrend fort. Nach Angaben des brasilianischen Verbands für tierisches Protein ABPA stiegen die Ausfuhren 2025 mengenmäßig um 11,6 Prozent auf 1,51 Mio. Tonnen. Der Exportwert erhöhte sich um 19,3 Prozent auf 3,62 Mrd. US-Dollar.
Getrieben wurde das Wachstum vor allem durch die Philippinen, die China als wichtigsten Absatzmarkt ablösten. Gleichzeitig konnte Brasilien seine Exporte nach Japan, Chile und Hongkong ausbauen. Die gezielte Diversifizierung der Märkte gilt als strategisches Element zur Risikominimierung.

Geflügel: Markenstrategie und Ausbau der globalen Präsenz

Im Geflügelsektor verfolgt Brasilien eine langfristige Positionierungsstrategie. Unter der neu ausgerichteten Marke „Brazilian Chicken“ werden Qualität, hoher veterinärmedizinischer Standard und Nachhaltigkeit stärker in den Vordergrund gerückt. Ergänzt wird dieser Ansatz durch internationale Marketing- und Brancheninitiativen.

Handelspolitisch setzt Brasilien auf Stabilität und Marktzugang. Die Wiederaufnahme von Geflügelexporten aus dem Bundesstaat Rio Grande do Sul nach China gilt als wichtiges Signal. Gleichzeitig fördern ABPA und ApexBrasil neue Geschäftsbeziehungen auf internationalen Leitmessen wie der Gulfood in Dubai.

Eierexporte erreichen historischen Höchststand

Neben Fleisch gewinnt auch der Eierexport an Bedeutung. Mit 40.900 Tonnen erreichten Brasiliens Eierausfuhren 2025 ein Rekordniveau. Damit erweitert das Land seine Rolle als Lieferant von Geflügelprotein über das klassische Fleischsegment hinaus.

Europa im Fokus: Bedeutung für Markt und Handwerk

Die laufenden Diskussionen rund um das Handelsabkommen zwischen dem Mercosur und der Europäischen Union zeigen, dass der EU-Markt für Brasilien strategisch relevant bleibt. Für europäische Betriebe und das Fleischer- und Geflügelhandwerk bedeuten steigende Importmengen eine wachsende Wettbewerbssituation und neue politische Rahmenbedingungen.

Brasilien prägt den globalen Fleischhandel

Rekordexporte bei Rind- und Schweinefleisch, eine strategische Neuausrichtung im Geflügelsektor und die gezielte Diversifizierung der Absatzmärkte machen Brasilien zu einem der prägenden Akteure im internationalen Handel mit tierischem Protein – mit spürbaren Auswirkungen auch für Europa.