Am Wort!

Fritz Floimayr: „Mittelstand in der Krise!“

Eigentümer und Geschäftsführer von Gourmetfein – der Kommentar zur derzeitigen Situation.

Mittelstand in der Krise: Die Zweidrittelmehrheit wird vergessen!

Schlägt man die Zeitungen auf, springen einem derzeit vor allem die Sprecher der multinationalen Nahrungs- mittelkonzerne entgegen. Sie beklagen die großen Herausforderungen für ihre milliardenschweren Unterneh- men und fordern vom Staat mehr Geld. Ihre Stimme hat Gewicht, immerhin verfügen sie über beste Beziehungen in die Politik und können sich mit Millionenbudgets auch öffentliches Gehör verschaffen. Gut für sie! Aber was ist eigentlich mit dem unternehmerischen Mittelstand? Was ist mit den vielen kleinen Bäckern, Metzgern, Händlern und Nahversorgern in den Regionen, die aktuell ums Überleben kämpfen? Wer hört hin, wenn die Tausenden kleinen Kaufleute nicht mehr weiterwissen und dann irgendwann den Hut draufhauen? Jeden Tag passiert das und dann wundern wir uns, wieso die regionale Wirtschaft immer weniger vielfältig wird. Wissen die Politiker eigentlich, wie wichtig diese Unternehmen für unser Land sind?
99,7 Prozent der über 700.000 Unternehmen in Österreich sind klein- oder mittelständisch. Rund zwei Drittel aller Beschäftigten arbeiten bei ihnen und zusammen erwirtschaften sie rund zwei Drittel aller Umsätze. Zwei Drittel, in der Politik ist das die nötige Mehrheit, um die Verfassung zu ändern. Und doch fühlt man sich nicht entsprechend vertreten.

Der Mittelstand macht unser Land krisenresistent

Ich habe mich nie in parteipolitische Debatten eingemischt und werde das auch jetzt nicht machen. Aber wenn die Verantwortlichen in der Politik, gleich welcher Partei, nicht bald begreifen, dass ihre bisherigen Aktivitäten nicht ausreichen, dann werden sie sich eine Mitschuld am Niedergang des Mittelstands vorwerfen lassen müssen. Schon jetzt ist Österreich der absolute Spitzenreiter beim Anstieg von Firmenpleiten in ganz Europa. Die Corona-Pandemie sollte uns gelehrt haben, dass wir uns nicht zu stark von globalen Lieferketten und Nahrungsmittelkonzernen abhängig machen sollten. Vielmehr müssten wir gerade jetzt die Selbstversorgung stärken, genauso wie die Kreislaufwirtschaft und den Mittelstand in den Regionen. Diese Dinge sind es, die eine Volkswirtschaft resilient gegenüber Krisen machen, gleich, ob bei Pandemien, Kriegen oder Versorgungsengpässen. Ich bin ein einfacher Kaufmann, aber ich trage Verantwortung für circa 200 Beschäftigte, über 200 Partnerbauern und meine Zigtausenden Kunden. Und auch in ihrem Namen appelliere ich an die Politik, jetzt endlich ins Handeln zu kommen. Im Land, im Bund und in Europa, vergesst die Zweidrittelmehrheit nicht! Wenn sie erst weg ist, werden wir leidvoll erkennen müssen, wie wichtig unternehmerische Vielfalt in den Regionen ist.

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