Weniger Steuer auf Grundnahrungsmittel: Diese Lebensmittel sollen in Österreich billiger werden

Österreich senkt ab 2026 die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel. Welche Lebensmittel günstiger werden, wie viel Haushalte sparen und was das für Preise und Inflation bedeutet.

Österreich senkt ab 2026 die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel. Welche Lebensmittel günstiger werden, wie viel Haushalte sparen und was das für Preise und Inflation bedeutet.
Eine gezielte Umsatzsteuersenkung kann im Supermarkt spürbare Effekte entfalten, sofern sie transparent und konsequent umgesetzt wird. © Pixaby / Barely Devi

Weniger Steuer auf Grundnahrungsmittel: Diese Lebensmittel sollen in Österreich billiger werden

Mehrwertsteuer-Senkung als Signal gegen hohe Lebensmittelpreise

In Österreich steht eine der größten steuerlichen Entlastungen für Haushalte seit Jahren bevor. Die Bundesregierung plant, die Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel von zehn auf fünf Prozent zu senken. Die Maßnahme soll ab Mitte 2026 gelten und Konsumentinnen und Konsumenten bei zentralen Lebensmitteln spürbar entlasten.

Auslöser sind die weiterhin hohen Preise im Lebensmitteleinzelhandel sowie der politische Druck, vor allem Familien und einkommensschwächere Haushalte zu unterstützen. Lebensmittel machen bei ihnen einen deutlich höheren Anteil an den monatlichen Ausgaben aus als bei höheren Einkommensgruppen.

Politische Einigung nach Regierungsklausur

Die Steuerreduktion wurde im Rahmen einer Regierungsklausur der Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS beschlossen. Vereinbart wurde, den ermäßigten Steuersatz für Grundnahrungsmittel nahezu zu halbieren. Vor allem die Sozialdemokratie hatte auf eine nachhaltige Entlastung beim täglichen Einkauf gedrängt.

Aus Sicht der Regierung handelt es sich um ein bewusst sozialpolitisches Instrument. Kritische Stimmen weisen jedoch darauf hin, dass nur dann ein echter Effekt entsteht, wenn der Steuervorteil tatsächlich an die Endpreise weitergegeben wird.

Kosten für den Staat und geplante Gegenfinanzierung

Nach aktuellen Schätzungen belaufen sich die jährlichen Kosten der Maßnahme auf rund 400 Millionen Euro. Gegenfinanziert werden soll die Steuersenkung unter anderem durch zusätzliche Abgaben auf nicht recycelbares Plastik sowie auf Paketlieferungen aus Nicht-EU-Staaten.

Die Auswahl der begünstigten Lebensmittel folgt laut Regierung sowohl sozialen als auch produktionswirtschaftlichen Kriterien und soll rund ein Drittel des durchschnittlichen Einkaufswerts abdecken.

Diese Lebensmittel sollen ab 2026 günstiger werden

In einer ORF-Pressestunde nannte Vizekanzler Andreas Babler erstmals eine detaillierte Liste jener Produkte, die von der Steuersenkung profitieren sollen.

Milch, Milchprodukte und Eier
Frische Milch, inklusive laktosefreier tierischer Milch, Butter sowie Eier von Hühnern.

Gemüse, frisch, gekühlt oder tiefgekühlt
Kartoffeln, Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch, Lauch, Karotten, Rüben, Knollensellerie, Gurken, Bohnen, Erbsen, Kürbis, Paprika, Spargel, verschiedene Salate sowie gefrorenes Gemüse wie Erbsen oder Spinat.

Obst
Frische Äpfel und Birnen sowie saisonales Steinobst wie Marillen und Kirschen.

Getreideprodukte und Backwaren
Reis, Weizenmehl, Weizengrieß, Nudeln ohne Füllung sowie Brot und Gebäck, einschließlich glutenfreier Varianten.

Weitere Grundnahrungsmittel
Speisesalz.

Auffällig ist der Fokus auf Produkte mit hoher Bedeutung für die heimische Landwirtschaft. Importierte Waren wie Bananen sind bewusst nicht Teil der Liste.

Wie viel spart ein durchschnittlicher Haushalt?

Die erwartete Entlastung fällt spürbar, aber moderat aus. Je nach Haushaltsgröße und Einkaufsverhalten rechnen Expertinnen und Experten mit Einsparungen von rund 100 Euro pro Jahr. Das entspricht etwa acht bis zehn Euro pro Monat.

Berechnungen des Momentum Instituts gehen von bis zu 126 Euro jährlicher Ersparnis aus, sofern die Steuerreduktion vollständig an die Konsumentinnen und Konsumenten weitergegeben wird. Für Haushalte mit niedrigerem Einkommen kann dieser Betrag dennoch eine relevante Entlastung darstellen.

Auswirkungen auf Inflation und Markt

Ökonomisch wird die Maßnahme auch als Beitrag zur Inflationsdämpfung gesehen. Unter idealen Bedingungen könnte die Gesamtinflation einmalig um bis zu 0,5 Prozentpunkte sinken. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Handel die Steuersenkung transparent und vollständig in den Preisen abbildet.

Wirtschaftsverbände begrüßen die Initiative grundsätzlich, verweisen jedoch auf die Bedeutung funktionierenden Wettbewerbs im Lebensmitteleinzelhandel. Ohne entsprechende Marktmechanismen könnte ein Teil der Entlastung verpuffen.

Fazit

Die geplante Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel ist ein klares Signal der österreichischen Politik in Zeiten hoher Lebenshaltungskosten. Ab Mitte 2026 sollen zentrale Produkte des täglichen Bedarfs günstiger werden und Haushalte um rund 100 bis 130 Euro pro Jahr entlasten.

Ob die Maßnahme ihr volles Potenzial entfaltet, hängt entscheidend davon ab, wie konsequent die Steuersenkung an die Endpreise weitergegeben wird. Für Konsumentinnen und Konsumenten wie auch für die heimische Lebensmittelproduktion bleibt die Umsetzung daher genau zu beobachten.