Produktion & Industrie

Putenfleisch: Wie viel Tierwohl wollen wir uns leisten?

Der Verein Land schafft Leben informiert über den Exoten im Reich des Geflügels: die Pute. Die österreichische Produktion von Putenfleisch unterliegt strengen gesetzlichen Tierwohlstandards. Jedoch sind die Konsumentinnen und Konsumenten kaum bereit, dies zu honorieren.

Die Haltung von Puten ist in Österreich mit strengen Gesetzen reguliert: Neben Einstreu, Futter und Stallklima ist vor allem auch der Platz pro Tier vorgegeben. Die Regulierungen ermöglichen mehr Tiergesundheit, indem sie eine überbordende Anzahl Puten pro Stall verhindern. Gegenüber dem Ausland kommt hierzulande außerdem wenig Antibiotika zum Einsatz.

Dieses Tierwohl kostet und deswegen ist österreichisches Putenfleisch im Vergleich zu ausländischem um einiges teurer. „Wenn alle für mehr Tierwohl plädieren und dieses dann auch umgesetzt wird, dann sollten wir auch bereit sein, dafür mehr zu bezahlen. Am Ende des Tages muss uns bewusst sein, dass wir bei einem ausländischen Putenfilet alles andere als Tierwohl auf unserem Teller haben – bei österreichischem hingegen könnten wir es haben, wenn wir denn hingreifen würden“, so Hannes Royer, Obmann des Vereins Land schafft Leben.

Derzeit landet das inländisch produzierte Putenfleisch vor allem bei Handelsketten, die aktiv auf den Verkauf von heimischem Fleisch setzen. Beim Außer-Haus-Konsum isst man nahezu nur ausländische Pute. 

Tierwohl: Mehr oder weniger Platz entscheidend

Ein wesentlicher Faktor für das Wohlergehen der Tiere ist die sogenannte Besatzdichte. Diese regelt die Anzahl an Tieren pro Quadratmeter. Österreich geht hier einen Sonderweg. Die Puten haben hierzulande deutlich mehr Platz: Während es EU-weit keine gesetzlichen Regelungen bei konventionellen Putenmastställen gibt, sind in Österreich nicht mehr als 40 Kilogramm pro Quadratmeter zugelassen.

Auf einen Quadratmeter rechnen sich so zwei ausgewachsene männliche Puten. In anderen EU-Ländern sind 60 bis 70 Kilo pro Quadratmeter Standard. „Das muss man sich einmal vorstellen: 70 Kilogramm – so schwer sind drei bis vier ausgewachsene männliche Puten. Selbst bei zwei ausgewachsenen Puten auf einem Quadratmeter wird es bereits eng, aber bei vier können sich die Tiere kaum mehr drehen“, sagt Hannes Royer.

Qualitätsfleisch ist kein Billigprodukt

Da Betriebe im Ausland aufgrund fehlender Haltungsrichtlinien in der Lage sind, weit billiger zu produzieren, steht die inländische Putenproduktion unter hohem ökonomischem Druck. Durch die strengeren Vorschriften im Inland werden Puten für Österreich vermehrt im Ausland gemästet.

Dies spiegelt sich auch am niedrigen Selbstversorgungsgrad von 42 Prozent wider. „Wenn wir ausländisches Putenfleisch aus dem Regal nehmen, wird auch genau jenes nachgeschlichtet. Wir sollten uns fragen, welche Produktionsbedingungen wir mit unserem Kauf unterstützen möchten. Die österreichische Pute ist zwar teurer, aber der Kauf ist ein klares Bekenntnis zu mehr Tierwohl“, erklärt Hannes Royer.

Aktuell werden von politischer Seite durch den Tierwohlpakt Zeichen gesetzt, den Selbstversorgungsgrad und somit die Vorreiterrolle Österreichs in der Putenhaltung auszubauen: Weitere Tierwohlställe in Österreich sind in Planung respektive werden gebaut. Der erwartete Zuwachs von österreichischem Putenfleisch ermöglicht den Konsumentinnen und Konsumenten, Tierwohl auf ihre Teller zu legen – egal ob im Restaurant oder zu Hause.

Hannes Royer, Obmann des Vereins Land schafft Leben, plädiert zu vermehrtem Kauf von österreichischem Putenfleisch, um sich aktiv für mehr Tierwohl auf dem Teller zu bekennen. © Land schafft Leben

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