Nach nicht einmal drei Jahren erfreut sich die App „To Good To Go” auch hierzulande großer Beliebtheit. Die fast 4.500 Partnerbetriebe, rund 30 davon sind Fleischereien, und eine Million registrierten Nutzer:innen – ein Zehntel der o?sterreichischen Bevo?lkerung. Allein im vergangenen Jahr registrierten sich 2.500 neue Partner aus Gastronomie und Handel, u. a. SPAR, Hilton, unverschwendet, iglo, Landspeis, Niemetz oder Figlmu?ller: „Wir konnten unseren Impact im Jahr 2021 verdreifachen“, reflektiert Georg Strasser, Country Manager von Too Good To Go O?sterreich.

Die ” To Good to go App” – man braucht nur ein Smartphone. © To Good To Go

Die „Too Good To Go“-App ist eine App gegen Lebensmittelverschwendung und verbindet Lebensmittelbetriebe mit Konsument:innen, damit u?brig gebliebenes Essen konsumiert statt entsorgt wird. Mit Jahresende 2021 wurde die 2-Millionen-Mahlzeiten-Marke seit O?sterreich-Start vor zweieinhalb Jahren geknackt. Durchschnittlich drei Mahlzeiten pro Minute wurden so letztes Jahr u?ber die App verkauft und vor der Verschwendung bewahrt. Und das ist gut so, denn: Es werden jährlich so viele Lebensmittel weggeworfen, dass ganz Österreich 8,6 Jahre lang mit dem Zug fahren könnte (im CO2-Vergleich). Gegru?ndet in Da?nemark ist „Too Good To Go” heute in 15 europa?ischen La?ndern sowie in den USA und Kanada zu finden. Sie ermo?glicht es allen Betrieben, die u?berschu?ssige Lebensmittel haben, ihr Angebot via App vergu?nstigt zu verkaufen und so vor der Verschwendung zu bewahren. Das bedeutet für die Kunden hochwertige Lebensmittel, für die Betriebe weniger Entsorgungskosten und für die Umwelt Ressourcenschonung.

Gemischte Sackerln vom Metzger

Mitmachen kann jeder Betrieb, der Lebensmittelu?berschu?sse und ein Smartphone hat. Die u?brig gebliebene Ware wird am Ende eines Tages in U?berraschungssackerln gegeben. Da man vorab nicht wissen kann, wie viel und was es ist, kann die Zahl der Sackerln ganz individuell und unkompliziert angepasst werden. In der App kaufen Nutzer:innen diesen U?berschuss zu einem Drittel des Preises und holen ihr Sackerl kurz vor Betriebsschluss direkt im Lokal oder Markt ab. „Fu?r Fleischereien funktioniert das genauso wie bei jedem anderen Betrieb. Oft haben gerade sie einen besonders engen Draht zu ihrem Produkt und versuchen, so gut es geht, Verschwendung zu vermeiden. Sie sind daher generell sehr offen fu?r das Thema. Unsere Fleischerei-Partner stellen zum Beispiel gemischte Sackerln mit Resten aus der Frischwarentheke in die App“, informiert Georg Strasser, Country Manager O?sterreich. Sollten Sie Mittagsangebote oder ein erweitertes Sortiment wie zum Beispiel Gewu?rze oder Molkereiprodukte anbieten, so ko?nnen diese ebenfalls ins U?berraschungssackerl gepackt werden. Die Erfahrung zeigt u?brigens, dass große Stu?cke gerne auf mehrere Sackerln aufgeteilt und oftmals vakuumiert weitergegeben werden. So lassen sich insbesondere auch „nicht perfekte“ Stu?cke retten. Das Feine ist, dass „To Good To Go” keine Konkurrenz zum bestehenden Gescha?ft ist, sondern ganz im Gegenteil: Das eigene Gescha?ft wird dadurch bekannter, da es in der App potenziellen neuen Kund:innen aus der Umgebung angezeigt wird. „Viele Partnerbetriebe erza?hlen uns, dass ihre Abholer:innen nicht nur das „Too Good To Go“-Sackerl nehmen, sondern zusa?tzlich gleich ihren regula?ren Einkauf bei ihnen machen“, so Strasser.

