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Handel & Direktvermarktung

Black Friday im LEH: das Rabatt-Paradoxon am Beispiel Tierwohl

Am Black Friday wird die Rabattkultur im Lebensmittelhandel auf die Spitze getrieben. Wer für die Preisdifferenzen aufkommt und warum Rabatte nicht immer zum Vorteil der Konsumentinnen und Konsumenten sind, erklärt der Verein Land schafft Leben am Beispiel Tierwohl.

Die groß angelegten Rabattaktionen am Black Friday und dem darauffolgenden Cyber Monday machen auch vor dem Lebensmitteleinzelhandel nicht Halt. Denn obwohl sich hier durch die ständigen Vergünstigungen längst eine Rabattkultur etabliert hat, wird diese rund um den kommenden Freitag mit immer noch billigeren Preisen auf die Spitze getrieben. Das mag Konsumentinnen und Konsumenten freuen, am Ende des Tages leiden unter den Billigstpreisen jedoch jene, die unsere Lebensmittel produzieren – und damit auch die Qualität der Lebensmittel selbst, sagt Hannes Royer, Obmann des Vereins Land schafft Leben:

„Im Lebensmitteleinkauf hat sich eine regelrechte Rabattkultur etabliert, die den Wert unserer Lebensmittel zerstört. Billige Preise sind verlockend, aber uns sollte bewusst werden, dass am Ende immer jemand draufzahlt: ein Mensch, ein Tier, die Umwelt. Schließlich muss irgendjemand für die Preisdifferenz aufkommen, und das sind häufig die verarbeitenden Betriebe und die Landwirtschaft. Für eine hochwertige Produktion, wie wir sie uns eigentlich wünschen – etwa mit mehr Tierwohl – bleibt hier kaum Spielraum.“

Schere zwischen Wert und Preis immer größer

Minus 50 Prozent auf Hühnerfleisch, ein Kilo Faschiertes um 2,49 Euro und beim Kauf einer Packung Salami gibt es eine zweite gratis dazu. Die Aktionen in den Flugblättern dieser Woche zeigen: Neben vielen anderen dauerreduzierten Lebensmitteln ist verbilligtes Fleisch ein besonders beliebter Anreiz, um Konsumentinnen und Konsumenten ins Geschäft zu locken. Dabei veranschaulicht das Beispiel Fleisch gut, wie paradox die ständige Vergünstigung unserer Lebensmittel ist. Diese bewirkt nämlich, dass den Konsumentinnen und Konsumenten der Normalpreis, besonders bei Schweine- und Hühnerfleisch, zu teuer erscheint. Sie suchen also weiter nach rabattiertem Fleisch – und werden fündig, was sie in ihrer Annahme, dass Schweine- und Hühnerfleisch billig zu sein hat, bestätigt. So wird fast ausschließlich verbilligte Ware gekauft, wobei die Preisdifferenz zwar manchmal vom Handel, noch viel öfter aber von den Produzentinnen und Produzenten getragen wird. Hannes Royer dazu: „Unser Einkaufsverhalten ist völlig widersprüchlich: Wir fordern immer lauter eine artgerechtere Haltung unserer Nutztiere mit mehr Platz, Stroh und Auslauf und sind gleichzeitig ständig auf der Jagd nach dem billigsten Produkt. Damit zerstören wir jede Möglichkeit einer hochwertigen Lebensmittelproduktion mit mehr Tierwohl, wie wir sie uns eigentlich wünschen.“

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