Handel & Direktvermarktung

Rabattkultur: unlauteren Geschäftspraktiken ein Ende setzen

Verein „Land schafft Leben": Wer bezahlt für „-25%" und „1+1 gratis"? Die derzeit herrschende Rabattkultur schadet der heimischen Lebensmittelproduktion und damit letztlich auch den KonsumentInnen.

Der Betrag, den sich Konsumentinnen und Konsumenten bei reduzierten Lebensmitteln ersparen, wird häufig nicht vom Lebensmittelhandel bezahlt, sondern entlang der Wertschöpfungskette weiterverrechnet. So kommt es, dass verarbeitende Betriebe und auch die Landwirtschaft für Aktionen und Preisnachlässe in Supermärkten aufkommen müssen.

Ein neu beschlossener Rechtsrahmen macht solche Praktiken nun erstmals rechtlich belangbar – allerdings nur, sofern Lieferant und Bezieher nichts anderes vereinbaren. Zusammen mit der Einrichtung einer Ombudsstelle, die Bauern, Verarbeitern und Produzenten Hilfe gegen unlautere Praktiken verspricht, sollen die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen für mehr Transparenz entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette sorgen.

 

Um tatsächlich mehr Fairness in die Lebensmittelwertschöpfungskette zu bringen, braucht es auch ein Umdenken bei den Endkonsumentinnen und Endkonsumenten. Dies sei auch zu deren eigenem Wohl, erklärt Hannes Royer, Obmann des Vereins Land schafft Leben: „Im Lebensmitteleinkauf hat sich eine regelrechte Rabattkultur etabliert, die den Wert unserer Lebensmittel zerstört. Billige Preise sind verlockend, aber uns sollte bewusst werden, dass am Ende immer jemand draufzahlt: ein Mensch, ein Tier, die Umwelt. Die qualitativ hochwertige Lebensmittelproduktion, die wir uns wünschen, ist nicht möglich, solange wir zum Schnäppchenpreis einkaufen wollen. Davon hat niemand etwas, ganz besonders nicht die Konsumentinnen und Konsumenten.“

Echter Preis für Lebensmittel für KonsumentInnen nur selten sichtbar

Welche Auswirkungen diese Rabattkultur auf unser gesamtes Lebensmittelsystem hat, lässt sich gut am Beispiel Schweinefleisch erkennen. Der Preis für Schweinefleisch ist sehr häufig reduziert, wodurch den Konsumentinnen und Konsumenten der Normalpreis zu teuer erscheint. Sie suchen also weiter nach rabattiertem Schweinefleisch – und werden fündig, was sie in ihrer Annahme, dass Schweinefleisch billig zu sein hat, bestätigt. So wird fast ausschließlich verbilligtes Schweinefleisch gekauft, wobei die Preisdifferenz zwar manchmal vom Handel, noch viel öfter aber von den Produzentinnen und Produzenten getragen wird. Spielraum für eine qualitativ hochwertige Produktion, zum Beispiel unter höheren Tierwohlstandards, bleibt in einem solchen System kaum übrig.

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