© To Good To Go

Langja?hrige Kooperationen

Einige o?sterreichische Fleischereien und Fleischunternehmen sind bereits zufriedene Partner von „Too Good To Go” – so auch die Marcher Fleischwerke, O?sterreichs gro?ßtes und modernstes Schlacht- und Zerlegeunternehmen. Kommunikationschefin Sonja Vikas: „Wir kooperieren seit Anfang 2020 mit „Too Good To Go” an unserem Standort in Linz und sind sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit. Wir ko?nnen auf diesem Weg, Lebensmittel, die entweder aus einer Fehl- oder U?berproduktion stammen, einer sehr sinnvollen Nutzung zufu?hren. „Too Good To Go” ist eine Maßnahme der Marcher Fleischwerke, um Lebensmittel, die nicht verkauft werden ko?nnen, sinnvoll weiterzugeben. In enger Zusammenarbeit mit der Caritas und der Obdachlosen-Hilfe Obero?sterreich werden regelma?ßig Fleischlieferungen an Obdachlosen-Institutionen geliefert. Kommunikativ helfen alle Initiativen den Wert von Fleisch- und Fleischwaren ins richtige Licht zu ru?cken – na?mlich als extrem wertvolles Lebensmittel, das auch einkommensschwa?cheren Mitgliedern unserer Gesellschaft zur Verfu?gung stehen soll.“ Und es werden immer mehr Partner, nicht nur aus der Fleischerbranche. Erst ku?rzlich hat sich auch Ankerbrot zu einer Kooperation entschlossen. Ankerbrot Marketingleiterin Tina Schrettner: „Wir sehen es als Teil unserer sozialen Verantwortung an, mit Lebensmitteln sorgsam umzugehen.”

Gebu?hr pro Vermittlung und Jahr

Wie sieht es finanziell aus? Fu?r ihre Fleischwaren, die mit vielen Ressourcen und Aufwand hergestellt wurden, bekommen die teilnehmenden Fleischereien einerseits die gebu?hrende Wertscha?tzung und einen kleinen moneta?ren Beitrag. Die App, der Kundenservice und die Betreuung der Betriebe finanzieren sich u?ber eine Vermittlungsprovision von 1,19 Euro pro U?berraschungssackerl. Zusa?tzlich fa?llt ein ja?hrlicher Mitgliedsbeitrag von 49 Euro an. Diese Gebu?hren werden mit den Einnahmen gegengerechnet, somit kommt es zu keinen Abbuchungen durch To Good To Go. Ein Win-win-Situation also fu?r die Betriebe, die Kunden – und die Umwelt sowieso!

© To Good To Go

Wo Lebensmittel in O?sterreich verschwendet werden

26 Kilo pro Sekunde oder u?ber 831 Millionen Kilogramm: So viel gehen an genussfa?higen Lebensmitteln im Laufe der Wertscho?pfungskette pro Jahr verloren. Diese Zahlen hat Greenpeace auf Basis von verschiedenen Quellen fu?r O?sterreich hochgerechnet. Nur ein Drittel davon fa?llt bei den privaten Haushalten an. Das sind aber immerhin noch fast 229 Millionen Kilogramm an Lebensmitteln. Gru?nde dafu?r sind falsch eingescha?tzte Haltbarkeitsdaten, nicht verwertete Speisereste oder falsche Einkaufsplanung. Groß ist auch die Verschwendung in Gastha?usern, Restaurants oder Kantinen. Rund 175 Millionen Kilogramm Lebensmittel landen hier im Mu?ll – bestenfalls in der Verwertung fu?r Biogas & Co.

Die Spirale beginnt sich aber bereits ganz am Beginn der Lebensmittelgewinnung zu drehen. Schon in der Landwirtschaft sind es u?ber 167 Millionen Kilogramm, die – weil etwa Gemu?se und Obst nicht der „Norm“ entsprechen – aussortiert werden. Immerhin kann ein Großteil davon verfu?ttert oder kompostiert werden. Fast 122 Millionen Kilogramm sollen im Produktionsbereich ja?hrlich verloren gehen, so die Hochrechnungen.
Großes Wegschmeißen auch im Supermarkt: Was u?brig bleibt oder in den Regalen kaputtgeht, wird nur zu einem Bruchteil an karitative Einrichtungen oder als Tierfutter weitergegeben. So ging erst Anfang des Jahres ein trauriges Raunen durch die Branche, als ein Video von einem Mu?llberg aus verpackten Fleischprodukten in den sozialen Medien viral ging. Und erst ku?rzlich wurde u?ber Tonnen voller weggeworfener Lebensmittel in einem Nobel-Billa in Wien berichtet. Gezeigt wurde in einem Video eine Gruppe von jungen Menschen, die im Mu?llraum besonders viel Brot, Salat und Bananen finden. „Auch einen Eimer voll mit Ka?se, der noch am selben Tag entsorgt wurde“, wie die fu?r die Aufdeckung verantwortliche Initiative „Letzte Generation O?sterreich“ mitteilte.

Autorin: Bettina Kreuter