Produktion & Industrie

Dramatische Situation: Preise wegen Corona und Klimawandel weiter im Höhenflug

Der Höhenflug der Kosten für Agrarwaren, Verpackungen und Logistik hat sich in den vergangenen Monaten fortgesetzt. Ernteausfälle und massive Störungen in den weltweiten Logistikketten haben die Preise auf allen Ebenen weiter nach oben getrieben und das praktisch zeitgleich. Hinzu kommen Kostenerhöhungen für Energie wie Strom, Gas und Treibstoffe. Die heimische Branche kämpft mit einer historischen Kostenlawine. 

Die Lebensmittelindustrie ist eine der größten Branchen Österreichs. Sie sichert im Interesse der Konsumentinnen und Konsumenten tagtäglich die Versorgung mit sicheren, qualitativen und leistbaren Lebensmitteln.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie machen sich als weltweite Preissteigerungen bei vielen Agrarwaren und Verpackungsarten bemerkbar. Zusätzlich führen die  Klimawandel bedingten Wetterextreme zu Ernteausfällen. Diese doppelte Belastung ist für  die Österreichische Lebensmittelindustrie mehr als dramatisch.  Solche Marktentwicklungen auf so vielen Ebenen – und das praktisch zeitgleich – stellen die Betriebe der Lebensmittelindustrie vor extreme Herausforderungen. Eine Entspannung der Lage scheint aktuell nicht in Sicht zu sein.

Großflächige Ernteausfälle

Die Wetterextreme in den vergangenen Monaten haben zu großflächigen Ernteausfällen geführt. Das trifft eine breite Range an Agrarwaren, die für die Weiterverarbeitung wichtig sind.Etwa waren Früchte wie Brombeeren, Himbeeren, Heidelbeeren oder Marillen auf den Märkten kaum verfügbar bzw. bereits ‚ausverkauft‘. In der Folge kam es zu dramatischen Verteuerungen. Das trifft die Obst- und Gemüseverarbeitungsindustrie sehr.

Auch die Lage auf den Getreidemärkten, etwa bei Weizen, ist prekär. Die Wetterkapriolen in diesem Jahr haben die Qualität und die verfügbaren Mengen massiv beeinträchtigt und in Folge zu enormen Preissteigerungen bei Mahl- und Futtergetreide geführt. Das trifft etwa Mehl oder Back- und Teigwaren.

Weiters sind Zucker, Glukosesirup und Alkohol ebenfalls um 15 bis 20 % angestiegen. Die Grundweinpreise für die Sekthersteller haben sich aufgrund der überproportionalen Rosé-Preissteigerungen um 25 bis 30 % nach oben bewegt. Die Preise für Speiseöle, Kakao, Molkereiprodukte, Geflügel aus Österreich und vieles mehr haben ebenfalls im zweistelligen Prozentbereich zugelegt.

Probleme in der Logistik

Auch Gewürze, die aus aller Welt kommen, sind durch die Ernteausfälle und die weltweiten Logistikprobleme extrem betroffen. Beispielsweise liegen die reinen Frachtkosten für einen Container aus Asien um rund 900 % über jenen vor der Corona-Pandemie. Davon unmittelbar betroffen ist etwa der Import von Gewürzen wie Pfeffer, Paprika, Ingwer, Muskat, Zimt, Kreuzkümmel und Kurkuma. Zusätzlich zu den hohen Frachtkosten ziehen auch die Preise für z. B. Pfeffer und Zimt um 50 % und Paprika um 20 % deutlich an. Weiters ist Senfsaat für die Senf- und Feinkostindustrie im Inland kaum zu bekommen und um rund 50 % teurer.

Die Unternehmen können weder auf andere Lieferanten oder Logistikdienstleister ausweichen noch Agrarwaren in der notwendigen Qualität und Quantität im Inland oder am Weltmarkt ordern. Das ist eine ungewöhnliche Situation und belastet die Betriebe sehr.

Hinzu kommen die Verteuerungen bei Verpackungen jedweder Art wie Verpackungsglas, Kunststoff, RePET, Aluminium oder Papier bzw. Kartonagen. Die Kosten für Glas, Aluminiumtuben, Alu-Kapseln, Kronenkorken und Schraubdeckel für Gläser und Flaschen legten in den vergangenen Wochen um einen zweistelligen Prozentbereich weiter zu. Aluminium für Verpackungen hat sich um fast 70 %, Stahl für die Deckel von Verpackungsglas sogar um 80 % verteuert.

Erschwerend ist, dass sich die Lieferungen für viele Verpackungen um mehrere Monate verzögern. Auch haben sich die Logistik- und Frachtkosten vervielfacht. Dazu kommen Engpässe bei Paletten und Containern sowie fehlende Fahrerinnen und Fahrer für LKW. Mit einer Entspannung der Situation im weltweiten Frachtgeschäft rechnen Logistik-Experten frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2022.

 

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