Provisur

Die Geschichte der Käsekrainer: Wie eine Wurst zur österreichischen Kult-Ikone wurde

Die Käsekrainer ist mehr als nur eine Wurst – sie ist ein Stück österreichische Identität. Seit den 1970er Jahren begeistert die geräucherte Brühwurst mit Emmentaler-Käse Genießer im ganzen Land. Erfahren Sie, wie die Käsekrainer bei Radatz ihren Siegeszug begann, warum das „Stupfen“ für den perfekten Geschmack entscheidend ist und wie sie zur beliebtesten Grillwurst Österreichs wurde.

Die Geschichte der Käsekrainer: Ein österreichischer Kulthit mit Käse im Kern

Wenn es um österreichische Alltagsküche geht, führt kein Weg an der Käsekrainer vorbei. Diese geräucherte Brühwurst mit würzigem Emmentaler-Käse ist nicht nur ein Highlight auf jedem Grill, sondern auch ein fester Bestandteil der Würstelstandkultur. Doch wie wurde aus einer simplen Idee in den 1970er Jahren ein Kultprodukt, das heute jährlich Millionen Fans begeistert? Die Geschichte der Käsekrainer, maßgeblich geprägt durch den Wiener Fleischwarenhersteller Radatz, ist eine Erfolgsgeschichte mit Wiener Schmäh und kulinarischer Raffinesse.

Der Ursprung: Eine Idee nimmt Gestalt an

Die Wurzeln der Käsekrainer reichen zurück in die 1970er Jahre nach Salzburg. Damals traf Helmut Brandl, der Verkaufsleiter von Radatz, auf einen Einkäufer einer bekannten Supermarktkette. Bei einem Gespräch kam die Idee einer „Käsegriller“ auf – einer Wurst, die neben Brät auch Käse enthält. Brandl, stets offen für Innovationen, experimentierte mit verschiedenen Rezepturen, bis die perfekte Kombination aus Schweine- und Rindfleisch mit Emmentaler gefunden war.

Doch die Geschichte der Käsekrainer beginnt womöglich etwas anderes: So sollen die Ur-Käsekrainer bereits 1971 in Buchkirchen von Franz Thalhammer und Herbert Schuh erfunden worden sein. Im Rahmen eines Betriebsbesuchs von Franz Radatz sowie den Herren Aibler und Schlapp – ursprünglich ging es um die Besichtigung eines Einwiegecomputers – wurde den Gästen zur Jause eine besondere Wurst gereicht: die sogenannte „Kasamandl“. Franz Radatz war so begeistert, dass er die Idee aufgriff und in den folgenden Jahren zur marktreifen Käsekrainer weiterentwickelte.

Die „Käsekrainer“ war geboren – daumengroß, paarweise verpackt und zunächst eine Randerscheinung im Sortiment des Familienunternehmens Radatz.

Zu dieser Zeit war die österreichische Wurstlandschaft noch von Klassikern wie Burenwurst, Debreziner und Frankfurter geprägt, die traditionell in großen Kesseln gekocht wurden. Die Käsekrainer blieb lange unbeachtet, da das Grillen am Würstelstand noch keine gängige Praxis war. Doch ein entscheidender Wandel stand bevor.

Der Durchbruch: Vom Kessel zum Grill

Der Wendepunkt kam, als ein Würstelstand beim Praterstadion in Wien eine innovative Idee hatte: Ein Schlosser baute eine Grillvorrichtung, auf der Würste nicht nur gekocht, sondern auch gebraten werden konnten. Der Erfolg dieser Neuerung war überwältigend. Binnen kürzester Zeit rüsteten Würstelstände in ganz Wien nach – und die Käsekrainer fand ihren perfekten Platz auf dem Rost. „Der Aufstieg der Käsekrainer stellt alles in den Schatten“, betont Christine Palfrader, eine erfahrene Würstelstand-Betreiberin aus Wien. Sie erklärt den Erfolg mit einer simplen Wahrheit: „Der Wiener und seine Wurst – das ist eine spezielle Liebe.“

Die Kombination aus knackiger Hülle, würzigem Brät und geschmolzenem Käse traf einen Nerv. Die Rezeptur, die Radatz entwickelt hatte, blieb seither unverändert. Wie Elisabeth Radatz-Fiebinger, Marketingleiterin bei Radatz, stolz erzählt, war das Unternehmen der erste Produzent, der die Käsekrainer flächendeckend in österreichischen Supermärkten platzierte. „Die Zeit war einfach reif für Käse in der Wurst!“, resümiert sie.

