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Tierschutz Austria zu Fleischpreisen: Köstinger-Kritik greift zu kurz

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger kritisiert Fleischpreise im Supermarkt – und hat damit recht. Entscheidende Faktoren werden aber außer Acht gelassen

Die Preise für Fleisch im Supermarkt seien zu niedrig, sagt Bundeministerin Elisabeth Köstinger. Madeleine Petrovic, Vereinspräsidentin von Tierschutz Austria (TSA, der neue Auftritt des Wiener Tierschutzvereins) gibt ihr recht: „Ja, das stimmt – und das billige Dumping-Fleisch kommt uns alle teuer zu stehen.

Es kostet Arbeitsplätze in der Landwirtschaft, es verursacht hohe Umweltbelastung sowie massives Tierleid und zerstört das Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten.“

Kritik an Köstinger

Doch – und hier greift die Kritik von Köstinger viel zu kurz: Die Marktmacht des Handels, der nach dem Gastro-Lockdown ein übergroßes Angebot vermarktet, ist für Petrovic nur ein Faktor von mehreren:

  • Alte und neue Tierseuchen, Zoonosen und die Folgen tierquälerischer Haltungen, werden noch immer nicht ursächlich bekämpft, also durch wirklich artgerechte Haltungsbedingungen für alle (Nutz-)Tiere. Noch immer heißt die Devise – Absondern, Keulen und Pharma-Einsatz. Die Afrikanische Schweinepest, die in Teilen Deutschlands wütet, hat China zu einem Import-Stop veranlasst. Dieses Fleisch (aus den nicht betroffenen Regionen) wird in Europa vermarktet und führt zu Überkapazitäten. Die afrikanische Schweinepest ist eine jener Seuchen, die durch menschliches Fehverhalten weltweit verbreitet wurde.

 

  • Die Wirtschaftskammern mauern hinsichtlich einer klaren und einfachen Kennzeichnung von Fleischwaren nach der Haltung der Tiere und nach der Herkunft und zwar auch in der Verpflegung außer Haus, in Kantinen, der Großgastronomie sowie bei der Herstellung von Fertigmenüs und Convenience-Produkten. „Warum die Wirtschaftskammer zum Schaden von Mensch und Tier in Österreich agiert und offenbar nur fragwürdige Interessen von ausländischen Dumping-Produktionen verteidigt, sollte Bundeministerin Köstinger einmal mit ihren Parteifreunden in den Wirtschaftskammern klären“, so Petrovic.

 

  • Die öffentliche Hand sollte eigentlich – so sieht es auch das Koalitionsabkommen vor – flächendeckend mit gutem Beispiel vorangehen und für alle öffentlichen Nachfrager, für Schulen, Kasernen, Spitäler und den öffentlichen Kantinen nur noch Fleisch aus wirklich artgerechter Tierhaltung verwenden und so den Bäuerinnen und Bauern eine Garantie für den Absatz besserer Produkte bieten. Petrovic dazu: „Das wäre ein ganz wesentlicher Schritt, um die Abhängigkeit vom Diktat des Handels und der Wirtschaftskammern zu befreien.“

 

  • Und last but not least: Die Konsumentinnen und Konsumenten müssen – so wie bei den Eiern – selbst entscheiden können, was sie kaufen. Es bedarf dringend einer ehrlichen und kontrollierten Kennzeichnung nach Kriterien der Tierhaltung und der Herkunft. „Gütesiegel“ wie das AMA-Gütesiegel sollten nur dort verliehen werden, wo es um echten Tierschutz geht, also nur wenn das Tierwohl gesichert ist.

Tierschutz Austria sowie auch die österreichische Tierschutzbewegung will diese Ziele mit der Landwirtschaft umsetzen. „Einseitige Ursachen-Kritik wird nicht ausreichen, sondern nur zu weiteren Verhärtungen führen“, so Petrovic abschließend.

Aussender: Tierschutz Austria. Die Stimme der Tier, seit 1846

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