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Schweinebranche wieder optimistisch

Die niedrigere Erzeugung von EU-Schlachtschweinen federt das russische Handelsembargo ab.

Seit Anfang Februar blockiert Moskau die Einfuhren von nicht verarbeitetem Schweinefleisch. Grund ist das Auftretens der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei Wildschweinen an den Ostgrenzen Litauens und später Polens. Letzte Woche betonte der russische Chefveterinär Sergej Dankwert für die Wiederaufnahme des Schweinefleischhandels mit der EU kämen vorerst allenfalls die von den ASP-Ausbrüchen am weitesten entfernten Mitgliedsländer in Frage. Dazu zählt er unter anderem Belgien, die Niederlande, Spanien, Italien und Dänemark. Höhere Risiken bestünden in den an Litauen, Polen, Weißrussland und die Ukraine unmittelbar angrenzenden Ländern wie zum Beispiel Deutschland. Dankwert geht jedoch davon aus, dass es für einzelne deutsche Bundesländer, die nicht an Polen angrenzen, Ausnahmen von der Exportsperre geben wird. Dänemark, Frankreich, die Niederlande und Italien drängten Russland bereits im Februar, bilaterale Lösungen vorzuschlagen. Aus Deutschland hieß es jedoch man verhandle in dieser Frage auf keiner Ebene bilateral mit Russland und unterstütze die Kommission in ihren Bemühungen auf eine EU-weite Lösung.

Obskure Vorwürfe

Der russische Föderale Aufsichtsdienst für Tier- und Pflanzengesundheit pocht auf die Umsetzung eigener Vorstellungen über die sogenannte Regionalisierung, also die Ausweisung seuchenfreier Gebiete. Bislang betrachtet der Aufsichtsdienst pauschal die gesamte EU als betroffen. Für Dankwert ist die Einrichtung von Sicherheitszonen mit einem Radius von 30km um die ASP-Fälle bei weitem nicht ausreichend. Er fordert als Radius wenigstens 150km und die Orientierung an den Regeln der Zollunion zwischen Russland, Weißrussland und Kasachstan. Ferner kritisierte der Beamte das angebliche Fehlen verlässlicher Angaben über die tatsächliche Verbreitung des ASP-Virus in den beiden bislang betroffenen EU-Ländern. Damit Hand in Hand geht ein weiterer, schwer verständlicher Vorwurf. So behaupte Dankert, Brüssel setze gezielt darauf, dass Russland in Versorgungsschwierigkeiten mit Schweinefleisch gerate.

EU: Schweinepreise stabilisieren sich

Trotzdem kehrt wieder Optimismus in die Fleischbranche ein. Denn zunehmend wird klar, dass sich das aktuelle Produktionsminus in der EU mit dem zurzeit fehlenden Exportvolumen die Waage hält. Damit steigt die Hoffnung, dass der zuletzt gestiegene Lagerbestand – speziell bei Verarbeitungsfleisch – werthaltig bleibt beziehungsweise es wieder wird. Zudem lassen sich die asiatischen Abnehmerländer nicht von der russischen Importsperre für EU-Schweinefleisch beeindrucken und halten die Geschäftspartnerschaft mit Europa (Ausnahmen sind Polen und das Baltikum) aufrecht. Infolge dessen wurden diese Woche wieder steigende oder zumindest gleichbleibende Preise am EU-Schlachtschweinemarkt notiert.

Hilfe für polnische Erzeuger

Zunehmend in Schwierigkeiten geraten jedoch die polnischen Erzeuger. Hier sind die Preise für Schweinefleisch aufgrund des schwindenden Vertrauens der Konsumenten besonders stark zurückgegangen. Obwohl die Viren weder in den dortigen Schweinställen auftraten, noch Risiken für den Verbraucher mit sich bringen, lässt die Nachfrage in dem Land nach. Auch hat China wie erwähnt den Import von Schweinefleisch aus Polen gestoppt.

Die Regierung in Warschau sieht nun Hilfen für Landwirte vor, der polnische Landwirtschaftsminister Stanislaw Kalemba bat Brüssel um Unterstützung. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos sagte bereits eine 50%ige Kofinanzierung von nationalen Programmen zu.

(Red./AIZ)

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