Fleisch & Co: Wann ist dir klar geworden, dass du in die Fleischerbranche einsteigen willst?

Lisa Bo?ck: „Fleischerin wollte ich eigentlich schon immer werden. Als ganz kleines Kind habe ich schon zu Papa gesagt: ,Ich werd’ einmal Lebaka?smacherer!‘ Eigentlich wollte ich nur das neunte Schuljahr machen und dann eine Fleischerlehre beginnen. Doch meine schulischen Erfolge fu?hrten dazu, dass ich doch die Matura gemacht habe. Diese habe ich dann auch an der HLW in Zwettl gemacht. Danach bin ich sofort in den Betrieb eingestiegen. Denn im Laufe der Schuljahre habe ich schon bemerkt, dass ich nicht fu?r neun Stunden ta?glich am Schreibtisch geschaffen bin.“

Fleisch & Co: Viele Betriebe ka?mpfen damit, keinen Nachfolge zu haben. Fu?r dich war es niemals eine Frage?

Lisa Bo?ck: „Nein, denn ich sehe fast nur Vorteile. Natu?rlich sind es viele Arbeitsstunden, natu?rlich hat man immer wieder Sorgen und natu?rlich auch betriebliche Fehler passieren –, aber was gibt es Scho?neres, als etwas zu schaffen, einen Betrieb und die Produkte so zu gestalten, dass die Mitarbeiter zufrieden sind und die Kunden glu?cklich einkaufen kommen? Das macht doch enorm stolz. Natu?rlich kann ich leicht reden, denn meine Eltern haben extrem gute Vorarbeit geleistet und den Betrieb auf feste Beine gestellt. Aber ich denke, wa?re die Situation anders, wu?rde ich es dennoch wagen.“

Fleisch & Co: Was fasziniert dich so an dem Handwerk?

Lisa Bo?ck:„Es ist die Vielseitigkeit des Berufs, vor allem in einer Betriebsgro?ße wie der unseren. An einem Tag bin ich in der Wursterei, am na?chsten zerlegen wir Rindfleisch und dann verpacken wir. Ich habe jeden Tag eine andere Bescha?ftigung. Außerdem ist es ein unglaublich befriedigendes Gefu?hl, am Ende des Tages zu sehen, was man alles gemacht und produziert hat. Und wir stellen ja richtig gute Lebensmittel her, darauf bin ich dann schon enorm stolz.“

Lisa Böck: „ Ich wurste wahnsinnig gerne. Aber eigentlich macht es für mich die Mischung aus – das ist das Tolle am Fleischerhandwerk.” © Henry Gasselich

Fleisch & Co: Welcher Bereich ist dir der liebste?

Lisa Bo?ck: „Ich wurste wahnsinnig gerne. Aber eigentlich macht es fu?r mich die Mischung aus – das ist das Tolle am Fleischerhandwerk.“

Fleisch & Co: Du wirst einmal einen sehr großen Betrieb u?bernehmen …

Lisa Bo?ck: „Es ist schon eine enorme Verantwortung und natu?rlich kommt man da manchmal ins Gru?beln, wo die Reise hingehen wird. Im Moment gibt es ja ein großes Problem mit Fachkra?ften und es scheint nicht unbedingt besser zu werden: Wir haben zwei Lehrlinge, die zu neunt in ihrer Berufsschulklasse sitzen und dabei wurden schon drei Bundesla?nder zusammengelegt. Dennoch mache ich mir nicht allzu große Sorgen, denn die Lebensmittelbranche ist eine recht sichere Branche – essen mu?ssen die Leute schließlich immer. Aber natu?rlich gilt es dabei auch, sich flexibel auf die neuen Lebens- und Essgewohnheiten einzustellen.“

Fleisch & Co: Gerade in Zeiten, in denen Qualita?t immer wichtiger wird, ist die eigenen Schlachtung ein großer Mehrwert …

Lisa Bo?ck: „Durch den eigenen Schlachthof konnten wir unsere Qualita?t nochmals enorm steigern. Ich kann mich noch erinnern, als die ersten Schweine aus unserer neuen Schlachtung kamen. Da dachten wir zuerst, wir bilden uns nur ein, dass das Schweinefleisch jetzt so grandios ist. Nach und nach haben auch unsere Kunden bemerkt, dass die Qualita?t noch besser geworden ist. Das Kotelett zum Beispiel schmeckt nicht nur sehr gut, sondern schrumpft in der Pfanne auch nicht.“

Fleisch & Co: Was ist fu?r die Zukunft geplant?

Lisa Bo?ck: „Ich werde in Linz die Meisterpru?fung machen, denn dort ist die Ausbildung erstklassig –, aber zeitlich ist es natu?rlich eine Herausforderung. Außerdem mo?chte ich noch ein bisschen im Betrieb lernen, damit ich wirklich alle Fertigkeiten beherrsche – ich bin na?mlich eine Perfektionistin.“

Fleisch & Co: Was wu?rdest du dir fu?r das Fleischerhandwerk wu?nschen?

Lisa Bo?ck: „Die Konsumenten merken ja schon langsam, dass die Qualita?t beim Fleischer stimmt und setzen immer mehr auf Regionalita?t und handwerkliche Produkte. Aber der Fleischhacker selbst sollte auch stolz auf seinen Beruf und seine Produkte sein …Das heißt, ich wu?nsche mir von den eigenen Leuten mehr Wertscha?tzung fu?r das Handwerk, mehr Selbstbewusstsein und Liebe zum Beruf. Wir produzieren enorm gute Qualita?t, erzeugen tagta?glich wunderbare Produkte – die muss man doch mit Leidenschaft pra?sentieren und die Liebe zum Beruf zeigen.“

Lesen Sie auch unser Betriebsportrait der Fleischeri Böck. Mit Viehandel und eigenem Schlachthof.