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„Ein Hoch auf uns“ – zwei neue österreichische Metzgermeister!

Zwei Österreicher haben den 446. Kurs der Fleischerschule Landshut erfolgreich abgeschlossen. Neben Teilnehmern aus ganz Deutschland vertrat Dominik Angelmayr (26) aus Altenburg die Farben von Niederösterreich, Andreas Ortner (24) aus Sillian die von Osttirol.

Gerade Erfolge in schwierigen Zeiten sorgen für besondere Gänsehautmomente: Die erlebten 28 Handwerker/innen aus Deutschland und zwei aus Österreich zum Abschluss des 446. Meisterkurses der 1. Bayerischen Fleischerschule in Landshut. Sie hatten ihre Meisterprüfung mit Bravour bestanden und ließen im Rahmen ihrer Freisprechungsfeier die schönsten Impressionen des zwölf Wochen dauernden Büffelns mit einer Fotopräsentation lebendig werden, musikalisch perfekt untermalt mit dem Superhit „Ein Hoch auf uns“ von Andreas Bourani.

Erfolgreich trotz Corona-Krise: die Teilnehmer des MK 446 mit Schulgeschäftsführerin Barbara Zinkl (2. Reihe, r.), den Fachlehrern Fritz Huber (2.v.r.), Michael Spitzauer und Emiliano Fiorentino (v.l.). (© 1.BFS)

 

Frauenquote bei 25 Prozent

Beeindruckt war Schul-Geschäftsführerin Barbara Zinkl zudem durch die hohe Zahl von sieben Absolventinnen im vermeintlichen „Männerberuf“ – also fast 25 Prozent. Und jede habe ohne „Extrawurst“ durch Leistung überzeugt. Das zeige: „Starre Rollenmuster sind ein Auslaufmodell.“

Schul-Geschäftsführerin Barbara Zinkl freute sich über eine Rekord-Frauenquote im Kurs. (© 1.BFS)

Zinkl verglich den Meisterkurs vor ca. 100 Gästen (darunter unter 2G-Vorgaben auch einige Familienangehörige und Freunde der Jungmeister) in den Bernlochner Stadtsälen mit einer Schiffsexpedition. Statt eines Wohlfühl-Törns wurde die Seetauglichkeit der Teilnehmer nicht nur durch die Corona-Wellen und Unterricht unter besonderen Hygienebedingungen geprüft. In mehr als 500 Unterrichtseinheiten mussten sie sich durch Themen von Buchführung und Lebensmittelhygiene bis zu Steuerrecht und Arbeitspädagogik in der Fachtheorie kämpfen. Im Praxisteil umfasste der Lehrplan überdies Themen wie Zerlegung, Produktion von gut 130 Wurstsorten, Perfektionierung von Verkaufsgesprächen oder Warenpräsentation.

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„Seien Sie stolz und selbstbewusst – Sie machen einen tollen Job!“

Als Festredner gratulierte Christian Läpple, Vizepräsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, ihnen allen zum Erreichen einer wichtigen Etappe im Berufsleben und zitierte Kurfürst Georg Wilhelm von Brandenburg mit einem Plädoyer für gutes Essen. Metzger stellten Köstlichkeiten her, er stehe mit dem Meistertitel für Handwerksqualität, die Verbindung von Tradition und Moderne, Kundenorientierung und Verlässlichkeit. Und hier drehe sich seit Jahrhunderten alles um Genuss. Verständnis für High-Tech-Geräte sei dabei heute ebenso gefragt wie Kreativität. Metzger seien „Allrounder“ und stünden für individuelle Angebote statt Fleisch als Massenware, für Regionalität und Herkunftsgarantie.

HWK-Vize Christian Läpple verlieh den Absolventen den Meistertitel (Bachelor Prof.). (© 1.BFS)

Dank Einsatz, Ehrgeiz und Disziplin seien die Absolventen nun wahre „Meister Ihres Fachs“. Ihre Fortbildung in Fachbereichen von Betriebswirtschaft bis Schlachttierbeurteilung, von neuen, trendigen Rezepturen bis zu Biochemie sei genau die richtige Entscheidung gewesen: „Wer in die eigene Weiterbildung investiert, investiert in die Zukunft.“ Mit dem Meisterbrief, so Läpple, seien sie als top-ausgebildete Fachkräfte weltweit gefragt. Sein Fazit: „Seien Sie stolz und selbstbewusst – Sie machen einen tollen Job!“

Zwei Länder, vier Bundesländer und 30 Dialekte

Das vierköpfige Klassengremium blickte humorvoll zurück auf Spaß und Stress des Meisterkurses. „Zwei Länder, vier Bundesländer, 30 Dialekte“ waren dabei laut Luisa Botte (22) aus Hartenfels zu vereinigen. Das österreichische Duo brachte sich laut Dominik Angelmayr sogar mit einem selbst kreierten Austria-Buffet ein. Katrin Gössl (27) aus Tettnang zeigte sich stolz auf die bestandenen Zerlege-Prüfungen (Ausbeinen einer Rinderpistole) der Damen im Kurs. Und Marcel Althoff (27) aus Warendorf nannte unter den vier Einzelteilen der Prüfung vor allem Betriebswirtschaft/Recht als Stolperstein und „ein hartes Stück Arbeit“.

Die Klassensprecher überreichten kleine Präsente an die Dozenten und ein großformatiges Kursfoto für die „Hall of Fame“ der Schule an Barbara Zinkl. Diese blickte zurück auf ein heikles Jahr für die 1.BFS, das wegen der Lockdowns nur 9 statt 12 Monate dauerte. Mit stimmigen Hygienekonzepten habe man es geschafft, die Schule coronafrei zu halten – trotz zwei Meisterkursen im Herbst. Sie appelierte an die Jungmeister, der Branche treu zu bleiben und Nachwuchs für das Fleischerhandwerk zu begeistern.

Zum Abschluss des von den Landshuter Turmbläsern unter Leitung von Horst Kirch umrahmten Festakts sprach Christian Läpple die Absolventen frei vom Gesellenstand und verlieh ihnen „Meisterehre, Meisterstand und Meistertitel“ (der in moderner Zeit auch als „Bachelor Professional“ gilt). Jeder erhielt von der HWK neben dem Meisterbrief ein silbernes „Meister-M“ – nach 35 Jahren Meistertätigkeit kann die goldene Version folgen. Von der 1.BFS gab es das exklusive Landshuter Schuldiplom, das seit Gründung der Lehreinrichtung 1928 unverändert verliehen wird.

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