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Abholmärkte als Erfolgsfaktor: Wie Radatz seine Unabhängigkeit stärkt

Radatz stärkt mit eigenen Abholmärkten seine Unabhängigkeit im österreichischen Fleischmarkt und reagiert mit Innovationen und Qualität auf steigende Kosten.

Radatz stärkt mit eigenen Abholmärkten seine Unabhängigkeit im österreichischen Fleischmarkt und reagiert mit Innovationen und Qualität auf steigende Kosten.
Radatz Wurstgroßmarkt © Lisi Specht / Radatz

Abholmärkte als Erfolgsfaktor: Wie Radatz seine Unabhängigkeit stärkt

Ein schwieriges Marktumfeld verlangt neue Antworten

Steigende Kosten für Rohstoffe, Energie und Logistik belasten die gesamte Lebensmittelbranche. Dazu kommt der Preisdruck im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel, der immer stärker auf Eigenmarken setzt. Auch das Familienunternehmen Radatz steht vor diesen Herausforderungen – und findet Wege, um seine Position im Markt zu sichern. Geschäftsführer Franz Radatz sen. spricht von einem Jahr, das „spannende Aufgaben“ gebracht hat.

Als ein mengenstarker Artikel in die Eigenmarkenproduktion einer Handelskette wechselte, musste Radatz rasch handeln: „Die Aufgabe bestand darin, dies mit alternativen Produkten und Vertriebsschienen zu kompensieren. Dies ist gut gelungen“, so Radatz.

Bettcher Trimming
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Produktinnovationen und veränderte Nachfrage

Radatz setzte auf Sortimente, die sich bereits bewährt hatten – insbesondere bei den Käsekrainern. Neue Varianten wie Chili-Cheese-Käsekrainer oder eine American-Style-Version mit Ahornsirup und Mac and Cheese fanden rasch ihren Platz im Regal.

Gleichzeitig verschieben sich Konsumgewohnheiten: Weniger Leberkäse, dafür mehr geschnittene Ware und Fertiggerichte – ein Trend, der sich in Österreich schon länger abzeichnet und den Convenience-Markt weiter verstärkt.

20 Jahre Abholmärkte: Ein Modell gewinnt an Bedeutung

Ein entscheidender Baustein der Radatz-Strategie liegt abseits des LEH: die eigenen Wurst-Großmärkte. Was 2005 am Firmengelände in Wien-Erlaa begann, entwickelte sich zu einer stabilen Vertriebsschiene – lange bevor Resilienz ein Branchen-Schlagwort wurde.

Heute betreibt Radatz Standorte in Wien, Gerasdorf, Schwechat, Neusiedl, Kittsee und weiteren Regionen. Mit der Eröffnung des Marktes in Bruck/Leitha im November wächst das Netzwerk auf 15 Abholmärkte. Über 1,3 Millionen Kund:innen besuchen diese jährlich. Angeboten werden Radatz- und Stastnik-Produkte, Waren von Partnerbetrieben sowie Anschnitte und Mehrmengen direkt aus der Produktion.

Damit schafft das Unternehmen einen Absatzkanal, der unabhängiger vom LEH agiert und regionalen Kundengruppen – von Gastronomiebetrieben bis Privathaushalten – ein verlässliches Angebot bietet.

Die Preisanstiege haben mittlerweile ein Niveau erreicht, das am Markt schwer darstellbar wird“, so Franz Radatz. © Harald Eisenberger
Die Preisanstiege haben mittlerweile ein Niveau erreicht, das am Markt schwer darstellbar wird“, so Franz Radatz. © Harald Eisenberger

Preisrealitäten am Rindfleischmarkt setzen die Branche unter Druck

Während der Schweinefleischmarkt derzeit stabil verläuft, bereitet besonders der Rindfleischsektor Sorgen. „Die Preisanstiege haben mittlerweile ein Niveau erreicht, das am Markt schwer darstellbar wird“, so Franz Radatz. Es fehle an ausreichender Menge, um wirtschaftlich arbeiten zu können.

Zur oft hitzig geführten Preisdebatte findet Radatz klare Worte: „In unserer Branche besteht absolut kein Spielraum, da seit Jahren keine ausreichenden Preiserhöhungen realisiert wurden.“ Ein Vorteil bleibt dennoch: Der österreichische Fleischmarkt ist weiterhin weniger von internationalen Markenkonzernen dominiert als andere Lebensmittelsparten.

Qualität als stabilste Währung

Trotz hoher Kosten und struktureller Veränderungen bleibt die Produktqualität das Fundament. Dass dies gelingt, zeigt die jüngste Auszeichnung bei der DLG für langjährige Produktqualität: neunmal Gold für das traditionsreiche, seit 1998 zu Radatz gehörende Unternehmen Stastnik.

Für Franz Radatz ist das mehr als ein Erfolg im Regal: „Diese Auszeichnungen zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Wenn sowohl Kundschaft als auch Fachjurys überzeugen, dann hat das Unternehmen die Herausforderungen des Marktes tatsächlich erfolgreich gemeistert.