„Stupfen“ – Das Geheimnis des perfekten Genusses

Ein entscheidender Schritt zur Perfektion der Käsekrainer war die Erfindung des „Stupfens“, die Christine Palfrader zugeschrieben wird. Als Schwester der Firmengründerin war sie von Beginn an mit Radatz verbunden und brachte ihre Expertise in die Zubereitung ein. Beim „Stupfen“ wird die Wurst vor und während des Grillens mit einer spitzen Gabel oder Nadel angestochen. Dadurch tritt der Emmentaler an einigen Stellen aus, brät sanft weiter und bildet eine köstliche Kruste – das berühmte „Käsefusserl“, das den intensiven Geschmack der Käsekrainer ausmacht.

„Man streicht die Wurst zunächst mit etwas Fett ein, damit der Naturdarm nicht austrocknet“, erklärt Palfrader. „Dann stupft man sie während des Bratens mehrfach an und wendet sie zum Schluss nicht mehr, damit die Kruste erhalten bleibt.“ Diese Technik erfordert Geduld und Fingerspitzengefühl – eine Kunst, die viele Genießer lieber den Profis am Würstelstand überlassen.

Die Käsekrainer am Würstelstand: Ein Stück Alltagskultur

Der Würstelstand ist in Österreich mehr als nur ein Ort für einen schnellen Imbiss – er ist ein sozialer Treffpunkt, der Menschen aller Altersgruppen und Schichten zusammenbringt. Hier ist die Käsekrainer unangefochtene Spitzenreiterin unter den Wurstsorten, noch vor Leberkäse oder Frankfurter. Serviert mit Senf, Ketchup oder Curry, begeistert sie Laufkundschaft ebenso wie Stammgäste. Besonders junge Menschen greifen fast ausschließlich zu gegrillten Varianten, während ältere Generationen auch gekochte Würste schätzen.

Christine Palfrader, selbst ein Wiener Original, beschreibt das Lebensgefühl am Würstelstand treffend: „Hier hat man eine große Familie. Die Gäste kennen sich, schließen Freundschaften und genießen mit vollem Genuss.“ Trotz der Konkurrenz durch Fast Food und einem leichten Rückgang der Würstelstände ist sie überzeugt: „Das Lebensgefühl am Würstelstand hat Bestand.“

Radatz und die Käsekrainer: Eine Erfolgsgeschichte in Zahlen

Die Beliebtheit der Käsekrainer spiegelt sich auch in den Verkaufszahlen wider. „Jährlich werden in Österreich etwa 8 Millionen Radatz Käsekrainer gegessen“, erklärt Verkaufsleiter Johann Pichler. Das entspricht einer Länge von über 1.300 Kilometern – ungefähr die Strecke von Wien nach Barcelona. Radatz setzt dabei nicht nur auf Tradition, sondern auch auf Innovation: Neben der klassischen Variante gibt es Chili-Käsekrainer, Käsekrainer-Schnecken, XXL- und Mini-Varianten – für jeden Grillfan das Passende.

Der „Tag der Käsekrainer“: Eine Hommage an die Grillkultur

Um die Bedeutung der Käsekrainer zu würdigen, hat Radatz den „Tag der Käsekrainer“ ins Leben gerufen, der jährlich am letzten April-Tag gefeiert wird – passend zum Start der Grillsaison am ersten Maiwochenende. Mit Sonderaktionen in den Filialen, besonderen Produkten und Events wird die Kultwurst geehrt. Franz Radatz, Geschäftsführer des Familienunternehmens, betont: „Die Käsekrainer ist ein sehr österreichisches Produkt und ein Beitrag zur kulinarischen Vielfalt unserer Küche.“

Ein Kultprodukt mit Zukunft

Die Käsekrainer ist mehr als eine Wurst – sie ist ein Symbol für österreichische Lebensfreude und Alltagskultur. Von den bescheidenen Anfängen bei Radatz in den 1970er Jahren bis zur Ikone am Würstelstand hat sie einen weiten Weg zurückgelegt. Mit Tradition, Innovation und Leidenschaft sorgt Radatz dafür, dass der Genuss der Käsekrainer auch in Zukunft Bestand hat – sei es am Grill zu Hause oder bei einem schnellen „Käsekrainer to go“ vom Würstelstand.

 

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