Es muss wie ein verfru?htes Christkind fu?r meine Eltern Maria und Josef Klinger gewesen sein, als sie am 13. Dezember 1973 ihre Fleischerei in Groß St. Florian am heutigen Standort ero?ffnet haben“, sagt Thomas Klinger, der Inhaber des Familienbetriebs in der idyllischen weststeirischen Gemeinde. Der Vater war zuna?chst Viehha?ndler und wurde erst dann Fleischermeister. 1973 startete er dann mit der U?bernahme der Gasthaus-Fleischerei Brand-Rothscha?dl in die Selbststa?ndigkeit. Die Konkurrenz war nicht gerade klein, gab es doch seinerzeit noch zwei weitere Fleischereien im Ort.

Top-Mitarbeiter kurz vor der Pensionierung und seit der Lehre im Haus: Walter Pommer.© HaRo
Fleischerer Klinger: Mit feiner Klinge(r)
Die Gescha?fte liefen trotzdem gut, sodass der Betrieb im Lauf der Jahre immer wieder erweitert und modernisiert wurde. So erneuerten die Klingers 1992 das Fachge- scha?ft. Sohn Thomas Klinger absolvierte die Lebensmittel-HTL in Hollabrunn, ist also berechtigt den Titel „Ingenieur“ zu fu?hren. Danach lernte er im elterlichen Betrieb das Fleischerhandwerk, 2008 legte der junge Mann dann seine Meisterpru?fung ab. Ho?chste Zeit u?brigens, hatte er doch schon im Jahr zuvor den Betrieb u?bernommen. Seit 2009 hat das Unternehmen die EU- Schlacht- und Zerlegezulassung fu?r Rind, Schwein, Pferd, Schaf und Ziege.
Rinder werden bei Klinger selbst geschlachtet
Rinder und Ka?lber schla?gt der Fleischermeister noch selbst. Verarbeitet werden Kalbinnen, Stiere und Ochsen von Bauern aus einem maximalen Umkreis von zehn Kilometern. Die Schweineha?lften der Marke „Steirerglu?ck“ bezieht Thomas Klinger von Steirerfleisch. Es handelt sich ausschließlich steirische Tiere. Insgesamt werden 20 bis 25 Schweine und ein Rind pro Woche in der Fleischerei vermarktet.
Die Liste der Spezialita?ten ist mehr als beeindruckend: Steirische Schmankerln wie die Breinwurst, Osterkrainer und Krainer oder die Schwartelsulz fu?hren die Liste an. Fleischerklassiker wie Wurzelspeck, Braunschweiger, der Leberka?se in drei Sorten und vieles mehr sorgen bei den Kunden aus nah und fern fu?r Begeisterung.

50 Jahre Fleischerei Klinger. Anlass genug fu?r ein Familienfoto mit drei Generationen (v. l.) Matthias, Dominik, Thomas, Katrin, Maria, Julia und Josef Klinger. © HaRo
Was macht eigentlich eine gute Breinwurst aus? Thomas Klinger erkla?rt die steirische Spezialita?t: „Ich verarbeite Goderln, Griffe vom Schweinebauch, Schwarten und Rollgerste. Dazu kommen Meersalz und eine Gewu?rzmischung nach Art des Hauses. Am besten in der Pfanne goldgelb anbrutzeln, mit Sauerkraut und Erda?pfelschmarrn essen. Einfach wunderbar.“ Das breite Sortiment der Traditionsfleischerei Klinger wird von allerlei Convenienceprodukten ideal erga?nzt. Vor allem Hausmannskost ist gefragt: selbst gemachte Suppen wie die herrliche Fleck- oder die feine Magerlsuppe, Suppeneinlagen, Leberreis, Gulasch, Beuschel, der deftige Lungenstrudel oder die ko?stlichen Leberkno?del erfreuen sich gro?ßter Beliebtheit. Aber auch die Grill– und BBQ-Fetischisten kommen bei den Klingers nicht zu kurz. Zahlreiche Grillwu?rstelkreationen, Klassiker wie die Ka?sekrainer, Grillka?se erfreuen das Feinschmeckerherz, Rindfleisch wird sowohl trockengereift als auch nassgereift angeboten: „Ich lasse das Rindfleisch zuna?chst ein bis zwei Wochen am Knochen reifen und dann noch zwei bis drei Wochen im Vakuum“, pra?zisiert Thomas Klinger. Das Ergebnis u?berzeugt die Kunden.

Thomas Klinger ist Fleischer mit Herz und Seele. © HaRo
Liebe zum Metier: Thomas Klinger ist …
… enthusiastischer Fleischer – und das mit Herz und Seele: „Mich begeistern die Vielfalt und meine Frau Katrin (Anm. d. Red.: lacht dabei) an diesem Beruf. Sie hat fu?r mich eigentlich den Status einer Fleischermeisterin und hat immer die Ruhe weg, wenn es einmal hektisch wird. Das kommt wahrscheinlich daher, dass sie vor der Beziehung zu mir in der Pflegebranche gearbeitet hat. Da braucht man viel Gelassenheit.“
Diesen gegenseitigen Ru?ckhalt haben Thomas und Katrin Klinger in den Jahren der Ausbauarbeit stets gebraucht, haben sie doch regelma?ßig in die Modernisierung des Unternehmens investiert, ganz nach der Tradition der Eltern. Damals schlachtete man auch noch die Schweine selber und belieferte Kollegen mit den Ha?lften. Maria Klinger (Senior-Chefin) la?chelt, wenn sie an diese Zeit zuru?ckdenkt: „Mein Mann war stets glu?cklich, mich zu haben, ich habe ihm den Ru?cken freigehalten und den Verkauf und die Buchhaltung erledigt.“

Die Fleischerei Klinger ist ein moderner Betrieb mit zeitgema?ßer Energiegewinnung und moderner Theke. © HaRo
Die Zukunft der Familie Klinger sieht rosig aus
2010 wurden die Ku?hlung und Tiefku?hlung auf Verbund umgestellt und eine Wa?rmeru?ckgewinnung fu?r die gesamte Abwa?rme installiert. Die Warmwassergewinnung erfolgt seither von Ma?rz bis November zu 100 Prozent autark. 2017 schließlich installierte man eine Photovoltaikanlage, dadurch erfolgt die Ku?hlung in diesem Sinne mit Sonnenenergie.
Fu?r Katrin und Thomas Klinger spricht nichts gegen eine rosige Zukunft. Die drei Kinder Matthias (12), Dominik (10) und Julia (7) zeigen schon fru?h Interesse am Beruf der Eltern. Mehr ko?nnen sich Unternehmereltern nicht wu?nschen. Thomas Klinger weiß, wieso das so ist: „Jammern bringt gar nichts und schon gar nicht vor den Kindern. Das Unternehmen la?uft gut, die Arbeit ist umfangreich und manchmal hart, aber das geho?rt dazu und tut der Freude keinen Abbruch. So erwa?chst Interesse und Freude am Tun bei der na?chsten Generation. Damit die kommenden 50 Jahre genauso erfolgreich verlaufen.“
Autor: HaRo

