Neues Preisradar: Mehr Transparenz entlang der Lebensmittelkette – auch Fleischpreise im Fokus

Neues Preisradar: Mehr Transparenz entlang der Lebensmittelkette – auch Fleischpreise im Fokus
Preisentwicklungen vom Erzeuger bis ins Regal
Das Preisradar visualisiert die Entwicklung von Lebensmittelpreisen auf unterschiedlichen Handelsstufen – von der Erzeuger- über die Großhandels- bis zur Konsument:innenebene. Grundlage dafür sind Produktpreise, nationale Preisindizes wie der Verbraucherpreisindex sowie ausgewählte Ausgabengruppen des Harmonisierten Verbraucherpreisindex mehrerer Länder.
Für die Fleischwirtschaft ist dieser Ansatz besonders relevant. Preisunterschiede entlang der Wertschöpfungskette lassen sich erstmals systematisch nachvollziehen – etwa zwischen Agrarpreisen, Verarbeitung, Handel und Endverkauf. Laut Statistik Austria werden Lebensmittelpreise seit 2022 auf Basis von Scannerdaten aus dem Handel erhoben, im Preisradar stehen diese Daten ab Jänner 2023 zur Verfügung.
Politische Einordnung: Transparenz als Instrument gegen Inflation
Aus Sicht der Bundesregierung ist das neue Instrument ein zentraler Baustein der Inflationsbekämpfung. Finanzminister Markus Marterbauer betont, dass gezielte Eingriffe bei Preisen nur mit belastbaren Daten möglich seien. Das Preisradar ermögliche internationale Vergleiche, mache Preisentwicklungen nachvollziehbar und schaffe die Grundlage für rasches Gegensteuern.
Auch Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig verweist auf die Bedeutung klarer Daten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Transparenz sei Voraussetzung dafür, dass Entlastungsmaßnahmen tatsächlich bei Konsument:innen ankommen und irreführende Preisgestaltungen erkannt werden können.
Fleischpreise weiterhin Teil der Inflationsdebatte
Der Lebensmittelsektor bleibt ein zentraler Preistreiber. Im Dezember 2025 lag die Inflation bei Lebensmitteln in Österreich bei 4,1 Prozent – deutlich höher als in mehreren vergleichbaren EU-Ländern. Fleisch und Fleischwaren zählen dabei weiterhin zu jenen Produktgruppen, deren Preisentwicklung besonders aufmerksam beobachtet wird.
Das Preisradar macht sichtbar, wie sich Preise einzelner Produkte in Form von Preisbändern entwickeln. Diese zeigen die Verteilung der Preisdaten anhand von Quartilen und ermöglichen eine differenzierte Betrachtung von Durchschnittswerten, Ausschlägen und Spannweiten. Ergänzt wird dies durch Detaildaten aus nationalen Preisindizes, sofern eine inhaltliche Nähe zum jeweiligen Produkt besteht.
Scannerdaten als neue Datengrundlage
Eine Besonderheit des Preisradars liegt in der Verwendung von elektronischen Kassendaten. Die größten Handelsketten liefern wöchentlich Umsatz- und Absatzdaten an Statistik Austria. In diesen Scannerdaten sind sämtliche Rabattaktionen enthalten, darunter Preisnachlässe, Mengenaktionen oder Bonusprogramme.
Für die Interpretation ist entscheidend, dass sich Durchschnittspreise und Indexentwicklungen unterscheiden können. Während Preisindizes Umsatz- und Regionalgewichte berücksichtigen, basieren Durchschnittspreise auf verkauften Mengen. Für Fleischbetriebe bedeutet das: Kurzfristige Aktionen oder Sortimentsverschiebungen wirken sich nicht zwangsläufig gleich auf Indizes und Durchschnittspreise aus.
Kritik am Umfang des Preisradars
Kritik kommt unter anderem von foodwatch Österreich. Die Organisation begrüßt den grundsätzlichen Ansatz, sieht jedoch Lücken bei der Produktauswahl. Laut foodwatch sind mehr als 40 Prozent jener Lebensmittel, die im Zusammenhang mit der angekündigten Mehrwertsteuersenkung genannt wurden, derzeit nicht im Preisradar enthalten.
foodwatch-Geschäftsführerin Indra Kley-Schöneich warnt davor, dass unvollständige Daten die Aussagekraft des Instruments einschränken könnten. Transparenz sei nur dann gegeben, wenn alle relevanten Produkte tatsächlich abgebildet würden.
Ausblick: Bedeutung für die Fleischwirtschaft
Für die Fleischbranche bietet das Preisradar Chancen und Herausforderungen zugleich. Einerseits schafft es mehr Nachvollziehbarkeit entlang der Wertschöpfungskette und kann dazu beitragen, Preisentwicklungen faktenbasiert einzuordnen. Andererseits rücken Preisaufschläge, Margen und internationale Unterschiede stärker in den öffentlichen Fokus.
Mit Blick auf die angekündigten Maßnahmen – von verschärften Kontrollen über das Anti-Mogelpackungsgesetz bis hin zur geplanten Mehrwertsteuersenkung auf ausgewählte Grundnahrungsmittel ab Juli 2026 – wird Transparenz bei Lebensmittelpreisen weiter an Bedeutung gewinnen. Für Fleisch & Co bleibt entscheidend, wie differenziert Preisentwicklungen künftig dargestellt und bewertet werden – und ob das neue Instrument zu einer sachlicheren Debatte über Kosten, Wertschöpfung und Preise im Lebensmittelsektor beiträgt.

