Ronny Paulusch: Fleisch neu denken heißt auch Fleisch neu lehren

Ronny Paulusch: Fleisch neu denken heißt auch Fleisch neu lehren
Fleisch neu denken heißt auch Fleisch neu lehren. Alle reden davon, wie Fleisch in Zukunft produziert, verarbeitet oder vermarktet werden soll. Doch kaum jemand fragt, wie wir das Wissen dazu eigentlich weitergeben? Denn jedes gute Produkt beginnt mit einem guten Unterricht – und genau dort liegen viele Probleme unserer Branche.
Noch immer wird vielerorts so unterrichtet, wie man es vor zwanzig Jahren getan hat: Rezepte statt Reflexion, Handgriffe statt Verständnis. Dabei hat sich das Umfeld längst verändert. Kunden sind informierter, Produkte komplexer, Anforderungen höher.
Wer heute über Fleisch spricht, muss Biologie, Sensorik, Ethik und Kommunikation genauso beherrschen wie Schnittführung und Technik. Lehren im Handwerk bedeutet heute mehr, als Wissen zu wiederholen. Es heißt, Verstehen zu erzeugen. Nicht: „So macht man das“, sondern: „Warum macht man das so – und was passiert, wenn man es anders macht?“
Diese Erkenntnis hat sich auch während meiner Weiterbildung an der Harvard University bestätigt: Dort wird Didaktik nicht als Pflicht verstanden, sondern als Schlüssel zur Begeisterung. Lernen heißt dort, Wirkung zu erzielen – bei Lehrenden wie bei Lernenden.
Genau das braucht auch unser Handwerk: eine Ausbildung, die inspiriert, statt zu belehren, die bewegt, statt zu ermüden. Fleisch neu denken heißt, Ausbildung ernst nehmen: als Werkzeug, als Chance, als Kern unseres Berufs. Denn nur wer Wissen teilt, garantiert, dass Können bleibt – und dass Handwerk Zukunft hat.